Konjunktur Wirtschaftsexperten setzen auf Erholung

Sie sind wieder vorsichtig optimistisch: Bundesregierung, Bundesbank und Wirtschaftsinstitute erwarten eine weitere Erholung der Konjunktur. Eine generelle Entwarnung aber wollen sie nicht geben - noch immer drohen Kreditklemme und Protektionismus.

Bauarbeiter einer Berliner Baustelle: Deutsche Wirtschaft hat an Dynamik gewonnen
ddp

Bauarbeiter einer Berliner Baustelle: Deutsche Wirtschaft hat an Dynamik gewonnen


Berlin - So viel Zuversicht hat es lange nicht gegeben: Die deutsche Wirtschaft hat sich im dritten Quartal nach übereinstimmender Meinung der Bundesregierung und der Bundesbank weiter erholt. Die gesamtwirtschaftliche Leistung dürfte zwischen Juli und September deutlicher zugenommen haben als im zweiten Quartal, heißt es im Monatsbericht Oktober des Bundeswirtschaftsministeriums, der am Montag veröffentlicht wurde. Nach Einschätzung der Bundesbank hat die deutsche Wirtschaft in den vergangenen Monaten an Dynamik gewonnen.

Den Ausgangspunkt der Erholung bilde die weltwirtschaftliche Erholung, die dem Außenhandel Impulse verleihe, erklärte das Wirtschaftsministerium. So dürften die Exporte in der Quartalsbetrachtung erstmals seit mehr als einem Jahr wieder zugelegt haben. Neben den umfangreichen geldpolitischen und fiskalischen Maßnahmen wirke insbesondere die allmähliche Überwindung der Vertrauenskrise im dritten Quartal stützend. In der Binnenwirtschaft kämen die Maßnahmen der Konjunkturprogramme zum Tragen.

Risiken bleiben bestehen

Trotzdem warnen die Experten vor verfrühter Euphorie: Die Erholung bleibe mit erheblichen Risiken belastet. Insbesondere seien die Produktionskapazitäten trotz Erholungstendenzen noch unausgelastet und beeinträchtigen die Perspektiven am Arbeitsmarkt. Auch bestünden Unsicherheiten an den Finanzmärkten trotz anhaltender Besserung fort.

Auch das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) gibt noch keine generelle Entwarnung. Die größten Risiken lägen im aufkeimenden Protektionismus, in einer drohenden Kreditklemme und in Fehlfunktionen im Finanzierungsbereich der Unternehmen insbesondere durch fehlgesteuerte Banken, sagte IW-Direktor Michael Hüther. Hinzu komme eine deutliche Verschlechterung der Ertragslage der Unternehmen, was deren Investitionen drücken könne.

Nach Einschätzung der Bundesbank hat sich die deutsche Wirtschaft im dritten Quartal "von dem konjunkturellen Tief, in das sie nach dem Einbruch im Winterhalbjahr 2008/09 gefallen war, weiter erholt". Hinter der konjunkturellen Erholung sieht die Bundesbank unter anderem die wieder günstigeren Geschäftsaussichten und die "weitere Aufhellung des internationalen Umfelds". Zudem gebe es fortgesetzte Entspannungssignale von den Finanzmärkten. Auch sei die vergangene Rezession auf dem Arbeitsmarkt "nach wie vor nur sehr verhalten zu spüren", heißt es im Monatsbericht der Bundesbank.

Bundesbank zuversichtlich

In ihrem Monatsbericht legte die Bundesbank zwar keine Prognose für die Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im dritten Quartal vor, allerdings hatte Bundesbankpräsident Axel Weber kürzlich erklärt, dass er gegenüber dem zweiten Quartal ein Wachstum von "rund 0,75 Prozent" erwarte. Damit dürfte die deutsche Wirtschaft Weber zufolge in diesem Jahr auch eher um nur fünf Prozent schrumpfen - und nicht um 6,2 Prozent, wie die offizielle Bundesbankprognose zurzeit noch lautet.

