Kreditwürdigkeit Rating-Agenturen stufen BP noch stärker herunter

Die Finanzwelt scheint uneins darüber, wie gut BP die Katastrophe im Golf von Mexiko bewältigen wird. Während Analysten zuversichtlich sind, dass der Ölkonzern die Kosten für den Schaden leicht schultern kann, sind die Rating-Agenturen skeptisch: Sie stuften BP erneut herunter.

Bekämpfung der Ölpest im Golf von Mexiko: Schaden kaum abzuschätzen
REUTERS

Bekämpfung der Ölpest im Golf von Mexiko: Schaden kaum abzuschätzen


New York/Washington/London - Angesichts der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko gerät der Ölkonzern BP auch von Finanzseite weiter unter Druck. Gleich zwei Rating-Agenturen korrigierten am Donnerstag und Freitag ihre Einstufung für die Kreditwürdigkeit des Unternehmens nach unten. Die Agentur Moody's tat dies bereits zum zweiten Mal - und vergab diesmal eine gleich drei Stufen niedrigere Note.

Moody's senkte die Note von BP von Aa2 auf A2. Die Rating-Agentur begründete diese Entscheidung mit den sich "verschlimmernden Auswirkungen" der Ölkatastrophe nach der Katastrophe auf der Ölplattform "Deepwater Horizon". Die Kosten durch die Umweltschäden des auslaufenden Öls beeinträchtigten die gesamte Finanzlage des Konzerns, erklärte Moody's. Die Agentur hatte die Note des Ölkonzerns erstmals Anfang Juni herabgesetzt.

Zuvor hatte Standard & Poor's als letzte der großen Agenturen die Noten für die Kreditwürdigkeit von BP gesenkt. S&P begründete die Entscheidung mit den "Herausforderungen und Ungewissheiten", vor denen BP wegen der Ölkatastrophe stehe. Die Rating-Agentur stufte BP von AA- auf A ab. Erst am Dienstag hatte auch die Rating-Agentur Fitch zum zweiten Mal die Kreditwürdigkeit des Unternehmens abgesenkt - um sechs Stufen auf BBB.

Wie hoch der Schaden durch die Ölpest tatsächlich sein wird, ist derzeit kaum abzuschätzen. Der Finanzminister des am stärksten betroffenen US-Bundesstaats Louisiana, John Kennedy, fürchtet, dass sie gar die 100-Milliarden-Grenze erreichen könnte. Allein in seinem Bundesstaat summierten sich die täglichen Lohnausfälle für Arbeiter durch die Ölpest auf 100 Millionen bis 150 Millionen Dollar.

Die Verbalausfälle des Tony H.

Zitate starten: Klicken Sie auf den Pfeil

BP hat auf Druck der US-Regierung zugestimmt, 20 Milliarden Dollar in einen unabhängig verwalteten Fonds einzuzahlen, mit dem auch die Aufräumarbeiten finanziert werden sollen. Damit erfüllte der britische Konzern eine zentrale Forderung von US-Präsident Barack Obama. Die Summe, die BP auf vier Jahre verteilt bereitstellen will, soll jedoch keine Obergrenze darstellen.

"Deepwater Horizon" war am 20. April explodiert und zwei Tage später gesunken. Seitdem strömen täglich bis zu 60.000 Barrel Öl aus dem lecken Bohrloch in 1500 Metern Tiefe. Das entspricht etwa 9,5 Millionen Liter. Aber auch diese Schätzung ist mit großen Unsicherheiten behaftet.

Bei einem Auftritt im US-Kongress entschuldigte sich BP-Chef Tony Hayward für die Ölkatastrophe. Kritik erntete Hayward nach seiner Erklärung, dass er vor Abschluss der Untersuchungen nichts über die Gründe des Vorfalls sagen könne. Die demokratische Abgeordnete Kathy Castor forderte BP auf, personelle Konsequenzen zu ziehen: "Niemand bei BP ist bislang gefeuert worden", sagte sie nach der Anhörung. "Es ist Zeit, dass Köpfe rollen."

