Wirtschaftliche Folgen Korruptionsskandal bedroht Aufschwung in der Türkei

Der Korruptionsskandal in der Türkei könnte das Wirtschaftswachstum bremsen. Davor warnt jetzt die Regierung von Ministerpräsident Erdogan. Auch die Rating-Agentur Fitch hält negative Folgen für möglich.

Regierungschef Erdogan: Warnung vor Folgen für Konjunktur
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Regierungschef Erdogan: Warnung vor Folgen für Konjunktur


Istanbul - Der Korruptionsskandal in der Türkei droht auf die Wirtschaft des Landes durchzuschlagen. Finanzminister Mehmet Simsek warnte am Dienstag vor politischen Unsicherheiten und ihren Auswirkungen auf die Konjunktur. Die Rating-Agentur Fitch erklärte, der Skandal habe das Potential, die Kreditwürdigkeit der Türkei zu verschlechtern.

Mitte Dezember waren überraschend Dutzende Geschäftsleute mit engen Beziehungen zur Regierung wegen Korruptionsverdachts festgenommen worden. Die Ermittlungen richten sich auch gegen die Söhne dreier Minister, die daraufhin zurücktraten. Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan sah sich gezwungen, die Hälfte seiner Minister auszutauschen. Der Korruptionsskandal stellt die größte Herausforderung für Erdogan dar, der ihn als internationalen Komplott und als Versuch darstellt, ihn zu stürzen.

Finanzminister Simsek sprach im Fernsehsender CNN Turk von einer erheblichen politischen Herausforderung, die sich auch auf das Wirtschaftswachstum auswirken könne. "Es könnte im ersten Quartal zu einer Verlangsamung kommen." Angesicht der Grundvoraussetzungen könne das Wachstum in diesem Jahr aber immer noch vier Prozent erreichen. Im vergangenen Jahrzehnt unter Erdogans Ägide hatte es fünf Prozent oder sogar mehr betragen.

Skandal könnte Kreditwürdigkeit beeinflussen

Die Ratingagentur Fitch erklärte, der Korruptionsskandal habe keinen sofortigen Einfluss auf die aktuelle Bewertung der Kreditwürdigkeit mit "BBB minus". Eine länger anhaltende Unsicherheit könne aber größeren Schaden anrichten. "Wenn der Korruptionsskandal andauert, könnte das die Regierung schwächen und ihre Fähigkeit untergraben, rechtzeitig politische Maßnahmen zu ergreifen, um die wirtschaftliche Stabilität aufrechtzuerhalten."

Der politische und wirtschaftliche Druck durch den Skandal könnte sogar eine straffere Geldpolitik der Zentralbank hinauszögern. Die aber ist nötig, um die Inflation einzudämmen und einen Absturz des Lira-Kurses auf neue Tiefststände zu verhindern.

Erdogan, der drei Wahlen gewonnen hat, ist nach wie vor populär in seinem Land. Unter seiner Regierung erlebte die Türkei einen Wirtschaftsboom. Auch auf der internationalen Bühne rückte Erdogan das Nato-Mitglied Türkei stärker in den Vordergrund - etwa in der Syrien-Krise. Doch auch die Kritik an Erdogans autoritärem Führungsstil wächst. Vor der Kommunalwahl im März könnten Erdogan und seine konservative Partei AKP an Zustimmung verlieren.

cte/Reuters



insgesamt 4 Beiträge
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bbrot99 07.01.2014
1. heisst das...
Korruption = Aufschwung und Ehrlichkeit = Wirtschaftlicher Stillstand/Rückgang?
magoan 08.01.2014
2. Ach, wärst du doch ein Straßenjunge geblieben!
Solange dieser Erdogan mit aller Gewalt versucht seine persönlichen Verflechtungen unter den Tisch zu kehren.Würde ich keinen Cent in dieses korrupte, spannungsgeladene Land investieren. Ein Land ohne Rechtssicherheit kann nur mittelfristig Scheitern, natürlich wie immer auf Kosten der bereits bettelarmen, verschuldeten Normalbevölkerung, die nur noch nicht wissen was auf sie in der nächster Zeit zukommt. Erdogan war ein Straßenjunge und mit diesen Eigenschaften regiert er jetzt auch sein Land. Spätestens die hohe Inflation wird sein Untergang werden, die Monate sind gezählt.
brido 08.01.2014
3. Jetzt hört die Schwärmerei
Zitat von sysopAFPDer Korruptionsskandal in der Türkei könnte das Wirtschaftswachstum bremsen. Davor warnt jetzt die Regierung von Ministerpräsident Erdogan. Auch die Rating-Agentur Fitch hält negative Folgen für möglich. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/korruptionsskandal-bedroht-aufschwung-in-der-tuerkei-a-942266.html
für dieses angebliche Wunderland in der EU hoffentlich wieder auf...
belohorizonte 08.01.2014
4. Krisenmanagment
Türkei zeigt uns den richtigen Weg. Unliebsame Kriitker gilt es nicht nur auszugrenzen, nein, es gilt sie mit Angst und rechtsfreien Massnahmen kalt zu stellen. Während dessen Amigos und Familienanghörige mit Mio-Beträgen zur Clan-Sicherung beitragen. Griechenland zeigt uns ebenso wie sein osmanischer Mentor Türkei die Zukunft in allen Schattierungen auf.
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