Konjunktur OECD rechnet mit anhaltender Flaute der deutschen Wirtschaft

Die deutsche Wirtschaft ist stark von der Industrie abhängig. Die Spannungen im Welthandel könnten daher laut OECD zu einem schwächeren Wachstum im kommenden Jahr führen.

Autos in Emden werden für den Export vorbereitet
Jörg Sarbach/dpa

Autos in Emden werden für den Export vorbereitet


Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat der deutschen Wirtschaft für das kommende Jahr eine weiter schwächelnde Konjunktur prognostiziert. Die Wirtschaftsleistung werde in Deutschland 2020 um nur 0,4 Prozent wachsen, teilte die Industrieländer-Organisation in ihrer jährlichen Prognose für alle OECD-Länder mit.

Für das laufende Jahr erwartet die OECD eine Zunahme des Bruttoinlandsprodukts um 0,6 Prozent. Anhaltende Handelsstreitigkeiten und die Unsicherheit wegen des Brexits verschlechterten die Aussichten für die exportabhängige deutsche Wirtschaft.

2021 könnte die Konjunktur sich jedoch wieder etwas erholen, hieß es. Die Wirtschaftsexperten rechnen mit einem Wachstum von 0,9 Prozent. Gründe dafür sind demnach eine weitere Anhebung des Kindergelds und Steuerentlastungen durch den Wegfall des Solidaritätszuschlags.

Der Privatkonsum und das Baugewerbe blieben laut der OECD-Prognose robust für den Zeitraum. Mit einer starken Verschlechterung des Arbeitsmarktes sei wegen des anhaltenden Fachkräftemangels und der Flexibilisierung der Arbeitszeiten nicht zu rechnen, teilte die Organisation mit.

Anhaltende Spannungen im Welthandel führten im gesamten Euroraum zu einem Konjunkturabschwung, hieß es in dem Bericht. Am stärksten davon betroffen seien Deutschland und Italien wegen ihrer Abhängigkeit von der verarbeitenden Industrie. Staaten wie Frankreich oder Spanien, die sich stärker auf die Inlandsnachfrage stützten, konnten laut den OECD-Angaben der Konjunkturverlangsamung bisher besser standhalten.

