Konjunktur Ökonomen warnen vor Rezession

Jetzt verlässt auch das gewerkschaftsnahe Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung die Hoffnung, dass die deutsche Wirtschaft eine Rezession noch vermeiden kann. Die Politik sei gefordert, die Auswirkungen abzumildern.
Stahlbleche von Salzgitter: Gedrückte Stimmung in der Wirtschaft

Stahlbleche von Salzgitter: Gedrückte Stimmung in der Wirtschaft

Foto: Julian Stratenschulte/DPA

Die Konjunkturampel springt im Herbst auf "rot". Von einer akuten Rezessionsgefahr gehen jetzt auch die Forscher des gewerkschaftsnahen Instituts IMK aus. Für den Zeitraum von September bis Ende November weist das Frühwarnsystem des Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) ein Risiko für eine schrumpfende Wirtschaft von 59,4 Prozent auf - nach 43 Prozent im August. Das ist der höchste Wert seit dem Winterhalbjahr 2012/2013, als die Konjunktur während der Hochphase der Eurokrise eine technische Rezession durchlief - also zwei Quartale mit schrumpfender Wirtschaftsleistung.

Ebenso rechnet das Ifo-Institut mit einer weiter schrumpfenden Wirtschaftsleistung im Sommerquartal 2019 - und zwar in der Größenordnung wie im Frühjahr von minus 0,1 Prozent zum Vorquartal. "Eine leichte Erholung im vierten Quartal und die starken plus 0,4 Prozent aus dem ersten Vierteljahr dürften dann plus 0,5 Prozent für das Gesamtjahr bedeuten", berichtete das Institut am Donnerstag in München.

"So unterstellen wir, dass ein harter Brexit oder eine Eskalation des US-Handelskrieges ausbleiben", sagte Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser. Die Konjunkturschwäche habe ihre Spuren mittlerweile auf dem Arbeitsmarkt hinterlassen. Die Arbeitslosigkeit steige bereits den vierten Monat in Folge, und der Anteil der Unternehmen, die Kurzarbeit angemeldet haben, habe deutlich zugenommen. Für 2020 erwartet das Ifo einen Anstieg der Arbeitslosenzahl auf 2,313 Millionen, nach 2,275 Millionen in diesem Jahr. Die Zahl der Beschäftigten soll allerdings weiter langsam zunehmen.

Staatliche Eingriffe gefordert

Am Mittwoch hatte das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) für das dritte Quartal ein Minus von 0,3 Prozent im Vergleich zum Vorquartal prognostiziert. Das Essener RWI rechnet wie das Ifo für die Monate Juli bis September mit minus 0,1 Prozent.

"Die bisherige Hoffnung, dass die gute Inlandsnachfrage Deutschland vor dem Abschwung retten kann, schwindet zunehmend", sagt der wissenschaftliche Direktor des IMK, Sebastian Dullien. Nun sei die Wirtschaftspolitik gefragt, um einer Rezession entgegenzusteuern oder zumindest ihre Effekte abzumildern. Zudem erhöhe sich der Druck auf die Europäische Zentralbank, die Geldpolitik weiter zu lockern.

Der starke Anstieg der Wahrscheinlichkeit, dass es zu einer Rezession kommt, basiert nach Analyse des IMK auf einer breiten Palette von Frühindikatoren. Darunter sind rückläufige Zahlen für die Produktion und für die Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe, weniger offene Stellen auf dem Arbeitsmarkt und eine gedrückte Stimmung in der Wirtschaft. Entscheidend für die Eintrübung des Indikators sind laut IMK die beträchtlichen außenwirtschaftlichen Risiken, also ein harter Brexit, die von den USA heraufbeschworenen Handelskonflikte und geopolitische Spannungen. Hinzu kämen strukturelle Schwächen deutscher Schlüsselindustrien wie der Automobilindustrie.

mik/Reuters
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