Drohende Rezession Deutsche Wirtschaft schrumpft offenbar weiter

Die deutsche Wirtschaft könnte auch im Sommer weiter geschrumpft sein. Das prognostiziert die Bundesbank in ihrem aktuellen Monatsbericht. Sollte das eintreffen, wäre eine technische Rezession da.

Beschäftigte in Leipziger BMW-Werk: Die Autoindustrie leidet unter dem Strukturwandel
Jan Woitas/zb/dpa

Beschäftigte in Leipziger BMW-Werk: Die Autoindustrie leidet unter dem Strukturwandel


Im zweiten Quartal dieses Jahres ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP) bereits um 0,1 Prozent im Vergleich zum Vorquartal geschrumpft. Und dieser Trend könnte sich fortgesetzt haben, schreibt die Deutsche Bundesbank in ihrem Monatsbericht.

"Die gesamtwirtschaftliche Leistung könnte erneut leicht zurückgehen", teilte die Zentralbank mit. Ausschlaggebend dafür ist demnach der "anhaltende Abschwung in der Industrie". Auch der durch Unsicherheiten wie den drohenden Brexit und bestehende Handelshemmnisse wie Zölle bestimmte Außenhandel schwächelte. Hinzu kommt der Strukturwandel in der Autoindustrie durch die Elektromobilität.

"Die deutsche Konjunktur bleibt voraussichtlich auch im Sommer 2019 schwunglos", hieß es. Die Industrieproduktion dürfte angesichts gesunkener Aufträge auch im laufenden Jahresviertel schrumpfen. Damit wird das Abrutschen Deutschlands in eine technische Rezession wahrscheinlicher.

Boom der Baubranche hält wohl an

Sie liegt dann vor, wenn die Wirtschaft mindestens zwei Quartale hintereinander im Vergleich zum jeweiligen Vorjahresquartal schrumpft - sprich das Bruttoinlandsprodukt eine negative Wachstumsrate aufweist. Es handelt sich in diesem Fall aber nur um eine sehr milde Rezession. Anders sähe es aus, wenn die Wirtschaftsleistung im Gesamtjahr gegenüber dem Vorjahr schrumpft. Damit wird jedoch nicht gerechnet. Die Bundesregierung rechnet in diesem Jahr noch mit einem Wirtschaftswachstum von 0,5 Prozent, diskutiert aber bereits über Hilfen in der Krise.

Denn während Industrie und Außenhandel weiter einzubrechen drohen, gilt das nicht für andere Teile der deutschen Wirtschaft. "Die stärker binnenwirtschaftlich orientierten Sektoren können sich diesem Abwärtssog bislang weitgehend entziehen und stützen die Konjunktur", schrieben die Experten. So setze sich der Boom in der deutschen Baubranche voraussichtlich fort. Auch seien die Einkommensperspektiven der privaten Haushalte immer noch günstig. Das stützt die Kauflust der Verbraucher.

Lesen Sie hier die Analyse: Die Krise naht

Erste Spuren der verschlechterten Konjunktur seien inzwischen aber auch auf dem Arbeitsmarkt erkennbar. Die Beschäftigung sei im zweiten Quartal schwächer als in den vorangegangenen Vierteljahren gewachsen. Die Experten schreiben: "Aus heutiger Perspektive ist offen, ob sich die Exporte und damit die Industrie fangen, ehe die Binnenkonjunktur in stärkerem Maß in Mitleidenschaft gezogen wird."

