Transparency-Ranking Mit dem Aufstieg fließt das Schmiergeld

China und die Türkei kommen wirtschaftlich voran, doch zugleich nimmt laut einem Ranking auch die Korruption in solch aufstrebenden Ländern zu. Transparency International macht dafür auch internationale Banken verantwortlich.
Straßenszene in Peking: Einzelne profitieren deutlich mehr vom Aufstieg

Straßenszene in Peking: Einzelne profitieren deutlich mehr vom Aufstieg

Foto: WANG ZHAO/ AFP

Berlin - Die Menschen in der Türkei und China hoffen mit dem ökonomischen Aufstieg ihres Landes auf ein besseres Leben. Doch laut dem Korruptions-Index von Transparency International (TI) ist das Wachstum in diesen Ländern oft auch mit Korruption verknüpft. Demnach wachsen Filz und Bestechung gerade in aufstrebenden Wirtschaftsnationen.

China kommt in dem Ranking auf Platz 100, die Türkei auf Platz 64. Beide Länder haben sich damit binnen eines Jahres verschlechtert. "Aufstrebende Wirtschaftsnationen, deren Regierungen Transparenz verweigern und Korruption tolerieren, schaffen ein Klima der Straflosigkeit, in dem Korruption blüht", sagte der TI-Vorsitzende José Ugaz. Gerade in aufstrebenden Wirtschaften müsse aber auf gesundes Wachstum geachtet werden, warnt die Organisation. Ein auf Korruption aufgebautes Wachstum lasse sich langfristig nicht halten.

Dass Einzelne sich bereichern können, haben sie laut Transparency Banken zu verdanken. Obwohl die Institute ihren Sitz meist in Ländern mit eher niedriger Korruptionsrate haben, spielen multinationale Banken laut TI eine wichtige Rolle dabei, dass Korruption in aufstrebenden Wirtschaftsnationen möglich sei. So werde zweifelhaften Eliten ermöglicht, unrechtmäßig erworbene Millionenbeträge beiseite zu schaffen oder zu waschen.

"Fast jeder Bankenskandal, der mit Geldwäsche zu tun hat, ist über Steuerparadiese in kleinen Inselstaaten hinausgegangen", sagte TI-Vertreterin Robin Hodess. Schwarz- und Bestechungsgeld sei auch an den internationalen Finanzplätzen Frankfurt, London und New York gelandet. An solchen Stellen müsse die Korruptionsbekämpfung nachhaltig verbessert werden.

Politische Lage in der Türkei spiegelt sich im Index wider

Die Türkei ist im Transparency-Ranking  am deutlichsten abgerutscht. Das Land liegt auf Platz 64 in der Rangliste, im Vorjahr kam es noch auf Platz 53. Transparency führt das auch auf die politische Lage in der Türkei zurück. Nach den regierungskritischen Protesten im vergangenen Jahr habe es eine Einschränkung der Meinungsfreiheit gegeben, wobei Journalisten verfolgt und festgenommen worden seien, erklärte die Organisation.

Die Korruption ist demnach in politisch instabilen Staaten am höchsten, in Ländern mit einem hohen Maß an Pressefreiheit, transparenten Finanzflüssen und starken Haftungsmechanismen dagegen am niedrigsten.

Als Staat mit der niedrigsten Korruptionsrate listet Transparency wie bereits in den vergangenen Jahren Dänemark auf Platz 1. Die Organisation lobte das dänische Vorhaben, ein öffentliches Register aller in dem skandinavischen Land registrierten Unternehmen zu schaffen, aus dem hervorgehe, wer wirklich eine Firma kontrolliere oder ihr Nutznießer sei. Die EU, die USA und die G20-Staaten sollten Dänemarks Beispiel folgen, forderte Transparency.

Deutschland nicht unter den Top Ten der vorbildlichsten Länder

Zur Spitzengruppe der wenig korrupten Länder gehören Neuseeland, Finnland, Schweden, Norwegen, die Schweiz, Singapur, die Niederlande, Luxemburg, Kanada und Australien. Deutschland liegt unverändert auf Platz zwölf. Als Länder mit der höchsten Korruptionsrate werden erneut Somalia und Nordkorea gelistet. Knapp darüber liegen der Sudan, Afghanistan, der Südsudan und der Irak.

Griechenland, das im Korruptionsindex des vergangenen Jahres mit 40 Punkten das am schlechtesten bewertete Land in der Europäischen Union war, hat sich leicht verbessert. Es liegt im diesjährigen Index gleichauf mit den EU-Ländern Italien, Bulgarien und Rumänien auf Rang 69. Als Land mit der höchsten Korruptionsrate in Europa gilt die Ukraine.

Der Corruption Perception Index  (CPI) oder kurz Korruptionsindex listet 175 Nationen nach dem vermuteten Grad der Korruption im öffentlichen Sektor im Land, spiegelt also Bestechlichkeit, Vetternwirtschaft und Käuflichkeit bei Mitgliedern von Regierung, Behörden und anderen öffentlichen Einrichtungen wieder. Er stützt sich auf verschiedene Umfragen und Untersuchungen von unabhängigen Institutionen, darunter Weltbank und Weltwirtschaftsforum. Laut TI werden Geschäftsleute sowie Länderanalysten befragt und Umfragen mit Staatsbürgern im In- und Ausland miteinbezogen.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels hieß es, auch Brasilien sei im Transparency-Ranking abgerutscht. Das war falsch. Tatsächlich hat sich Brasilien im aktuellen Ranking leicht verbessert. Wir bitten um Entschuldigung und haben den Fehler korrigiert.

mmq/AFP/dpa
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