Ex-Finanzminister Krim-Annexion könnte Russland jährlich sechs Milliarden Euro kosten

Die Annexion der Krim könnte für Russland zum teuren Triumph werden. Ex-Finanzminister Kudrin schätzt die Kosten auf rund sechs Milliarden Euro. Dabei sei die mögliche Flucht von Kapital und Investoren noch nicht einmal berücksichtigt.

Russische Rubel und ukrainische Griwna: "Das ist der Preis"
DPA

Russische Rubel und ukrainische Griwna: "Das ist der Preis"


Russland zahlt nach Einschätzung des früheren Finanzministers Alexej Kudrin auch finanziell einen hohen Preis für die Annexion der Krim. Die Halbinsel zu finanzieren, koste das Land etwa sechs bis sieben Milliarden Dollar (5,5 bis 6,5 Milliarden Euro) pro Jahr, sagte Kudrin am Dienstag vor Journalisten. Hinzu kämen indirekte Kosten wie Verluste durch Kapitalflucht oder den Vertrauensverlust bei Investoren. Diese könnten sich in den nächsten drei bis vier Jahren auf 150 bis 200 Milliarden Dollar summieren. "Das ist der Preis."

Die Annexion der Krim vor etwa einem Jahr und Moskaus Unterstützung der Separatisten im Osten der Ukraine haben die Beziehungen zwischen Russland und dem Westen auf eine harte Probe gestellt. Die Europäische Union und die USA verhängten Sanktionen gegen Russland. Moskau wiederum reagierte mit einem Importverbot für westliche Lebensmittel. Die Folgen der Ukraine-Krise und der Verfall des Rubels haben Russland inzwischen in eine Wirtschaftskrise gestürzt.

Ex-Finanzminister Kudrin gilt als Vertrauter von Präsident Wladimir Putin. Seit er 2011 von Premierminister Dimitrij Medwedew entlassen wurde, hat sich der liberal orientierte Ökonom jedoch wiederholt als Regierungskritiker hervorgetan. Auch jetzt forderte er Putin auf, seine Beliebtheitswerte zu nutzen, um Reformen durchzusetzen. "Wir sind fast dem Untergang geweiht", sagte er. "Das ist die schwerste Herausforderung, der sich der Präsident gegenübersieht."

dab/AFP

insgesamt 129 Beiträge
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jipjensen 31.03.2015
1. Kann man so und so sehen...
Aber die Bevölkerung der Krim hat sich die Annexion gelohnt. Die überwiegende Mehrheit will bei Rußland bleiben. Wäre es denn gegen das Völkerrecht, diese Mehrheit wieder zu zwangsukrainieren?
fat_bob_ger 31.03.2015
2. Ich bin gespannt, wie lange
Herr Kudrin seine kritischen Äußerungen überlebt. Herr Putin wird sicherlich nicht seine Popularitätswerte durch unpopuläre Reformen senken wollen.
kimba_2014 31.03.2015
3.
Mittel- und langfristig trotzdem eine gute Investion für die Russen, alleine schon aus strategischen Gründen. Die EU wirft Milliarden aus dem Fenster und wir bekommen gar nichts dafür, die Russen immerhin die schöne Krim.
Mario V. 31.03.2015
4. Griechenland ist für die EU teurer
6 Mrd. sind für ein großes Land wie Russland nicht so viel. Offensichtlich denkt die russische Führung das Geld sei gut angelegt. Andererseits hatte ich den Eindruck, dass es Russland bei der Krim nicht so sehr um's Finanzielle ging.
loddarcontinua 31.03.2015
5. Kann man beziffern, was die DDR-Übernahme gekostet
hat??? Aber egal. Was für BRD/DDR gilt, gilt auch bei Russland/Krim: Da wuchs zusammen, was zusammen gehört
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