mik/AFP/Reuters

insgesamt 506 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
merapi22 29.05.2010
1.
Zitat von sysopUS-Präsident Barack Obama geriet über die Vorgänge im Golf von Mexiko in die Kritik. Sein Krisenmanagement und sein Umgang mit BP werden kontrovers diskutiert. Aber welche Möglichkeiten hätte er? Sind die Ölkonzerne politische überhaupt noch zu kontrollieren?
Man muss die Macht der Ölkonzerne durch ein neues Gesetz beschneiden, das der mächtigsten Lobby Amerikas so richtig weh tut: Dem Verbot der Ölförderung im Meer! Obama ist ein Umweltschützer und nur seinem Gewissen und der Zukunft verpflichtet.
emigskarl 29.05.2010
2. Und Gott ist weiß und hat einen Rauschebart?
Zitat von merapi22Man muss die Macht der Ölkonzerne durch ein neues Gesetz beschneiden, das der mächtigsten Lobby Amerikas so richtig weh tut: Dem Verbot der Ölförderung im Meer! Obama ist ein Umweltschützer und nur seinem Gewissen und der Zukunft verpflichtet.
Die USA funktionieren nur durch gigantische Ressourcenvergeudung. Irgendwo muss das Zeug herkommen. Gas aus Wyoming - was dort gerade einen gigantischen Boom erzeugt, Öl aus Lousiana - was dort gerade eine Ölpest erzeugt. Schwund ist eben überall, und da braucht gar nichts politisch geregelt zu werden. Wenn jeder Einzelne weniger Benzin verbraucht, ist das in den Gewinnen der Konzerne zu spüren - nicht aber durch Lobbyarbeit verwässerte Umweltgesetze, die nur scheinbar eine zahnlose EPA stärken sollen.
pulegon 29.05.2010
3. Milchmädchenrechnung
Zitat von merapi22Man muss die Macht der Ölkonzerne durch ein neues Gesetz beschneiden, das der mächtigsten Lobby Amerikas so richtig weh tut: Dem Verbot der Ölförderung im Meer! Obama ist ein Umweltschützer und nur seinem Gewissen und der Zukunft verpflichtet.
Dann warte ich mal, wer zuerst Schreit... die Ölkonzerne oder der Verbraucher. Konstante Nachfrage bei verknappten Angebot ist das perfekte Argument für Preissteigerungen. Wenn man versucht multinational agierende Konzerne mit nationalen Gesetzen zu kontrollieren, dann brauch man sich nicht wundern, das dass nicht funktioniert... Kleiner Tipp offshore (http://dict.leo.org/?lp=ende&from=fx3&search=offshore) außerhalb der Küstengewässer liegend vllt. einfach mal internationale Gesetze und Vereinbarungen schaffen?
merapi22 29.05.2010
4.
Zitat von pulegonDann warte ich mal, wer zuerst Schreit... die Ölkonzerne oder der Verbraucher. Konstante Nachfrage bei verknappten Angebot ist das perfekte Argument für Preissteigerungen. Wenn man versucht multinational agierende Konzerne mit nationalen Gesetzen zu kontrollieren, dann brauch man sich nicht wundern, das dass nicht funktioniert... Kleiner Tipp offshore (http://dict.leo.org/?lp=ende&from=fx3&search=offshore) außerhalb der Küstengewässer liegend vllt. einfach mal internationale Gesetze und Vereinbarungen schaffen?
Da haben Sie Recht, nur ein Verbot reicht nicht, man muss Alternativen schaffen, etwa Neue Kraftstoffe E85, Wasserstoff usw., aber die Konzerne kann man auch an die Leine legen. Wie die Kuba - Blockade zeigt sogar erfolgreich. Ja, außerhalb der Küstengewässer - offshore, macht ja auch Norwegen, kann man nur ueber die UNO in den Griff bekommen. Was man nicht versteht, wir leben auf einer Feuerkugel und haben ein Energieproblem: "99 Prozent unseres Planeten sind heißer als 1000*°C; ca. 90*Prozent des Rests sind immer noch heißer als 100*°C. Fast überall hat das Erdreich in 1*Kilometer Tiefe eine Temperatur von 35*°C bis 40*°C." http://de.wikipedia.org/wiki/Geothermie Sind da die Öl – und andere Lobbyisten schuld, das man das naheliegende vergisst, das Feuer unter unseren Füßen?
Rainer Helmbrecht 29.05.2010
5.
Zitat von sysopUS-Präsident Barack Obama geriet über die Vorgänge im Golf von Mexiko in die Kritik. Sein Krisenmanagement und sein Umgang mit BP werden kontrovers diskutiert. Aber welche Möglichkeiten hätte er? Sind die Ölkonzerne politische überhaupt noch zu kontrollieren?
Die Frage ist doch verengt auf Öl gestellt, sie müsste lauten, wie viele Konzerne, sind Staaten ebenbürtig, oder sogar durch Lobbyismus und Bestechung so einflussreich, dass man von Überlegenheit sprechen kann. Meiner Meinung nach, ein bereits jetzt nicht mehr umkehrbarer Prozess. MfG. Rainer
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.