Konjunkturprognose Forscher verweigern sich der Euphorie

Konjunkturforscher überbieten sich derzeit mit guten Prognosen für die deutsche Wirtschaft. Doch das DIW will da nicht mitmachen: Die Experten rechnen mit einer Abkühlung des Turbo-Aufschwungs, sagen für 2011 aber immerhin noch ein Wachstum von 3,2 Prozent voraus.

Rohstahlrollen bei ThyssenKrupp: Gute Aussichten für die deutsche Wirtschaft
DPA

Rohstahlrollen bei ThyssenKrupp: Gute Aussichten für die deutsche Wirtschaft


Berlin - In einem Punkt zumindest sind sich Experten einig: Die deutsche Wirtschaft wird 2011 deutlich wachsen. Doch während sich manche Forscher bei den Konjunkturprognosen weit aus dem Fenster lehnen, dämpfen Experten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) die Euphorie. Sie sagen für das laufende Jahr lediglich ein Wachstum von 3,2 Prozent voraus.

Andere Institute sind weitaus optimistischer und rechnen 2011 mit einer Steigerung des Bruttoinlandsprodukts von 3,6 bis 4,0 Prozent. Zu der vergleichsweise zurückhaltenden Prognose des DIW sagte dessen Konjunkturchef Ferdinand Fichtner, die Wachstumsdynamik schwäche sich ab, "steht aber auf einer zunehmend breiteren Basis". Auch im kommenden Jahr werde die Konjunktur mit 1,8 Prozent immer noch kräftig zulegen. Wichtigster Grund blieben die Exporte. "Doch auch von den inländischen Investitionen gehen starke Impulse aus."

Gute Aussichten sehen die Forscher für Arbeitnehmer. Der Aufschwung komme zunehmend bei ihnen an. In diesem Jahr dürften die Löhne laut DIW um durchschnittlich knapp 2,5 Prozent steigen. Für 2012 erwarten die Berliner Forscher sogar ein Lohnplus von fast drei Prozent. "Die Spielräume der Unternehmen sind angesichts der kräftigen Produktionssteigerungen beachtlich", sagte DIW-Konjunkturexperte Simon Junker. "Vor allem in den exportorientierten Branchen sollten die Gewinne weiter kräftig wachsen. Davon dürften auch die Beschäftigten profitieren." Die Arbeitslosenquote werde 2011 auf sieben Prozent sinken.

Auch die Regierung dürfte sich über die Prognose der Forscher freuen: Das DIW erwartet durch sinkende Ausgaben für Arbeitslosengeld auf der einen und steigende Steuereinnahmen und Sozialeinnahmen auf der anderen Seite eine Verbesserung bei den Staatsfinanzen. Das Staatsdefizit werde in diesem Jahr auf 1,7 Prozent des Bruttoinlandsproduktes und 2012 unter die Ein-Prozent-Marke fallen, hieß es.

Doch trotz der positiven Aussichten unterstützen die Forscher die Steuersenkungspläne der schwarz-gelben Regierung nicht. "Jetzt die Steuern zu senken, ist angesichts der hohen öffentlichen Verschuldung, der Vorgaben der Schuldenbremse, aber auch angesichts zukünftiger Belastungen zum Beispiel für die Euro-Rettung oder die Energiewende, kaum zu verantworten", sagte Konjunkturchef Fichtner. "Die Verbesserungen des Staatshaushalts seien fast nur der guten Konjunktur zu verdanken. "Die Politik hat bisher durch Konsolidierungen nur sehr wenig beigetragen", kritisierte er.

