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02. Februar 2014, 15:46 Uhr

Steuergeständnis

Alice Schwarzer räumt Fehler ein

Alice Schwarzer hat eigenen Angaben zufolge rund 200.000 Euro an den deutschen Fiskus nachbezahlt - nachdem sie jahrelang ein Schweizer Konto verheimlicht hatte. Sie spricht von einem "Fehler".

Hamburg - "Ja, ich hatte ein Konto in der Schweiz. Seit Jahrzehnten, genauer: seit den achtziger Jahren. Und erst im vergangenen Jahr habe ich es bei meinem Finanzamt angezeigt." So beginnt eine Stellungnahme auf der Webseite von Frauenrechtlerin Alice Schwarzer. Sie reagiert damit auf einen Bericht des SPIEGEL: Demnach hat die Herausgeberin der Frauenzeitschrift "Emma" im vergangenen Jahr Selbstanzeige erstattet, weil sie jahrelang eine erhebliche Geldsumme in der Schweiz gebunkert hatte, ohne dass der deutsche Fiskus davon wusste.

Inzwischen sei jedoch alles legal, schreibt Schwarzer nun. "Ich gehöre nicht zu den Tausenden, die Schwarzgeld in der Schweiz haben, das bis heute nicht versteuert ist. Meine Steuern sind gezahlt." Ja, sie habe einen Fehler gemacht, sei nachlässig gewesen. "Aber ich habe den Fehler wieder gutgemacht. Ich habe für die letzten zehn Jahre gesamt rund 200.000 Euro Steuern nachgezahlt, plus Säumniszinsen."

Sie habe seit Jahrzehnten nichts von dem Konto abgehoben. "Es war einfach da. Zu meiner Beruhigung", schreibt Schwarzer. Sie habe auf das Konto eingezahlt, als sie wegen anhaltender Hatz gegen sie geglaubt habe, eventuell dauerhaft ins Ausland zu gehen.

Dass nun trotzdem noch über ihren Fall berichtet wird, nennt Schwarzer Rufschädigung. Sie frage sich, ob der Zeitpunkt der Veröffentlichung nur Zufall sei - oder ob es nicht unter anderem mit der Kampagne gegen Prostitution zusammenhänge, die ihre Zeitschrift angezettelt habe.

"Es gibt Fehler, die kann man nicht wieder gutmachen. Zum Beispiel Rufmord. Steuerfehler aber, wie ich einen gemacht habe, kann man wieder gutmachen", schreibt Schwarzer. Ihr Anwalt, der Medienrechtler Christian Schertz, kritisierte die Veröffentlichung als "unerträgliche Verletzung des Steuergeheimnisses und der Persönlichkeitsrechte von Alice Schwarzer". Eine korrekte Selbstanzeige könne durch "offenbar nicht zu verhindernde Denunzierungen und Durchstechereien" zu einem "medialen Tsunami für den Betroffenen" führen, sagte Schertz.

Im Kurznachrichtendienst Twitter sorgte die Steuer-Beichte für heftige Reaktionen. Wettermoderator Jörg Kachelmann warf Schwarzer vor, sich als Opfer eines Rufmordes darzustellen. Schwarzer hatte Kachelmann im Zuge der Vergewaltigungsvorwürfe gegen ihn attackiert. Der stellvertretende SPD-Chef Ralf Stegner twitterte, Schwarzer stehe "wohl eher in einer Reihe mit Uli Hoeneß & Co.". Und die Grünen-Fraktionsvorsitzende Katrin Göring-Eckardt fragte zu dem Thema schlicht: "Moralische Instanz?"

aar/dpa

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