Im zweiten Quartal war das deutsche BIP bereits um 0,3 Prozent gewachsen. Davor war die Wirtschaft angesichts der globalen Finanzkrise vier Quartale in Folge geschrumpft. Nach der jüngsten Prognose der Bundesregierung wird die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr um fünf Prozent schrumpfen und 2010 um 1,2 Prozent wachsen.

sam/ddp



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Galaxia, 06.08.2009
1.
Zitat von sysopNeue Anzeichen für eine Erholung der deutschen Wirtschaft: Die Industrie konnte im Juni deutlich zulegen - ihre Auftragseingänge stiegen um 4,5 Prozent, weit stärker als von Volkswirten erwartet. Bei all den Meldungen zur Konjunktur - blicken Sie noch durch?
Im Artikel heisst es ja "Gefragt waren demnach vor allem Maschinen und Fahrzeuge." Und bei Fahrzeugen konkret ist hier sicherlich dies auf die Umwelt-Abwrackprämie zurückzuführen. Daher man muss relativieren und durch diese "Prämie" wurde nur etwas aufgeschoben. Sinn solcher Meldungen ist wohl der Gedanke, das einige meinen man kann etwas schön reden. Die Verpackung macht auch was her, nur ändert das nichts daran wenn der Inhalt faul ist. Deutschland kann nur einen nachhaltigen Aufschwung schaffen, wenn es seine Energietechnologie umstellt.
Bettelmönch, 06.08.2009
2.
Zitat von sysopNeue Anzeichen für eine Erholung der deutschen Wirtschaft: Die Industrie konnte im Juni deutlich zulegen - ihre Auftragseingänge stiegen um 4,5 Prozent, weit stärker als von Volkswirten erwartet. Bei all den Meldungen zur Konjunktur - blicken Sie noch durch?
Nein, aber das zeigt, daß die Konjunktur komplexer ist als viele Expertenmeinungen suggerieren.
BTW, 06.08.2009
3.
Zitat von sysopNeue Anzeichen für eine Erholung der deutschen Wirtschaft: Die Industrie konnte im Juni deutlich zulegen - ihre Auftragseingänge stiegen um 4,5 Prozent, weit stärker als von Volkswirten erwartet. Bei all den Meldungen zur Konjunktur - blicken Sie noch durch?
Drastisch mehr Auftraege ? Ist ja voll krass. "Im Jahresvergleich ... lag das Minus im Juni bei 25,3 Prozent nach minus 29,4 Prozent im Vormonat"
mbberlin, 06.08.2009
4.
Zitat von sysopNeue Anzeichen für eine Erholung der deutschen Wirtschaft: Die Industrie konnte im Juni deutlich zulegen - ihre Auftragseingänge stiegen um 4,5 Prozent, weit stärker als von Volkswirten erwartet. Bei all den Meldungen zur Konjunktur - blicken Sie noch durch?
Blickt ihr beim Spiegel nocht durch?
Wolfghar 06.08.2009
5.
Zitat von sysopNeue Anzeichen für eine Erholung der deutschen Wirtschaft: Die Industrie konnte im Juni deutlich zulegen - ihre Auftragseingänge stiegen um 4,5 Prozent, weit stärker als von Volkswirten erwartet. Bei all den Meldungen zur Konjunktur - blicken Sie noch durch?
Ich blicke sicher nicht durch, aber ich misstraue auch allen Volkswirten mit Parteibuch und den INSM Gefühlsermittlungsinstituten bei ihrer politischen Stimmungsmache. Was bedeuten 4,5% mehr Aufträge bei einem Einbruch von bis zu 70% teilweise? Ein Aufschwung? Was für eine demagogische Desinformation! Mit Wahrheit und Ehrlichkeit wollen diese Leute sicher nichts zu tun haben. Aber wenn es jetzt wieder neue Aufträge gibt kann man ja endlich die Löhne weiter senken um die Stellen zu halten.
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