mmq/dapd/dpa/Reuters

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robiflyer 06.07.2011
1. Euphorie
Dem gedämpften Optimismus kann man sich nur anschließen Wir sind ncoh weit von dem Vorkrisenlevel entfernt. Wie sagte Fr v. d. Leyen " Der Arbeitsmarkt sie wie ein Schwamm" . Angesichts der effektiv Unmengen arbeitsloser Fachkräfte ( also insbes Ingeneure ) kann man nur davon sprechen, daß der Schwamm vollgezogen im 50m Becken schwimmt . Bei effektiv >> 12 Mio Arbeitslosen offenbart sich die effektive Unwissenheit der verzogenen Großindustriellen aufs Feinste . Solch eine Regierung hat das Volk nicht verdient - was anderes ist erschreckenderweise auch kaum wählbar ....
deppvomdienst 06.07.2011
2. Ich vermisse die Bewertung der Zahlen!
Zitat von sysopKonjunkturforscher überbieten sich derzeit mit guten Prognosen für die deutsche Wirtschaft. Doch das DIW will da nicht mitmachen: Die Experten rechnen mit einer Abkühlung des Turbo-Aufschwungs, sagen für 2011 aber immerhin noch ein Wachstum von 3,2 Prozent voraus. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,772695,00.html
Na ja, wenn für jeweils 2 Menschen, die altersbedingt aus dem Erwerbsleben ausscheiden, nur ein Schulabgänger nachkommt, wird sich das logischerweise auf die Arbeitslosenzahlen auswirken. Dann sind die Menschen eben von der Rentenversicherung durchzufüttern, nicht mehr von der Arbeitsagentur - billiger wird es davon nicht. Wenn die neuen Jobs weitgehend im Sozialbereich entstehen, werden die aus den Sozialkassen bezahlt - also der Kranken- und der Pflegeversicherung. Was ist das für ein "Aufschwung"? Wenn 40,8 Millionen Menschen, mehr denn je, erwerbstätig sind, aber der Anteil der Teilzeitbeschäftigten immer weiter zunimmt, ist das überhaupt ein Zuwachs an Beschäftigung? So wird gezählt, gemessen und gewogen, geforscht bis zum Gehtnichtmehr - teuer bezahlt aus öffentlichen Kassen. Aber wo bleiben die Schlussfolgerungen? Wenn Wissenschaft kein Wissen schafft, kann man sie abschaffen! Statistiker rausschmeißen! Im Umfeld der derzeitigen Regierung produzieren sie nichts, also kann man sie auch arbeitslos machen, das ist billiger. Die Volkswirte in diversen Forschungsinstituten sind die Nachfolger der legendären "E-Maschinen-Heizer", die die britischen Bahnbeschftigten beim Wechsel auf E-Loks durchgesetzt hatten, um Arbeitslosigkeit zu vermeiden!
syracusa 06.07.2011
3. Will der Spiegel die Arbeitnehmer veräppeln?
---Zitat von aus dem Artikel--- In diesem Jahr dürften die Löhne laut DIW um durchschnittlich knapp 2,5 Prozent steigen. ---Zitatende--- ... also wird gerade mal knapp die Inflation ausgeglichen, aufgrund höherer Sozialkosten- an denen die Wohlhabenden sich ja nicht beteiligen - bleibt ein sattes Minus. Will der Spiegel die Arbeitnehmer veräppeln?
Holzhausbau 06.07.2011
4. "Forscher verweigern sich der Euphorie"
Zitat von sysopKonjunkturforscher überbieten sich derzeit mit guten Prognosen für die deutsche Wirtschaft. Doch das DIW will da nicht mitmachen: Die Experten rechnen mit einer Abkühlung des Turbo-Aufschwungs, sagen für 2011 aber immerhin noch ein Wachstum von 3,2 Prozent voraus. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,772695,00.html
Die Bürger auch! Denn die Bürger leben in der richtigen Welt - da wo die Realität herrscht!
CHANGE-WECHSEL 06.07.2011
5. nicht nötig
Zitat von sysopKonjunkturforscher überbieten sich derzeit mit guten Prognosen für die deutsche Wirtschaft. Doch das DIW will da nicht mitmachen: Die Experten rechnen mit einer Abkühlung des Turbo-Aufschwungs, sagen für 2011 aber immerhin noch ein Wachstum von 3,2 Prozent voraus. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,772695,00.html
Die Forschungsinstitute, Wirtschaftsinstitute, Meinungsumfrageinstitute sind genauso sinnlos und nicht lebensnotwendig wie die Rating-Agenturen. Das ganze System ist aufgebläht mit irrsinnigen Apparaturen und Mechanismen, die nur dazu dienen eine kleine Gruppe von Elite Reicher zu machen und an der Macht zu halten.
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