Bilanz 2017 Krankenkassen monierten jede zweite Klinik-Abrechnung

Die Krankenkassen sind äußert unzufrieden mit den Kliniken - weil im Jahr 2017 jede zweite geprüfte Rechnung überhöht gewesen sein soll. Nun ist eine schwarze Liste im Gespräch.

Operation: Krankenkassen fordern schwarze Liste
Uwe Anspach/DPA

Operation: Krankenkassen fordern schwarze Liste


Mehr als die Hälfte aller geprüften Krankenhausabrechnungen im Jahr 2017 war falsch. Die Kliniken hätten deshalb insgesamt 2,8 Milliarden Euro an die Kassen zurückzahlen müssen, meldete die "Neue Osnabrücker Zeitung" unter Berufung auf eine Auswertung des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenkassen. Bei der letzten Erhebung für das Jahr 2012 waren es laut Zeitung 1,7 Milliarden Euro gewesen.

Die Kassen sind gesetzlich dazu verpflichtet, die Klinikabrechnungen zu überprüfen. In einem ersten Schritt werden die Abrechnungen auf Auffälligkeiten hin durchgesehen. Dies kann zum Beispiel ein zu langer Aufenthalt im Krankenhaus bei einer leichten Erkrankung sein. In einem zweiten Schritt werden dann bundesweit bis zu 15 Prozent aller Abrechnungen genau geprüft.

Der Vizevorstandschef des Verbands, Johann-Magnus von Stackelberg, forderte eine "Art schwarze Liste", um zwischen falsch und korrekt abrechnenden Krankenhäusern "klar zu unterscheiden". Daneben bedürfe es "gesetzlicher Regelungen", um notorische Falschabrechner zu bestrafen, sagte er der Zeitung. Bisher zögen fehlerhafte Rechnungen keine Konsequenzen für die Krankenhäuser nach sich.

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft warf dem GKV-Spitzenverband "billige Polemik" vor. Ständige falsche Behauptungen, dass es sich bei einer Rechnungskürzung um Falschabrechnungen handele, seien unerträglich. Bei beanstandeten Rechnungen handele es sich massenhaft um medizinische Einschätzungsunterschiede und formale Kriterien, die von den Kassen zur Rechnungskürzung genutzt würden. Erforderlich sei grundsätzlich eine schnelle Reform der Abrechnungsprüfungen.

Anmerkung: Die Stellungnahme der Deutschen Krankenhausgesellschaft lag zum Zeitpunkt der ersten Veröffentlichung dieses Artikels noch nicht vor. Sie sowie der zweite Absatz des Artikels wurden zu einem späteren Zeitpunkt ergänzt.

mik/dpa



insgesamt 52 Beiträge
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Artikel 5 Grundgesetz 02.05.2019
1.
Da hat sich die Privatisierung der Krankenhäuser doch gelohnt!
bunterepublik 02.05.2019
2. Wenn....
Wenn jede zweite Klinikrechnung falsch ist, dürfte dem gesunden Menschenverstand nach auch jede zweite Rechnung von niedergelassenen Ärzten fehlerhaft sein...oder "gebührenoptimiert" ausgestaltet sein, wie dies auch euphemestisch genannt wird. Ob dies immer nur "fahrlässig" aus Nachlässigkeit oder Unkenntnis geschieht, oder bewusstes Handeln dahintersteckt, lass ich mal offen. Die mangelnde Transparenz im Abrechnungswesen des gesamten medizinischen Bereichs gepaart mit mangelnder Kontrolldichte führt aber sicherlich zu Fehlanreizen und einer Selbstbedienungsmentalität. Man sollte es sich zu eigen machen, dass jeder Kassenpatient eine Rechnung nach jedem Arztbesuch erhält, damit er sehen kann, welche Leistungen eigentlich erbracht worden sein sollen und abgerechnet wurden. Möglicherweise hielte dies gleichzeitig auch zu einem bewussteren Umgang mit der Ressource "Arztbesuch" an.
kub 02.05.2019
3. Schwache Leistung dieser Beitrag...
...denn "falsch" heißt ja hier falsch aus Sicht der KK. Gemeint ist "strittig". Steht hier aber nicht. So wie hier auch nicht steht, wie viel tausend Verfahren zu diesem Thema bei Gerichten liegen, so dass Kliniken nach 5 Jahren ihr Geld bekommen - weil sie eben doch nicht falsch abgerechnet haben. Schlechte Recherche! Oder tendenziöse Darstellung...
bockmist 02.05.2019
4. Rechnungen führen immer zu Streit
Einfach mal so Zahlen in die Welt gestreut. Was soll bei einer Erhebung des Spitzenverbandes der Gesetzlichen Krankenkassen da auch schon rauskommen: Die üblichen Verdächtigen. Man muss auch die Gegenseite hören. Aber es ist besser, die Anderen zum Sparen zu zwingen, um von sich selbst abzulenken mit Prachtbauten, hohen Managergehälter und riesigem Personalstand. Wenn man sieht, was in den Krankenkassen alles verwaltet, da greift man sich nur an den Kopf. Aber es ist auch klar, warum es passiert: Die KK bekommen das Geld vom Beitragszahler und ziehen schon mal das ab, was sie glauben zu brauchen plus eine Summe X. Dann werden nicht verständliche Werbemassnahmen bezahlt, der Rest geht an die Leistungsträger. Hoch lebe die Verwaltung.
schukran 02.05.2019
5. War vielleicht so gewollt??
Wir erinnern uns. Als seinerzeit das Vergütungssystem für Ärzte/Krankenhäuser geändert wurde, wurde der Bock zum Gärtner gemacht. Warum? Weil je kränker der Patient gemacht wurde, um so höher war der Reibach. Politisch doch so gewollt, oder???
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