Steigende Krankenkassenbeiträge SPD fordert höheren Anteil für Arbeitgeber

Die Bundesregierung geht davon aus, dass der Zusatzbeitrag für die gesetzliche Krankenversicherung steigen wird. Wer also soll dafür aufkommen? Die SPD will die Arbeitgeber zur Hälfte an der Finanzierung beteiligen.

SPD-Politiker Lauterbach (Archiv): "Nicht gerecht"
DPA

SPD-Politiker Lauterbach (Archiv): "Nicht gerecht"


Angesichts steigender Krankenkassenbeiträge will die SPD die Arbeitgeber bei der Finanzierung der Gesundheitskosten stärker in die Pflicht nehmen. "Die Kostensteigerungen bleiben derzeit allein bei den Arbeitnehmern hängen. Das ist nicht durchzuhalten und nicht gerecht", sagte der Vizechef der SPD-Bundestagsfraktion, Karl Lauterbach, am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters.

Die Arbeitgeber müssten wieder zur Hälfte an der Finanzierung beteiligt werden. Darüber werde in der Koalition nach der Sommerpause gesprochen, kündigte er an. Die Wirtschaft warnte vor Mehrbelastungen und pochte auf die Einhaltung von Zusagen.

Der Arbeitgeberbeitrag ist derzeit bei 7,3 Prozent festgesetzt. Die Arbeitnehmer bezahlen ebenfalls 7,3 Prozent plus einen Zusatzbeitrag, den jede Kasse allein festsetzt. Im Schnitt zahlen die Kassenmitglieder zurzeit einen Zusatzbeitrag von 0,8 bis 0,9 Prozent. Zum Jahreswechsel sei ein Anstieg um 0,2 bis 0,3 Punkte realistisch, sagte ein Sprecher des Spitzenverbands der gesetzlichen Krankenversicherung.

Im ersten Halbjahr Defizit von fast 500 Millionen Euro

Schon im Juni hatte der Verband mitgeteilt, dass die Zusatzbeiträge von 2016 an bis zum Jahr 2019 auf 1,4 bis 1,8 Prozent steigen würden. Auch die Bundesregierung geht im Finanzplan 2015 bis 2019 von einer "Steigerung des durchschnittlichen Zusatzbeitrags bei der gesetzlichen Krankenversicherung" aus. Einer Umfrage des "Handelsblatts" zufolge haben die Kassen im ersten Halbjahr ein Defizit von fast 500 Millionen Euro eingefahren, nach einem Minus von 170 Millionen Euro im ersten Quartal.

Eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums verwies auf steigende Kosten durch die älter werdende Gesellschaft und den medizinischen Fortschritt. Wenn Experten des Schätzerkreises im Herbst ihre Prognosen zu Einnahmen und Ausgaben vorlegten, gebe es eine solide Basis für die Berechnung der Beiträge.

Der Präsident des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall, Rainer Dulger, wandte sich gegen Eingriffe beim Beitrag für die Unternehmer. Es gebe bei den Kassen viele Einsparmöglichkeiten, etwa im Verwaltungsbereich, ohne dass Leistungen für die Patienten gestrichen werden müssten. "Wenn dort alles getan ist, reden wir über die Beiträge, aber das ist aus Sicht der Industrie kein Thema der nächsten Jahre", sagte Dulger. Die Wirtschaft brauche Planungssicherheit.

Nach Angaben Lauterbachs steigen die Beiträge systematisch, weil etwa Pflegekräfte in den Kliniken besser bezahlt werden und neues Pflegepersonal eingestellt werden muss. Auch steige der Bedarf an teuren Arzneimitteln, sagte der Gesundheitsökonom.

mka/dpa/Reuters



insgesamt 73 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Mertrager 25.08.2015
1. Lauterbach
...muss es doch wissen, warum dieses unseres Gesundheitswesen krank ist. Die genannten Gründe sind es nicht. Sondern kranke Strukturen, die faule Ärzte schonen zur Last der fleissigen. Funktionäre in allen Bereichen, die überhöhte "Gehälter" kassieren, die Uneffektivität aller Verwaltungsvorgänge, wenn der Staat beteiligt ist und und ... . Aber nicht das Genannte.
holyowly 25.08.2015
2. Eigentlich...
eigentlich sollten die KKs nicht einen Cent mehr verlangen dürfen. Sie bekommen wirklich schon genug und sollten erst einmal intern Reformen und eine konsequente Ausgabenstraffung durchführen. Der unsägliche Verwaltungsapparat gehört gestrafft, die Kosten für Medikamente neu verhandeln (schliesslich gibt es fast kein Land weltweit, dass so viel für ein Medikament zahlen muss. Anderswo ist das gleiche Medikament fast immer billiger.) Man kann nicht immer nur die Beitragszahler ausquetschen!
ecbert 25.08.2015
3. Die wahren Gründe für Krankenkassendefizite:
Rettungswagen fahren z.B. mehrfach pro Woche die immer gleichen "bildungsferne" Menschen in Krankenhäuser, weil das für diese Personengruppe billiger als ein Taxi und bequemer als stundenlanges Warten bei einem niedergelassenen Arzt ist. Der Zustrom von unqualifizierten Arbeitssuchenden die darum nie einen Job in Deutschland finden werden aber von den Krankenversicherungen kostenlos mitversichert werden wird immer größer. usw. Diese Kosten muss ja schließlich irgendwer bezahlen ! Einzige Lösung: Krankenversicherung nur für Beitragszahler ! Aber solche Wahrheiten werden ja hier bei Spon wegzensiert.
thomasa 25.08.2015
4. Bullshit
Die meisten Arbeitnehmer haben eine falsche Vorstellung davon, was ihre Krankenversicherung kostet,weil sie nur die gute Hälfte als Lohnabzug sehen. Es wäre Quatsch, diese Augenwischerei weiter zu verstärken. Besser wäre, den Arbeitnehmern würde die komplette Sozialversicherung vom Bruttolohn abgezogen, der dann natürlich entprechend höher wäre. Nur informierte Arbeitnehmer können das Sozialsystem auch beurteilen. Will man das verhindern?
juergw. 25.08.2015
5. Unglaublich ,diese Forderung !
in Zukunft sind nur noch die Arbeitnehmer an den Kosten beteiligt!70% des Vermögens in Deutschland gehört einer kleinen Oberschicht von 10 % der Bevölkerung.Das wollen wir nicht ändern.Basta.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.