Krise in Amerika Miese US-Arbeitsmarktzahlen drücken den Dax

Es sind enttäuschende Daten: Der amerikanische Arbeitsmarkt stagniert, im August wurden keine neuen Jobs geschaffen. Deutsche Anleger reagieren nervös - der Dax geht mit einem Minus von mehr als drei Prozent aus dem Handel.

US-Präsident Obama: Kampf um neue Jobs
AFP

US-Präsident Obama: Kampf um neue Jobs


Washington - Schlechte Nachrichten vom amerikanischen Jobmarkt: Die Arbeitslosenquote der weltgrößten Volkswirtschaft stagniert im August bei 9,1 Prozent. Es wurden keine Stellen neu geschaffen, erklärte das US-Arbeitsministerium am Freitag. Ökonomen hatten mit 70.000 neuen Jobs gerechnet.

Die unerwartet schwachen Augustzahlen hängen auch mit einem Sondereffekt zusammen: Rund 45.000 Mitarbeiter der Telefongesellschaft Verizon befinden sich im Streik. Ohne diesen wäre die Zahl der Arbeitslosen leicht gesunken.

Insgesamt aber bleibt der Ausblick mies. Auch die beiden Vormonate liefen schlechter als zunächst angenommen. Die Statistiker korrigierten die Werte kräftig nach unten. So wurden im Juli nur 85.000 neue Stellen geschaffen statt wie zunächst berichtet 117.000. Im Juni kamen 20.000 Jobs hinzu - das entspricht nur der Hälfte des ursprünglich angegebenen Werts. Zuvor hatte die US-Regierung bereits ihre Konjunkturprognose für das Gesamtjahr 2011 von 2,6 auf 1,7 Prozent gesenkt.

An der deutschen Börse reagieren die Anleger nervös: Der Dax Chart zeigen baute am Nachmittag seine Verluste aus, zeitweise rutschte er fast vier Prozent im Minus. Bei Handelsschluss lag er mit 5538 Punkten 3,3 Prozent unter dem Wert des Vortages. Bankenaktien waren besonders betroffen: Die Deutsche Bank, die wegen Berichten über ein neues Sparprogramm ohnehin kritisch beäugt wurde, verlor zeitweise mehr als fünf Prozent.

Auch an der US-Börse ist die Stimmung schlecht: Der Dow Jones Chart zeigen pendelte rund zwei Prozent im Minus, schloss dann mit einem Verlust von 2,2 Prozent auf 11.240,26 Punkte. Für den breiter gefassten S&P 500 ging es sogar um 2,53 Prozent auf 1173,97 Punkte nach unten. Auch Nasdaq 100 und Composite fielen um über zwei Prozent.

Schon war der Tag an der Börse schlecht verlaufen, einerseits wegen Gewinnmitnahmen; andererseits, weil es neue Sorgen um Griechenland gab. Verhandlungen zwischen dem Staat und Vertretern von EU, IWF und EZB waren überraschend unterbrochen worden. Zeitungen berichteten von einem Eklat. Das dementierten die Beteiligen zwar umgehend, beruhigen konnten sie die Börsianer so nicht.

Obama gerät unter Druck

Für US-Präsident Barack Obama wird die Jobmisere zu einem immer größeren Problem. Nur noch 39 Prozent der Amerikaner glauben laut einer Umfrage des Gallup-Instituts, dass der Präsident gute Arbeit leistet; nur noch 20 Prozent denken, dass die Politik an der Jobmisere etwas ändern kann.

Nun versucht Obama, dem Land Mut einzuflößen. Am Montag nominierte er mit Alan Krueger einen der weltbesten Arbeitsmarktexperten zu seinem wirtschaftlichen Top-Berater. Am 8. September, kurz nach dem amerikanischen Tag der Arbeit, will er Maßnahmen vorstellen, um eine Million neue Jobs zu schaffen. In einem Brief an die Spitzenpolitiker im Senat und Abgeordnetenhaus rief er dazu auf, parteipolitisches Kalkül beiseitezulassen und "damit zu beginnen, Entscheidungen auf der Basis dessen zu fällen, was am besten für unser Land ist".

Experten sind jedoch skeptisch, dass der Präsident viel ausrichten kann. "Die Möglichkeiten, den Arbeitsmarkt politisch zu stimulieren, sind beschränkt", sagte Dennis Snower, Präsident des Instituts für Weltwirtschaft, SPIEGEL ONLINE. Josef Braml von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) nennt die Präsidentenversprechungen schlicht Wahlkampf-Rhetorik. "Politisch lassen sich weitreichende Maßnahmen zur Stimulierung des Arbeitsmarkts gar nicht umsetzen."

Tatsächlich hat der Präsident nicht die Mehrheiten, um größere Konjunkturprogramme durchzusetzen. Neue Milliardenausgaben würden zudem den Sparbemühungen widersprechen. Und um die Konjunktur in den Griff zu bekommen, wären zudem tiefgreifende strukturelle Veränderungen nötig.

(Eine umfassende Analyse zum US-Arbeitsmarkt lesen Sie hier.)

ssu/dpa

insgesamt 36 Beiträge
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robertll 02.09.2011
1. ... und wen in China am Bahnhof ein Rad umfällt dann fällt auch der Dax.
Wen die USA endlich den Dollar abwerten würden, dann könnten sie das Problem schon lösen, aber wen sie weiter über ihren Verhältnissen leben und jeden Cent ihrer Altersversorgung in China Aktien stecken dann sieht die Zukunft bitter aus, daran kann Obama nichts ändern, es sein den er greift wie ein Diktator durch. Die Alternativen sind allerdings auch furchtbar, am besten wäre jetzt ein besser Demokrat, aber statt dessen wird wohl wieder ein Republikaner Präsident.
derweise 02.09.2011
2. Die US-Arbeitsmarktzahlen sind die Realität, die deutschen
Die US-Arbeitsmarktzahlen sind die Realität, die deutschen Arbeitsmarktzahlen sind dagegen manipuliert.
hazadeur 02.09.2011
3. .
Zitat von sysopEs sind enttäuschende Daten: Der amerikanische Arbeitsmarkt stagniert, im August wurden keine neuen Jobs geschaffen. Deutsche Anleger reagieren nervös - der Dax verliert zeitweise mehr als drei Prozent. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,784063,00.html
Gähn! Welche Meldung die Tage drückt den DAX nicht? Die pessimistische Grundhaltung der Anleger reißt den Index nach unten - Fakten und Substanz zählen ja schon lange nicht mehr. Die Leute wollen, dass der DAX runterkracht, also tut er das auch. Die andere Richting gibt's erst wieder, wenn sich die Pessimisten ausgetobt haben. Daher: Kaffee verschüttet - DAX schmiert ab!
freethefreedomofpress, 02.09.2011
4. Guten Morgen
Zitat von sysopEs sind enttäuschende Daten: Der amerikanische Arbeitsmarkt stagniert, im August wurden keine neuen Jobs geschaffen. Deutsche Anleger reagieren nervös - der Dax verliert zeitweise mehr als drei Prozent. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,784063,00.html
Ent-täuschend Soll heißen: Man hat sich vorher getäuscht Nun ist man ent-täuscht und sieht somit langsam alles in seiner Klarheit Ist die Realität nicht schön?
DasReptil 02.09.2011
5. .......
Zitat von derweiseDie US-Arbeitsmarktzahlen sind die Realität, die deutschen Arbeitsmarktzahlen sind dagegen manipuliert.
Äh nein ganz sicher nicht, da wird noch stärker manipuliert als bei den deutschen (und das soll schon was heißen).
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