1,2 Billionen Dollar gegen die Krise Helikoptergeld soll Absturz der US-Wirtschaft verhindern

Die Trump-Administration setzt in der Coronakrise ein Mega-Hilfspaket von mehr als einer Billion Dollar auf. Mancher hält das noch für zu zaghaft.
Von Ines Zöttl, Washington
Supermarkt in Arkansas: Die Jüngeren geben das Geld eher aus

Supermarkt in Arkansas: Die Jüngeren geben das Geld eher aus

Foto: JESSICA RINALDI/ REUTERS

Dienstag dieser Woche war der Tag, an dem Milliarden zu Peanuts schrumpften. Am Vormittag kursierten Pläne der US-Regierung, die Coronavirus-Krise mit einem Hilfspaket im Umfang von 850 Milliarden Dollar zu bekämpfen. Ein paar Stunden später waren daraus schon eine Billion Dollar geworden. "Es ist eine große Nummer", erklärte Finanzminister Steven Mnuchin, nachdem er den Vorstoß den republikanischen Senatoren erläutert hatte. Aber: Es gebe ja auch eine "sehr große Lage in der Wirtschaft".

US-Präsident Donald Trump, der die Coronavirus-Gefahr lange heruntergeredet hatte, geht nun aufs Ganze, um die US-Wirtschaft vor dem Absturz zu bewahren. Die Regierung will nicht nur die Fluggesellschaften raushauen und kleineren Unternehmen über den Abgrund helfen. Sie setzt auch auf ein unorthodoxes Mittel, das in dieser Krise viele Anhänger gefunden hat: Helikoptergeld. Millionen von Amerikanern sollen nach Medienberichten demnächst einen Scheck über mindestens 1000 Dollar vom Staat bekommen und später eventuell noch einen zweiten. "Die Amerikaner brauchen jetzt Cash. Und der Präsident will jetzt Cash geben", sagte Mnuchin in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Trump. "Und wenn ich jetzt sage, meine ich: innerhalb der nächsten zwei Wochen."

Die Idee, Geld vom Himmel regnen zu lassen, stammt aus den Sechzigerjahren und wurde ursprünglich vom Wirtschaftsnobelpreisträger Milton Friedman formuliert. Berühmt wurde sie, als der frühere Fed-Chef Ben Bernanke die Metapher vom Geldabwurf aus dem Hubschrauber 2002 als eine Möglichkeit zur Bekämpfung der Deflation in Japan bezeichnete. Praktisch würde das so ablaufen, dass die Notenbank Geld schafft, das der Staat dann an die Bürger verteilt. Dieses Gedankenexperiment erschien der damaligen Ökonomen-Gilde so schräg, dass Bernanke ab diesem Moment seinen Spitznamen weghatte: "Helicopter Ben".

"Großes Interesse" der Republikaner

Die Coronavirus-Krise aber hat die Idee des Geldabwurfs in Amerika salonfähig gemacht. Nicht nur demokratische Politiker, sondern auch Republikaner wie der Senator Mitt Romney glauben, damit die Folgen der Pandemie für die Wirtschaft abfedern zu können. Denn anders als Steuersenkungen wirken die Auszahlungen ohne Zeitverzug. Für viele der Hotelangestellten oder Kellner, die nun ihren Job verlieren, ist das überlebenswichtig. Und die Regierung hofft auf diese Weise den Konsum zu stützen, ohne den die US-Konjunktur abstürzen würde. Es bestehe "großes Interesse" unter den Republikanern an der Idee, sagte Senats-Fraktionsgeschäftsführer John Thune nach dem Treffen mit Mnuchin.  Zudem gebe es in diesem Punkt gute Chancen für eine Einigung mit den Demokraten, ohne deren Zustimmung im Repräsentantenhaus kein Gesetz verabschiedet werden kann.

Die Trump-Regierung will für die Schecks 500 Milliarden Dollar bereitstellen. Millionäre  sollten dabei nicht von der Aktion profitieren, hieß es im Finanzministerium. Zusätzlich sieht das Konjunkturpaket US-Medien zufolge allein 50 Milliarden Dollar an Hilfen für die Fluggesellschaften und rund 300 Milliarden Dollar für kleinere Unternehmen vor. Außerdem soll der Fiskus die Steuerschulden der Amerikaner stunden. Insgesamt addieren sich die Posten auf rund 1,2 Billionen Dollar - deutlich mehr als das 700-Milliarden-Dollar-Konjunkturprogramm nach der Finanzkrise 2008.

Staatsverschuldung explodiert

Wo das Geld dafür herkommen soll, ist offen. Amerikas Staatsverschuldung explodiert - doch das interessiert angesichts der existentiellen Krise derzeit niemanden. Wenn die Regierung nichts unternehme, könnte die Arbeitslosigkeit auf 20 Prozent hochschnellen, hat Mnuchin gewarnt. Und Trump findet, eine "große Infusion" für die Wirtschaft sei besser als mehrfach nachlegen zu müssen: "Wir wollen den großen Wurf."

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Manchem allerdings ist der immer noch nicht groß genug. Das geplante Ausgabenprogramm im Umfang von rund sechs Prozent des Bruttoinlandsprodukts werde der Krise nicht gerecht, argumentiert der Ökonom Narayana Kocherlakota. Denn der Schaden des Coronavirus für die US-Wirtschaft übersteige diese Summe. Der frühere Präsident der Federal Reserve Bank von Minneapolis hält ein Konjunkturpaket "eher in der Größenordnung von 2,5 Billion Dollar"  für notwendig. Sein Vorschlag: 10.000 Dollar für jedes Kind und jeden Erwachsenen unter 40 Jahren – weil Jüngere das Geld eher ausgeben würden als Ältere. Zudem solle die Regierung jedem einen Bonus zahlen, der sich auf den Virus testen lasse, empfiehlt Kocherlakota.

Das klingt wie eine ziemlich abwegige Idee. Aber das galt bis vor Kurzem auch für Helikoptergeld.