Konjunktur Wirtschaftsleistung in Deutschland im zweiten Quartal geschrumpft

Die guten Tage der Wirtschaft neigen sich dem Ende zu. Im zweiten Quartal ging das Bruttoinlandsprodukt leicht zurück. Vor allem die exportorientierte Industrie steckt im Abschwung.
Bauarbeiter

Bauarbeiter

Foto: Christophe Gateau/ dpa

Die Wirtschaftsleistung in Deutschland ist im zweiten Quartal 2019 gesunken. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) verringerte sich im Vergleich zum Vorquartal um 0,1 Prozent, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden anhand vorläufiger Daten mitteilte.

Die Entwicklung hatten Experten bereits erwartet. Nach Einschätzung der Deutschen Bundesbank war die konjunkturelle Grundtendenz zuletzt insgesamt schwach. "Ausschlaggebend dafür war, dass sich der Abschwung in der überwiegend exportorientierten Industrie weiter fortsetzte", hieß es im jüngsten Monatsbericht der Notenbank. Eine Erholung des Exportgeschäfts und der Industrie seien noch nicht erkennbar.

Altmaier spricht von Warnsignal

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) wertet die leicht geschrumpfte Wirtschaftsleistung als "Warnsignal". "Die schwelenden Handelskonflikte fordern ihren Tribut - und das bekommt die exportorientierte deutsche Industrie besonders zu spüren", sagte Altmaier der "Bild"-Zeitung.

"Wir sind in einer Konjunkturschwäche, aber noch nicht in einer Rezession. Die können wir verhindern, wenn wir die richtigen Maßnahmen ergreifen", sagte er. Politik und Wirtschaft müssten jetzt gemeinsam handeln. Dazu will Altmeier Unternehmen entlasten, besonders im Mittelstand. Konkret schlug er Entlastungen bei der Körperschaftsteuer und einen klaren Fahrplan für die vollständige Abschaffung des Soli in der kommenden Legislatur vor.

Unter der Abkühlung der Weltwirtschaft, den Unsicherheiten wegen des Handelskonflikts zwischen den USA und China und den unabsehbaren Folgen des Brexits leidet besonders die exportorientierte Autobranche. Hinzu kommt der Strukturwandel in der Autoindustrie durch die Elektromobilität.

Konsum und Bauboom stützen

In den ersten drei Monaten des Jahres war das Bruttoinlandsprodukt gegenüber dem Vorquartal noch um 0,4 Prozent gestiegen. Vor allem die Kauflust der Verbraucher und der Bauboom hielten die deutsche Wirtschaft am Laufen.

Dabei halfen auch Sondereffekte: Der Bau profitierte vom vergleichsweise milden Winter. Für Impulse sorgten zudem Pkw-Käufe, die wegen Problemen der Hersteller bei der Umstellung auf neue Abgastests (WLTP) aufgeschoben worden waren. Diese Effekte dürften im zweiten Vierteljahr entfallen sein.

Für das Gesamtjahr rechnete die Bundesregierung zuletzt mit einem Plus von 0,5 Prozent. Im vergangenen Jahr war das Bruttoinlandsprodukt insgesamt noch um 1,5 Prozent gestiegen.

Eurozone wächst

Trotz des leichten Rückgangs in Deutschland ist das BIP in der Eurozone etwas gewachsen. Im zweiten Quartal lag die Wirtschaftsleistung gegenüber dem Vergleichsquartal des Vorjahres um 0,2 Prozentpunkte höher, wie das Statistikamt Eurostat mitteilte. Die Statistiker bestätigten damit eine erste Schätzung.

Im gleichen Zeitraum betrug das Wirtschaftswachstum der 19 Euroländer 1,1 Prozent. Das der 28 EU-Länder wuchs um 1,3 Prozent. Besondere Dynamik wiesen in der Europäischen Union Ungarn, Rumänien, Finnland und Litauen auf. Rückläufig war die Wirtschaftsleistung neben Deutschland in Großbritannien und Schweden.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Fassung des Artikels hieß es, das BIP sei im vergangenen Jahr um 1,4 Prozent gestiegen. Das Statistische Bundesamt hat den Wert für das Wachstum auf 1,5 Prozent angehoben.

mik/dpa/AFP