Wie funktioniert die Civey-Methodik?
Das Meinungsforschungsinstitut Civey arbeitet mit einem mehrstufigen vollautomatisierten Verfahren. Alle repräsentativen Echtzeitumfragen werden in einem deutschlandweiten Netzwerk aus mehr als 20.000 Websites ausgespielt ("Riversampling"), es werden also nicht nur Nutzer von SPIEGEL ONLINE befragt. Jeder kann online an den Befragungen teilnehmen und wird mit seinen Antworten im repräsentativen Ergebnis berücksichtigt, sofern er sich registriert hat. Aus diesen Nutzern zieht Civey eine quotierte Stichprobe, die sicherstellt, dass sie beispielsweise in den Merkmalen Alter, Geschlecht und Bevölkerungsdichte der Grundgesamtheit entspricht. In einem dritten Schritt werden die Ergebnisse schließlich nach weiteren soziodemografischen Faktoren und Wertehaltungen der Abstimmenden gewichtet, um Verzerrungen zu korrigieren und Manipulationen zu verhindern. Weitere Informationen hierzu finden Sie auch in den Civey FAQ.
Warum ist eine Registrierung nötig?
Die Registrierung hilft dabei, die Antworten zu gewichten, und ermöglicht so ein Ergebnis für die Umfragen, das für die Wahlbevölkerung in Deutschland repräsentativ ist. Jeder Teilnehmer wird dabei nach seinem Geschlecht, Geburtsjahr und Wohnort gefragt. Danach kann jeder seine Meinung auch in weiteren Umfragen zu unterschiedlichen Themen abgeben.
Wie werden die Ergebnisse repräsentativ?
Die Antwort jedes Teilnehmers wird so gewichtet, dass das Resultat einer Umfrage für die Grundgesamtheit repräsentativ ist. Bei der Sonntagsfrage und beim Regierungsmonitor umfasst diese Grundgesamtheit die wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland. Die Gewichtung geschieht vollautomatisiert auf Basis der persönlichen Angaben bei der Registrierung sowie der Historie früherer Antworten eines Nutzers. Weitere Details zur Methodik stehen im Civey-Whitepaper.
Erreicht man online überhaupt genügend Teilnehmer?
Meinungsumfragen werden in der Regel telefonisch oder online durchgeführt. Für die Aussagekraft der Ergebnisse ist entscheidend, wie viele Menschen erreicht werden können und wie viele sich tatsächlich an einer Umfrage beteiligen, wenn sie angesprochen werden. Internetanschlüsse und Festnetzanschlüsse sind in Deutschland derzeit etwa gleich weit verbreitet - bei jeweils rund 90 Prozent der Haushalte, Mobiltelefone bei sogar 95 Prozent. Die Teilnahmebereitschaft liegt bei allen Methoden im einstelligen Prozentbereich, besonders niedrig schätzen Experten sie für Telefonumfragen ein.
Es gibt also bei beiden Methoden eine Gruppe von Personen, die nicht erreicht werden kann, weil sie entweder keinen Anschluss an das jeweilige Netz hat oder sich nicht an der Umfrage beteiligen möchte. Deshalb müssen für ein aussagekräftiges Ergebnis immer sehr viele Menschen angesprochen werden. Civey-Umfragen sind derzeit neben SPIEGEL ONLINE in mehr als 20.000 andere Webseiten eingebunden, darunter auch unterschiedliche Medien. So wird gewährleistet, dass möglichst alle Bevölkerungsgruppen gut erreicht werden können.
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Bis das Ergebnis einer Umfrage repräsentativ wird, müssen ausreichend viele unterschiedliche Menschen daran teilnehmen. Ob das bereits gelungen ist, macht Civey transparent, indem zu jedem Umfrageergebnis eine statistische Fehlerwahrscheinlichkeit angegeben wird. Auch die Zahl der Teilnehmer und die Befragungszeit werden für jede Umfrage veröffentlicht.
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In unseren Grafiken ist der statistische Fehler als farbiges Intervall dargestellt. Dieses Intervall zeigt jeweils, mit welcher Unsicherheit ein Umfragewert verbunden ist. Zum Beispiel kann man bei der Sonntagsfrage nicht exakt sagen, wie viel Prozent eine Partei bei einer Wahl bekommen würde, jedoch aber ein Intervall angeben, in dem das Ergebnis mit hoher Wahrscheinlichkeit liegen wird. Überschneiden sich die Intervalle von zwei Umfragewerten, dann können streng genommen keine Aussagen über die Differenz getroffen werden. Bei der Sonntagsfrage heißt das: Liegen die Umfragewerte zweier Parteien so nah beieinander, dass sich ihre Fehlerintervalle überlappen, lässt sich daraus nicht ableiten, welche von beiden aktuell bei der Wahl besser abschneiden würde.
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Die persönlichen Daten der Nutzer werden verschlüsselt auf deutschen Servern gespeichert und bleiben geheim. Mitarbeiter von Civey arbeiten für die Auswertungen lediglich mit User-IDs und können die Nutzer nicht mit ihrer Abstimmung in Verbindung bringen. Die persönlichen Angaben der Nutzer dienen vor allem dazu, die Antworten zu gewichten und sicherzustellen, dass die Umfragen nicht manipuliert werden. Um dies zu verhindern, nutzt Civey statistische wie auch technische Methoden. Darüber hinaus arbeitet Civey mit externen Partnern zusammen, die Zielgruppen für Werbetreibende erstellen. Nur wenn Nutzer die Datenschutzerklärung sowohl von Civey als auch von einem externen Partner akzeptiert haben, dürfen Ihre Antworten vom Partner zur Modellierung dieser Zielgruppen genutzt werden. Ein Partner erhält aber keine Informationen zu Ihren politischen und religiösen Einstellungen sowie solche, mit denen Sie identifiziert werden können. Civey-Nutzer werden auch nicht auf Basis ihrer Antworten mit Werbung bespielt. Der Weitergabe an Partner können Sie als eingeloggter Nutzer jederzeit hier widersprechen. Mehr Informationen zum Datenschutz bei Civey finden Sie hier.
Wer steckt hinter Civey-Umfragen?
An dieser Stelle haben Leser in der App und auf der mobilen/stationären Website die Möglichkeit, an einer repräsentativen Civey-Umfrage teilzunehmen. Civey ist ein Online-Meinungsforschungsinstitut mit Sitz in Berlin. Zur Erhebung seiner repräsentativen Umfragen schaltet die Software des 2015 gegründeten Unternehmens Websites zu einem deutschlandweiten Umfragenetzwerk zusammen. Neben SPIEGEL ONLINE gehören unter anderem auch der "Tagesspiegel", "Welt", "Wirtschaftswoche" und "Rheinische Post" dazu. Civey wurde durch das Förderprogramm ProFit der Investitionsbank Berlin und durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert.

