Symptom der Wirtschaftsflaute Zahl der Kurzarbeiter steigt deutlich

Die schlechte Auftragslage der deutschen Industrie hinterlässt Spuren: Die Zahl der Beschäftigten in Kurzarbeit hat sich mehr als verdoppelt.

Martin Schutt/ DPA

Der Wirtschaftsabschwung wirkt sich einer Studie zufolge bereits auf die Arbeitszeit aus: Im dritten Quartal von Juli bis September gab es mehr Kurzarbeit und weniger Überstunden sowie eine schwächere Entwicklung vor allem bei exportabhängigen Vollzeitjobs, wie das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) mitteilte. Die Zahl der Arbeitsstunden stieg insgesamt zwar dennoch, Grund war demnach aber vor allem ein sogenannter Kalendereffekt. Im dritten Quartal 2019 gab es einen Arbeitstag mehr als im Vorjahresquartal.

Die Zahl der Kurzarbeiter stieg laut vorläufigen Hochrechnungen im dritten Quartal um 28.000 auf 64.000, wie das IAB mitteilte. Mit Kurzarbeit können Betriebe auf konjunkturbedingte Produktionsrückgänge reagieren, ohne Mitarbeiter entlassen zu müssen. Trotz des jüngsten Anstiegs ist die Zahl der Beschäftigten in Kurzarbeit allerdings noch weit von dem Niveau entfernt, das in akuten Wirtschaftskrisen erreicht wurde. Zum Vergleich: Auf dem Höhepunkt der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise 2009 lag die Zahl der Kurzarbeiter bei zwischenzeitlich 1,5 Millionen.

Vier Millionen haben mehr als einen Job

Auch ein anderer Indikator deutet auf eine schwächere Auslastung vieler Betriebe hin: Die Zahl der Überstunden sinkt deutlich. So machten Beschäftigte im Schnitt 6,2 bezahlte und 5,4 unbezahlte Überstunden. Das waren 0,7 bezahlte und 0,4 unbezahlte Stunden weniger als im dritten Quartal 2018.

Die Zahl der Mehrfachbeschäftigten überschritt zudem im dritten Quartal erstmals die Vier-Millionen-Grenze, sie lag bei knapp 4,1 Millionen. Der Trend zu Mehrfachbeschäftigungen halte bereits seit 16 Jahren an, erläuterte das IAB. Mehrfachbeschäftigungen können demnach sozialversicherungspflichtig oder auch geringfügig sein.

beb/afp

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insgesamt 7 Beiträge
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realist19 03.12.2019
1. Interessant
Die letzten Wochen lösen sich die Medialen Berichterstattung über unsere Wirtschaft im Wechsel mit Positiv und Negativ ab . Erst wurde vor einer aufkommenden Rezession gewarnt und die Signale waren schon zu sehen ! Dann plötzlich war die Rezessionen schon vorbei und keiner hat es gemerkt ,?! Jetzt plötzlich schwächelt die Wirtschaft doch, da es deutlich mehr Kurzarbeit gibt ???…Ja was denn nun ?. Bin mal gespannt wenn man zuverlässige Aussagen bekommt was den nun wirklich mit unserer Wirtschaft los ist !
airfresh 03.12.2019
2. "Die Wirtschaft"
Geht "sie" hoch oder runter? Schwarz oder weiß? ;-) Evtl. gibt es ja verschiedene Branchen, Regionen, Nischen, Zukunftsfähigkeit, Kostenstrukturen, Kundenabhängigkeiten etc.
echobravo 03.12.2019
3. Tarifverhandlungen
Im Frühjahr stehen wieder Tarifverhandlungen zwischen den Metallarbeitgebern und der IG Metall statt. Vorher müssen die AG natürlich erklären, warum bald 100% der Betriebe pleite sind. Keine Lohnerhöhungen möglich, Rückkehr zur 48h Woche ohne Lohnausgleich, etc.
stelzerdd 03.12.2019
4. Zahl der Kurzarbeiter verdoppelt
Wenn die Zahl der Kurzarbeiter sich verdoppelt klingt das sehr schlimm. Panik. Wenn es sich bei der Verdoppelung um einen Anstieg von 0,07% der Beschäftigten auf 0,14% handelt, klingt es schon weniger dramatisch.
spiegelleser987 03.12.2019
5. 48 Stunden?
Zitat von echobravoIm Frühjahr stehen wieder Tarifverhandlungen zwischen den Metallarbeitgebern und der IG Metall statt. Vorher müssen die AG natürlich erklären, warum bald 100% der Betriebe pleite sind. Keine Lohnerhöhungen möglich, Rückkehr zur 48h Woche ohne Lohnausgleich, etc.
Warum Rückkehr zur 48-Stunden-Woche? Ich kenne jemanden, bei dem wurde Anfang des Jahres von Zweischicht- auf Einschichtarbeit umgestellt. Im September wurde es dann zu Teilzeitarbeit. Was heißt Teilzeitarbeit? Null Stunden pro Tag. Nur ab und zu gab es mal einen Anruf: "Komm morgen mal wieder vorbei und arbeite einen Tag". Mitte November wurde er dann gefragt, ob er bereit wäre, arbeitslos zu werden, weil er in einigen Monaten Rentner wird. Er hat zugestimmt und ist nun arbeitslos. Die Firma musste die Produktion fast einstellen, weil die ein Zulieferer für die Autoindustrie und andere große Unternehmen der Metallbranche waren. In den vergangenen Tagen konnten wir in mehreren Zeitungen lesen, wie nicht nur die Autoindustrie immer mehr abgebaut wird. Und wenn jetzt die Kohle verschwinden soll, gibt es noch mehr Arbeitslose. Da hilft die 48-Stundenwoche überhaupt nicht. Es muss dann auf die 1-Stunden-Woche reduziert werden. Wenn das dann mit den Zusatz-CO2-Steuern losgeht, wird es noch mehr zusammenbrechen. Die Politik sollte zwar Ziele stellen, es aber nicht von einem Tag auf den nächsten festlegen. Das vernichtet die industrie, schafft Arbeitsplätze ab und schafft neue Billigjobs. Das Prinzip hat damals Gorbatschow erkannt und die Perestroika eingeführt..
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