Milliardenschaden für Kassen Mehr als die Hälfte aller Klinik-Abrechnungen ist zu hoch

Krankenhäuser rechnen offenbar in großem Stil zu ihren Gunsten ab. Bei der Überprüfung von Abrechnungen fanden Krankenkassen in jedem zweiten Dokument Fehler. Die Kassen beziffern den Schaden auf 2,3 Milliarden Euro.
OP in Hamburger Klinik: Kassen überprüfen Abrechnungen

OP in Hamburger Klinik: Kassen überprüfen Abrechnungen

Foto: Angelika Warmuth/ picture alliance / dpa

Berlin - Etwa jede zweite von den Kassen geprüfte Krankenhaus-Abrechnung ist falsch. Im ersten Halbjahr 2013 waren knapp 53 Prozent aller kontrollierten Rechnungen zu hoch, genauso wie im Gesamtjahr 2012. Damit liege die Quote im dritten Jahr in Folge über 50 Prozent, teilte der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) mit. Auf den beanstandeten Rechnungen wurden demnach Behandlungen aufgelistet, die nicht in dem behaupteten Umfang oder sogar überhaupt nicht erbracht wurden.

Der dadurch entstandene Gesamtschaden belaufe sich auf hochgerechnet rund 2,3 Milliarden Euro, teilte der Krankenkassenverband mit. Er bestätigte damit einen Bericht der "Frankfurter Rundschau".

Würden die rund 2000 Kliniken richtig abrechnen, könnte der Beitragssatz in der Krankenversicherung, der derzeit bei 15,5 Prozent liegt, laut "FR" um 0,2 Punkte sinken. Nach Angaben des Kassen-Spitzenverbands entsprechen Ausgaben von 1,2 Milliarden Euro etwa einem Beitragspunkt.

Die Kassen sind gesetzlich dazu verpflichtet, die Klinikabrechnungen zu überprüfen. In einem ersten Schritt werden die Abrechnungen auf Auffälligkeiten hin durchgesehen. Dies kann zum Beispiel ein zu langer Aufenthalt im Krankenhaus bei einer leichten Erkrankung sein. In einem zweiten Schritt werden dann bundesweit bis zu zwölf Prozent aller Abrechnungen genau geprüft. "Davon ist die Hälfte falsch", sagte Verbandssprecher Florian Lanz.

Der Gesamtschaden von über zwei Milliarden Euro beruht demnach auf einer Hochrechnung der Kassen. Insgesamt geben diese mehr als 66 Milliarden Euro für Krankenhausleistungen aus.

Ärzte oft anderer Meinung als Kassen

Ergibt die Prüfung, dass eine Abrechnung tatsächlich fehlerhaft war, muss die Klinik den zu viel erhaltenen Betrag zurückzahlen. Die Kassen ihrerseits müssen dem Krankenhaus eine Aufwandspauschale in Höhe von 300 Euro zahlen, wenn sich eine geprüfte Rechnung letztlich als korrekt erweist. Die Krankenkassen fordern daher seit Langem zusätzliche Sanktionen für die Kliniken bei fehlerhaften Abrechnungen.

Über die Ergebnisse der Überprüfungen gibt es seit Jahren Streit. Die Krankenhäuser argumentieren, dass sie fachlich nicht immer richtig seien. Arzt und Kasse sähen viele Fälle aus medizinischer Sicht sehr unterschiedlich.

mmq/AFP/dpa
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