Wie funktioniert die Civey-Methodik?
Das Meinungsforschungsinstitut Civey arbeitet mit einem mehrstufigen vollautomatisierten Verfahren. Alle repräsentativen Echtzeitumfragen werden in einem deutschlandweiten Netzwerk aus mehr als 20.000 Websites ausgespielt ("Riversampling"), es werden also nicht nur Nutzer von SPIEGEL ONLINE befragt. Jeder kann online an den Befragungen teilnehmen und wird mit seinen Antworten im repräsentativen Ergebnis berücksichtigt, sofern er sich registriert hat. Aus diesen Nutzern zieht Civey eine quotierte Stichprobe, die sicherstellt, dass sie beispielsweise in den Merkmalen Alter, Geschlecht und Bevölkerungsdichte der Grundgesamtheit entspricht. In einem dritten Schritt werden die Ergebnisse schließlich nach weiteren soziodemografischen Faktoren und Wertehaltungen der Abstimmenden gewichtet, um Verzerrungen zu korrigieren und Manipulationen zu verhindern. Weitere Informationen hierzu finden Sie auch in den Civey FAQ.
Warum ist eine Registrierung nötig?
Die Registrierung hilft dabei, die Antworten zu gewichten, und ermöglicht so ein Ergebnis für die Umfragen, das für die Wahlbevölkerung in Deutschland repräsentativ ist. Jeder Teilnehmer wird dabei nach seinem Geschlecht, Geburtsjahr und Wohnort gefragt. Danach kann jeder seine Meinung auch in weiteren Umfragen zu unterschiedlichen Themen abgeben.
Wie werden die Ergebnisse repräsentativ?
Die Antwort jedes Teilnehmers wird so gewichtet, dass das Resultat einer Umfrage für die Grundgesamtheit repräsentativ ist. Bei der Sonntagsfrage und beim Regierungsmonitor umfasst diese Grundgesamtheit die wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland. Die Gewichtung geschieht vollautomatisiert auf Basis der persönlichen Angaben bei der Registrierung sowie der Historie früherer Antworten eines Nutzers. Weitere Details zur Methodik stehen im Civey-Whitepaper.
Erreicht man online überhaupt genügend Teilnehmer?
Meinungsumfragen werden in der Regel telefonisch oder online durchgeführt. Für die Aussagekraft der Ergebnisse ist entscheidend, wie viele Menschen erreicht werden können und wie viele sich tatsächlich an einer Umfrage beteiligen, wenn sie angesprochen werden. Internetanschlüsse und Festnetzanschlüsse sind in Deutschland derzeit etwa gleich weit verbreitet - bei jeweils rund 90 Prozent der Haushalte, Mobiltelefone bei sogar 95 Prozent. Die Teilnahmebereitschaft liegt bei allen Methoden im einstelligen Prozentbereich, besonders niedrig schätzen Experten sie für Telefonumfragen ein.
Es gibt also bei beiden Methoden eine Gruppe von Personen, die nicht erreicht werden kann, weil sie entweder keinen Anschluss an das jeweilige Netz hat oder sich nicht an der Umfrage beteiligen möchte. Deshalb müssen für ein aussagekräftiges Ergebnis immer sehr viele Menschen angesprochen werden. Civey-Umfragen sind derzeit neben SPIEGEL ONLINE in mehr als 20.000 andere Webseiten eingebunden, darunter auch unterschiedliche Medien. So wird gewährleistet, dass möglichst alle Bevölkerungsgruppen gut erreicht werden können.
Woran erkenne ich die Güte eines Ergebnisses?
Bis das Ergebnis einer Umfrage repräsentativ wird, müssen ausreichend viele unterschiedliche Menschen daran teilnehmen. Ob das bereits gelungen ist, macht Civey transparent, indem zu jedem Umfrageergebnis eine statistische Fehlerwahrscheinlichkeit angegeben wird. Auch die Zahl der Teilnehmer und die Befragungszeit werden für jede Umfrage veröffentlicht.
Was bedeutet es, wenn sich die farbigen Bereiche in den Grafiken überschneiden?
In unseren Grafiken ist der statistische Fehler als farbiges Intervall dargestellt. Dieses Intervall zeigt jeweils, mit welcher Unsicherheit ein Umfragewert verbunden ist. Zum Beispiel kann man bei der Sonntagsfrage nicht exakt sagen, wie viel Prozent eine Partei bei einer Wahl bekommen würde, jedoch aber ein Intervall angeben, in dem das Ergebnis mit hoher Wahrscheinlichkeit liegen wird. Überschneiden sich die Intervalle von zwei Umfragewerten, dann können streng genommen keine Aussagen über die Differenz getroffen werden. Bei der Sonntagsfrage heißt das: Liegen die Umfragewerte zweier Parteien so nah beieinander, dass sich ihre Fehlerintervalle überlappen, lässt sich daraus nicht ableiten, welche von beiden aktuell bei der Wahl besser abschneiden würde.
Was passiert mit meinen Daten?
Die persönlichen Daten der Nutzer werden verschlüsselt auf deutschen Servern gespeichert und bleiben geheim. Mitarbeiter von Civey arbeiten für die Auswertungen lediglich mit User-IDs und können die Nutzer nicht mit ihrer Abstimmung in Verbindung bringen. Die persönlichen Angaben der Nutzer dienen vor allem dazu, die Antworten zu gewichten und sicherzustellen, dass die Umfragen nicht manipuliert werden. Um dies zu verhindern, nutzt Civey statistische wie auch technische Methoden. Darüber hinaus arbeitet Civey mit externen Partnern zusammen, die Zielgruppen für Werbetreibende erstellen. Nur wenn Nutzer die Datenschutzerklärung sowohl von Civey als auch von einem externen Partner akzeptiert haben, dürfen Ihre Antworten vom Partner zur Modellierung dieser Zielgruppen genutzt werden. Ein Partner erhält aber keine Informationen zu Ihren politischen und religiösen Einstellungen sowie solche, mit denen Sie identifiziert werden können. Civey-Nutzer werden auch nicht auf Basis ihrer Antworten mit Werbung bespielt. Der Weitergabe an Partner können Sie als eingeloggter Nutzer jederzeit hier widersprechen. Mehr Informationen zum Datenschutz bei Civey finden Sie hier.
Wer steckt hinter Civey-Umfragen?
An dieser Stelle haben Leser in der App und auf der mobilen/stationären Website die Möglichkeit, an einer repräsentativen Civey-Umfrage teilzunehmen. Civey ist ein Online-Meinungsforschungsinstitut mit Sitz in Berlin. Zur Erhebung seiner repräsentativen Umfragen schaltet die Software des 2015 gegründeten Unternehmens Websites zu einem deutschlandweiten Umfragenetzwerk zusammen. Neben SPIEGEL ONLINE gehören unter anderem auch der "Tagesspiegel", "Welt", "Wirtschaftswoche" und "Rheinische Post" dazu. Civey wurde durch das Förderprogramm ProFit der Investitionsbank Berlin und durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert.

