192 Milliarden Euro Investitionen Wirtschaftsforscher fordern zweites Konjunkturpaket

Fast 200 Milliarden Euro in den nächsten zehn Jahren: Das DIW plädiert für weitere massive staatliche Investitionen in einen klimaschonenden Umbau Deutschlands. Das bisherige Konjunkturpaket reiche nicht.
Arbeiten an Gleisbett bei Essen: Schienenverkehr mit 15 Milliarden Euro zusätzlich fördern

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Foto: Roland Weihrauch/DPA

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) schlägt ein weiteres Konjunkturpaket vor, das anders als das Corona-Paket strukturell nachhaltig wirken soll. Rund 192 Milliarden Euro sollen demnach in den nächsten zehn Jahren investiert werden: etwa in Kitas und Ganztagsschulen, in Schlüsseltechnologien, Unternehmensgründungen, eine Entschuldung der Kommunen und eine Umstiegsprämie für Menschen, die vom Auto auf Fahrrad, Bus und Bahn wechseln. Ziel müsse ein digitaler, ressourcen- und klimaschonender Umbau der Industrienation sein, teilte das Institut mit .

Die Bundesregierung will die durch die Coronakrise hart getroffene Wirtschaft bis 2021 mit 130 Milliarden Euro ankurbeln. Das wird von den DIW-Ökonomen positiv bewertet, aber als nicht ausreichend angesehen. Das Corona-Paket stabilisiere vor allem kurzfristig. "Zusätzliche Investitionen zahlen sich hingegen langfristig aus und steigern die Einkommen dauerhaft", sagte DIW-Konjunkturchef Claus Michelsen. "Damit hinterlassen wir zukünftigen Generationen nicht nur eine wettbewerbsfähigere und nachhaltigere Wirtschaftsstruktur - wir erleichtern mit höherem Wachstum auch den Schuldenabbau." Deutschland könne sich nicht "aus der Krise hinausexportieren" wie nach der Finanzkrise, sagte Michelsen. "Unsere Kassenschlager - Fahrzeuge, Maschinen und Anlagen - werden nicht mehr nachgefragt."

Das vorgeschlagene zweite Konjunkturpaket  schaffe nach Prognose der DIW-Ökonomen mehr Arbeitsplätze, als durch die Coronakrise verloren gegangen seien. Bei einem Volumen von rund 192 Milliarden Euro würde das jährliche Wachstum in den kommenden zehn Jahren um durchschnittlich 0,5 Prozent jährlich erhöht, analysiert das DIW. Zugleich werde die Beschäftigung um mehr als 800.000 Arbeitsplätze aufgebaut.

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Wirtschaftsleistung bis Ende 2021 noch lange nicht auf Vorkrisenniveau

Ein solches Programm finanziere sich durch höhere Steuereinnahmen fast zur Hälfte selbst, argumentiert das Institut. "Wir reden schon seit geraumer Zeit über Dekarbonisierung, Digitalisierung, Infrastruktur oder bessere Bildung", sagte Michelsen. "Hier hat Deutschland viel nachzuholen."

Die Wirtschaft könne ab dem Sommerquartal wieder wachsen, aber nur "schleppend", sagte Michelsen. Die Zahl der Arbeitslosen steige im Jahresschnitt um eine halbe Million. "Dass viele Unternehmen vom Exportgeschäft abhängig sind, macht die deutsche Wirtschaft in Krisenzeiten wie diesen sehr verletzlich", sagte DIW-Präsident Marcel Fratzscher. Die Verluste dürften 2021 bei Weitem noch nicht wettgemacht sein.

Das DIW rechnet damit, dass die deutsche Wirtschaftsleistung in diesem Jahr um 8,1 Prozent schrumpft und im nächsten Jahr um 4,3 Prozent wächst. Kommt das bereits geplante Konjunkturpaket der Bundesregierung nicht, fiele die Bilanz um jeweils 1,3 Prozentpunkte schlechter aus. Eine zweite Corona-Welle würde die Prognose weiter trüben.

fdi/dpa/Reuters
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