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05. August 2010, 16:29 Uhr

Krisenfolge

Deutsche streiken weniger

Kuschelkurs mit den Arbeitgebern: In Deutschland gingen im ersten Halbjahr deutlich weniger Beschäftigte auf die Straße. Die meisten Streikenden kamen aus dem Öffentlichen Dienst.

Düsseldorf - Nur noch rund 86.000 Arbeitnehmer nahmen in den ersten sechs Monaten dieses Jahres an Streiks oder an Warnstreiks teil, teilte das gewerkschaftsnahe Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) am Donnerstag mit. Das entspricht einem Rückgang auf weniger als ein Drittel im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. 70 Prozent der Streikenden kamen aus dem Öffentlichen Dienst, schrieb das WSI.

Die Zahl der dadurch ausgefallenen Arbeitstage schätzt das Institut auf rund 140.000. Im ersten Halbjahr 2009 waren es noch 350.000. "Die Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise dürften ein wesentlicher Grund dafür sein, dass im ersten Halbjahr weniger gestreikt wurde", sagte der WSI-Arbeitskampfexperte Heiner Dribbusch.

Der deutliche Rückgang ist Dribbusch zufolge vor allem auf die vorgezogenen Verhandlungen in der Metall- und Elektroindustrie zurückzuführen. In dieser Branche hatten sich Gewerkschaften und Arbeitgeber noch vor Auslaufen des alten Tarifvertrags geeinigt. Damit trugen die Tarifparteien der krisenhaften Branchensituation Rechnung. Der bis dahin gültige Tarifabschluss wurde noch im Herbst 2008 und damit vor dem Höhepunkt der Krise ausgehandelt.

In der zeitlich fast parallel laufenden Tarifrunde für die Beschäftigten im Öffentlichen Dienst bei Bund und Kommunen sei zwar erst über eine Schlichtung ein Ergebnis erzielt worden. Allerdings seien die verhandlungsbegleitenden Warnstreiks in diesem Jahr erheblich weniger umfangreich als in den Jahren zuvor gewesen.

Der Experte erwartet auch für das Gesamtjahr ein geringeres Streikvolumen als 2009, als 400.000 Arbeitstage wegen Arbeitskämpfen ausfielen.

fdi/ddp/dpa

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