hej/dpa/Reuters



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andneu 21.11.2019
1. Da müssen doch bestimmt wieder ....
.... Löhne und Unternehmenssteuern runter .... ;-)
mirage122 21.11.2019
2. Auf und nieder!
Immer wieder hocherfreut bin ich über die "qualifizierten Erhebungen" von Civey! Für mich immer noch geschätzte Magazine wie der Spiegel bzw. SPON bedienen sich diesem mehr als fragwürdigen Institut. Wer hat da mit wem eine Leiche im Keller? Und die wahnsinnige Erkenntnis, dass die Erhöhung des Kindergeldes und die Abschaffung des Solis dem normalen Verbraucher mehr Geld zum Ausgeben bescheren, hätte ich nicht erkannt. Zum Glück kenne ich jemanden, der an einem Wirtchaftsgymnasium sein Abitur gemacht hat, Danke für diesen Beitrag!
camilli79 21.11.2019
3. DDR typische Lügen
In der DDR musste man glauben, dass wir in einer der besten Gesellschaften lebten. Trotzdem war die Erkennungsmöglichkeit für den Bürger betreff des Zustandes der DDR Wirtschaft besser als heute in der BRD. Man wusste Bescheid uns konnte sich danach richten. Heute wird einem erzählt, D könne nicht überleben, wenn nicht jährlich 400 000 Migranten herein strömen. Personalnotstände angeblich noch und nöcher. Dann wird mal bei Frau Will erklärt, wir könnten die Hälfte aller Krankenhäuser dicht machen und hätten keinen Pflegenotstand mehr. Parallel dazu machen hirnverbrannte Politiker Einfahrsperren für ein wenig ältere KFZ in die Städte, weil ad eine aus dem Boden gestampfte "Deutsche Umwelthilfe" ihren unrealistischen Terror verbreitet. Dabei haben wir in D gute Lebensbedingungen im Vergleich mit der EU. Also eien Rezession ist z.T. herbei geredet. Die deutsche Regierung kann ihre aufstocken wenn sie z.B. illegale Migranten konsequent abschieben würde, die kompletten Araber Clans aus der deutschen Staatsbürgerschaft entlassen würde und mal deren Ein-und Auskommen beser kontrollieren täte. Da hätte man wohl mindestens 50 Milliarden jährlichen Gewinn, die in die notwendigen Rentenerhöhungen , Schul- und Strassenbau fliessen müssen. Und schon wäre der technische und damit finanzielle Nachteil durch chinesischen know-how-Klau aus Deutschland abgefedert. Es gäbe sicher unzählige Dinge in D neu zu ordnen, die Geld für Staatsvorhaben bringen. Weg mit der Groko, SPD soll raus und sich markant neu zur Wahl stellen, die Grenzen sichern. Die Angaben der OECD beruhen auf Schätzungen und sind ein opolitisches Instrument derjenigen, die den grössten Einfluss auf die OECD haben. Also alles andere als neutral.
so-long 22.11.2019
4. Ausgeschlafen?
Bis die OECD ausgeschlafen hat, ist der Markt wieder halb verlaufen. Ein Blick auf die Kapitalmärkte zeigt eine Gänzlich andere Einschätzung der Lage. D braucht eine neue Regierung, ohne "weiter so" und Ohne neuen Verschuldungsorgien. Je eher, desto besser, sonst mit entsprechender Zeitverzögerung.
fulgurator 22.11.2019
5. Falsche OECD-Prognosen
Die OECD irrt oft mit ihren Weissagungen wie andere prominente Wirtschaftsinstitutionen, siehe: https://www.theguardian.com/business/economics-blog/2017/jan/08/economic-forecasts-hardwired-get-things-wrong Wunderbarerweise soll das Vereinte Köngreich 2020 noch ein Wachstum von 1% trotz Brexit haben, obwohl der Trend schon 2019 ein reales Schrumpfen anzeigt: https://bielmeiersblog.dzbank.de/2019/08/09/brexit-effekte-fuehren-zum-erste-wachstums-minus-in-grossbritannien-seit-sechs-jahren/ Die Gründe für diese Fehlprognosen liegen zum einen in der engstirnigen, neoliberalen Ausrichtung der OECD und zum anderen im bekannten Phänomen der Klüngelbildung unter den vorwiegend politisch motivierten "Wirtschaftsexperten". Das wissenschaftlich ausgerichtete und mit besserer Expertise für Deutschland ausgestatte Leibniz-Institut DIW sieht jedenfalls für 2020 und 2021 ein Wirtschaftswachstum von jeweils 1,4% voraus.
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