Krankenkassen-Report Arzneiausgaben steigen auf Rekordwert

Hehres Ziel, düstere Realität: Per Gesetz sollten die Ausgaben der Krankenkassen für Medikamente sinken. Tatsächlich kassiert die Pharmaindustrie Einnahmen in Rekordhöhe.
Tabletten

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Foto: Friso Gentsch/ dpa

Patentgeschützte Arzneimittel treiben die Ausgaben der Krankenkassen für Medikamente rasant in die Höhe. 2015 seien die Kosten in diesem Bereich um 1,3 Milliarden Euro auf 14,9 Milliarden Euro im Vergleich zu 2014 gestiegen, teilte das Wissenschaftliche Institut der AOK (Wido) bei der Vorstellung des Arznei-Verordnungsreport mit. Der Ausgabenanstieg bei den patentierten Arzneimitteln betrug damit 9,7 Prozent.

Insgesamt stiegen die Aufwendungen der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) für alle Medikamente demnach auf knapp 37 Milliarden Euro und damit auf ein neues Rekordniveau. In nur zwei Jahren haben sich die Kosten um 4,8 Milliarden Euro erhöht.

Das stehe im krassen Gegensatz zu den Zielen des Gesetzes zur Neuordnung des Arzneimittelmarktes (AMNOG) von 2011, mit dem ursprünglich Einsparungen von zwei Milliarden Euro erzielt werden sollten, kritisierte der Autor des Reports, Ulrich Schwabe.

Einsparpotenzial von 3,2 Milliarden Euro

Der durchschnittliche Apothekenpreis eines patentierten Arzneimittels lag 2015 dem Report zufolge bei rund 369 Euro und stieg damit im Vergleich zum Jahr 2006 um 180 Prozent. Auch im internationalen Vergleich sei der deutsche Patentmarkt besonders teuer, mahnte Wido-Geschäftsführer Jürgen Klauber.

Ein Vergleich der Herstellerpreise aus acht europäischen Ländern ergebe für Deutschland ein theoretisches Einsparpotenzial von 3,2 Milliarden Euro und damit von 25 Prozent des Herstellerumsatzes.

Die Pharmaindustrie konterte, die Arzneikosten stiegen nur moderat, und der Anteil an den Gesamtausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung bleibe stabil. "Die Aufregung über zu viel Geld für neue Arzneimittel ist eine politisch motivierte Gespensterdebatte", sagte die Geschäftsführerin des Verbandes Forschender Arzneimittelhersteller, Birgit Fischer. 70 Prozent der deutschen Preise lägen unter dem europäischen Mittelwert, 30 Prozent gar unter dem niedrigsten Vergleichspreis in Europa.

msc/Reuters/dpa
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