apr/dpa/Reuters

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insgesamt 5 Beiträge
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Europa! 19.08.2019
1. Weniger ist mehr
Schrumpfen hört sich immer so negativ an. Aber wenn's um die Kurve geht, muss man eben mal runterschalten. Und was die Energiewende, die Agrarwende, die Verkehrswende, die Digitalisierung, den Klimaschutz und den Heimatschutz angeht, hat Deutschland die Kurve noch nicht gekriegt. Weniger Globalisierung ist bis auf Weiteres mehr.
liberaleroekonom 19.08.2019
2. Soli-Abschaffung für ALLE jetzt, wäre das beste Kunjunkturprogramm
Ja klar, und weil die deutsche Wirtschaft JETZT schwächelt, will der Finanzminister zur Anregung der Binnennachfrage und Unterstützung der Konjunktur die unteren und mittleren Einkommen erst ab 01.01.2021 vom Soli entlasten. Ist das nicht etwas spät? Hinzu kommt, dass er die oberen 10 Prozent, also die vermeintlich Reichen, bis zum Sankt-Nimmerleinstag den Soli weiter bezahlen lassen will. Damit trifft er auch viele Handwerksbetriebe oder Freiberufler. Ich kann daher die Kritik der FDP (Fraktionsvize Theurer) sehr gut verstehen, Zitat: Wir stehen an einer Schwelle der Rezession, und wir brauchen vor allen Dingen für Mittelständler, für Leistungsträger, für Selbstständige eine Entlastung. DreiMillionen Unternehmen in Deutschland sind Personengesellschaften, zahlen also als Unternehmenssteuer die Einkommenssteuer, und bei dem Vorschlag von Finanzminister Scholz gehen die jetzt wieder ohne Entlastung raus, und das ist das eindeutig falsche Signal. Und das Ifo-Institut hat sich wie folgt geäußert und positiven Effekte bei einer Soli-Abschaffung für den Arbeitsmarkt hervorgehoben: Durch die Einführung der von der Bundesregierung gegenwärtig vorgeschlagenen FreiGRENZE (Scholz-Modell) ist zu erwarten, dass etwa 67 000 Erwerbspersonen zusätzlich in ein Beschäftigungsverhältnis wechseln. Da die bereits zuvor Erwerbstätigen durch die geringere marginale Steuerbelastung ihr Arbeitsangebot ausweiten, erscheint ein Anstieg der Beschäftigung auf umgerechnet 106 000 Vollzeitäquivalente, d.h. Vollzeitbeschäftigte mit einer Wochenarbeitszeit von 40 Stunden, möglich. Wird ein FreiBETRAG (Altmaier-Modell) von 16 000 Euro auf die festzusetzende Einkommensteuer anstelle der Freigrenze eingeführt, erhöht sich die Arbeitsmarktpartizipation auf 72 000 neue Beschäftigte und insgesamt 121 000 Vollzeitäquivalente. Die größte Ausweitung des Arbeitsangebots in Höhe von 133 000 Vollzeitäquivalenten ist bei einer kompletten Abschaffung des Solidaritätszuschlags zu erwarten. Quelle: https://www.ifo.de/DocDL/sd-2019-16-bloemer-etal-solidaritaetszuschlag-reform-2019-08-22_0.pdf
Urzweck 19.08.2019
3. Jetzt keine neuen Schulden machen!
...und keine Konjunkturhilfen und keine Lohnausgleiche durchführen und sie so auch nicht aus Steuern bezahlen. Lieber die Staatsausgaben maßvoll senken und auch den Staatsschuldenstand jährlich um 3% des BIP senken. Auch die Verbrauchs- und Einkommenssteuern jetzt nicht erhöhen, stattdessen lieber eine Vermögens- und Erbschaftssteuer einführen. Dann können wir uns eine dauerhafte Rezession von jährlich 1,5% leisten, und so wünsche ich mir es auch.
proffessor_hugo 19.08.2019
4.
…..Mein Vorschlag: Erbschaftsteuer abschaffen und Erbschaften wie normale Einkünfte behandeln...…
.freedom. 19.08.2019
5. Jedes Jahr werden zig Milliarden unserem Wirtschaftskreislauf entzogen
Solche Firmen wie Amazon,Google etc. entziehen unserer Wirtschaft jedes Jahr viele Milliarden Euro, die auch nicht versteuert werden. Dabei entsteht in zehn Jahren ein Schaden von weit über einer halben Billion Euro. Dieses Geld ist auf immer unserem Wirtschaftskreislauf entzogen
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