50 Millionen Euro pro Jahr Krankenkassen päppeln Landkrankenhäuser auf

Herzinfarkt, Blinddarm - im Notfall entscheiden oft Minuten. Fatal, wenn die nächste Klinik weit weg liegt. Krankenhäuser auf dem Land sollen daher künftig unbürokratisch bezuschusst werden.

Zuschusswürdig: Chirurgen bei einer Operation (Archivfoto)
iStockphoto / Getty Images

Zuschusswürdig: Chirurgen bei einer Operation (Archivfoto)


120 Krankenhäuser auf dem Land bekommen eine zusätzliche Finanzspritze. Die Kliniken werden ab 2020 jeweils mit 400.000 Euro im Jahr bezuschusst, um die Versorgung in ländlichen Regionen abzusichern. Das teilte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) in Berlin mit.

Insgesamt stellen die Krankenkassen dafür rund 50 Millionen Euro pro Jahr zusätzlich bereit. "Gerade in gesundheitlichen Notlagen braucht es eine schnell erreichbare Versorgung vor Ort", sagte Spahn. Daher würden Krankenhäuser auf dem Land, zu denen es in erreichbarer Nähe keine Alternative gebe, künftig unbürokratisch bezuschusst.

Voraussetzung für die Geldpsritze

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft, der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) und der Verband der Privaten Krankenversicherung hatten sich zuvor auf eine Liste der Krankenhäuser verständigt, die die Förderung erstmals ab kommendem Jahr erhalten können. Rund 70 der Kliniken liegen in Ostdeutschland. Die Liste wird jährlich aktualisiert. Hintergrund ist das im Januar in Kraft getretene Pflegepersonalstärkungsgesetz, mit dem die Finanzierung von Kliniken neu aufgestellt wurde.

Die geförderten Kliniken müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Unter anderem sollen sie in einem Gebiet mit einer Bevölkerungsdichte unter hundert Einwohner pro Quadratkilometer liegen sowie über eine Fachabteilung für Innere Medizin, Chirurgie oder Geburtshilfe verfügen.

"Gemeinsam mit den Klinikvertretern haben wir eine gute Entscheidung getroffen, damit die Menschen auch in Zukunft gerade bei Notfällen ein Krankenhaus für die Erstversorgung in ihrer Nähe haben", sagte Stefanie Stoff-Ahnis, Vorstand des GKV-Spitzenverbandes:

mamk/afp

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malcom1 08.07.2019
1. Für die Galerie
"Die geförderten Kliniken müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Unter anderem sollen sie in einem Gebiet mit einer Bevölkerungsdichte unter hundert Einwohner pro Quadratkilometer liegen sowie über eine Fachabteilung für Innere Medizin, Chirurgie oder Geburtshilfe verfügen". Dies ist nicht zu schaffen mit einer Finanzspritze von Euro 400.000,00 im Jahr. Welcher Internist oder Chiruirg geht in diese Klinik. Von der Guebirtshilfge ganz zu schweigen. Gut gemeint aber......
Freidenker10 08.07.2019
2.
"Krankenkassen päppeln Landkrankenhäuser auf". Wenn dann päppeln die Beitragszahler die Landeskrankenhäuser auf, aber in diesem Fall ist das Geld auch gut angelegt. Wundere mich nur über die Summe, 50 Millionen/Jahr für alle Landeskrankenhäuser scheint mir selbst als Zuschuss recht wenig zu sein...
i.doc 08.07.2019
3. Bei der Geburtshilfe allein...
... wird das Geld locker verschluckt. Einmal kostet soweit ich weiß schon die Versicherung jährlich mehrere 100.000, dann müssten wenn alles rechtlich korrekt zugeht immer 2 Ärzte Tag und Nacht anwesend sein- macht kaum eine Geburtshilfe, nur große Zentren. Ist finanziell auch nicht tragbar. Abgesehen davon das es lange nicht genug Ärzte dafür gibt.
practicus 08.07.2019
4. Die kleinen Krankenhäuser
patientennah, Fachabteilungen für Innere, Chirurgie und Gyn - evt als "Belegkrankenhäuser" von bzw mit niedergelassenen Ärzten betrieben - diese Krankenhäuser wurden seit 1992 (SGB V) unter tatkräftiger Mithilfe von Krankenkassen und Politik (Stichwort "DRG") vorsätzlich zerstört. Die Abrechnung nach DRGs UND die Qualitätsanforderungen der Krankenkassen haben dazu geführt, dass nur spezialisierte Kliniken mit begrenztem Leistungsangebot überleben konnten... Wer nicht wenigstens ein "Endoprothetik-", "Darm-" oder "Wirbelsäulenzentrum" oder wenigstens ein Katheterlabor vorweisen kann, kann wirtschaftlich nicht überleben. Genau so siehr heute die Krankenhauslandschaft aus - zumindest in Ballungsgebieten. Im Landkreis Wesermarsch gibt es für 90.000 EW EINE Klinik mit 235 Betten, die nächsten 3 Krankenhäuser der Maximalversorgung sind mindestens 35-50 Minuten entfernt. In Oberhausen/Rheinland gibt es 220 kEW und 6 Krankenhäuser, in der näheren Umgebung gibt es 3 Uni-Kliniken und 5 weitere Kliniken der Maximalversorgung. Wo da eingespart werden kann, ist offensichtlich!
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