Krisenfolge Deutsche streiken weniger

Kuschelkurs mit den Arbeitgebern: In Deutschland gingen im ersten Halbjahr deutlich weniger Beschäftigte auf die Straße. Die meisten Streikenden kamen aus dem Öffentlichen Dienst.

Streikender Busfahrer in Mainz (Juni 2009): Der Krise Rechnung getragen
dpa

Streikender Busfahrer in Mainz (Juni 2009): Der Krise Rechnung getragen


Düsseldorf - Nur noch rund 86.000 Arbeitnehmer nahmen in den ersten sechs Monaten dieses Jahres an Streiks oder an Warnstreiks teil, teilte das gewerkschaftsnahe Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) am Donnerstag mit. Das entspricht einem Rückgang auf weniger als ein Drittel im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. 70 Prozent der Streikenden kamen aus dem Öffentlichen Dienst, schrieb das WSI.

Die Zahl der dadurch ausgefallenen Arbeitstage schätzt das Institut auf rund 140.000. Im ersten Halbjahr 2009 waren es noch 350.000. "Die Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise dürften ein wesentlicher Grund dafür sein, dass im ersten Halbjahr weniger gestreikt wurde", sagte der WSI-Arbeitskampfexperte Heiner Dribbusch.

Der deutliche Rückgang ist Dribbusch zufolge vor allem auf die vorgezogenen Verhandlungen in der Metall- und Elektroindustrie zurückzuführen. In dieser Branche hatten sich Gewerkschaften und Arbeitgeber noch vor Auslaufen des alten Tarifvertrags geeinigt. Damit trugen die Tarifparteien der krisenhaften Branchensituation Rechnung. Der bis dahin gültige Tarifabschluss wurde noch im Herbst 2008 und damit vor dem Höhepunkt der Krise ausgehandelt.

In der zeitlich fast parallel laufenden Tarifrunde für die Beschäftigten im Öffentlichen Dienst bei Bund und Kommunen sei zwar erst über eine Schlichtung ein Ergebnis erzielt worden. Allerdings seien die verhandlungsbegleitenden Warnstreiks in diesem Jahr erheblich weniger umfangreich als in den Jahren zuvor gewesen.

Der Experte erwartet auch für das Gesamtjahr ein geringeres Streikvolumen als 2009, als 400.000 Arbeitstage wegen Arbeitskämpfen ausfielen.

fdi/ddp/dpa



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makutsov 05.08.2010
1. Selbst schuld
Wer glaubt dass auf dem freien Markt der Arbeitgeber schon das beste für die Arbeitnehmer wollen wird, der muss die Rechnung am Ende eben selbst bezahlen. Und dass der ÖD striekt, naja, wen wunderts bei den mickrigen Löhnen...
ich-kanns-nicht-glauben 05.08.2010
2. kein Wunder
Zitat von sysopKuschelkurs mit den Arbeitgebern: In Deutschland gingen im ersten Halbjahr deutlich weniger Beschäftigte auf die Straße. Die meisten Streikenden kamen aus dem Öffentlichen Dienst. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,710351,00.html
Natürlich kommen die meisten Streikenden aus dem öffentlichen Dienst: Privat Beschäftigte (z.B. von privaten Kliniken) können sich das gar nicht leisten! Oft arbeiten sie für die Hälfte des Lohnes doppelt so hart (der Rationalisierungsdruck dürfte um ein Vielfaches höher sein*), würden aber bei einem Streik sofort gefeuert. Da traut sich natürlich keiner, weil man ist ja heute froh, wenn man überhaupt noch Arbeit hat. Das ist ja das Absurde: das oft diejenigen streiken, denen es im Verhältnis noch gut geht. Und ver.di ist auf diesem Auge ziemlich blind! * Dies ist sicher auch der Grund, warum der Bund so gerne privatisiert: Effektivität steht als Wert in dieser reichen Gesellschaft weit über dem Wert humaner Arbeitsplätze
makutsov 05.08.2010
3. Unfug
Das ist doch Käse, der öffentliche Dienst verdient im Vergleich mit der freien Wirtschaft deutlich schlechter. Da können Sie doch keinen Lehrer mit einem Leihbauarbeiter vergleichen. Der einzige Grund für die höhere Streikbereitschaft im ÖD ist der hohe Organisationsgrad. Und wenn Sie meinen, dass der ÖD gut verdient, dann geben Sie diesem Modell doch nur Recht. Warum soll ich denn für weniger arbeiten, wenn ich auch mehr bekommen kann? Vollkommen absurd, hier glauben immer alle dass die Interessen Ihrer Arbeitgeber wichtiger sind als ihre eigenen, oder beteiligen sich an Neiddebatten. Deutsche Absurdität... Wie die Billiglöhner die den Hartzis das Geld nicht gönnen.
marcmei1 06.08.2010
4. Unterscheidung zwischen Beamten und Angestellten
Bitte unterscheiden Sie bei Aussagen bezüglich eines hohen Einkommens zwischen Beamten und Angestellten. Schauen Sie sich den Tarif-Rechner unter http://oeffentlicher-dienst.info/tvoed/ an und Sie werden feststellen, dass die Angestellten im öffentlichen Dienst ebenso wenig verdienen wie in der freien Wirtschaft...
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