Krisenfolge Regierung warnt vor strengerer Kreditvergabe

Die Bundesregierung dämpft die Hoffnungen der Konjunkturoptimisten. Der Grund sind ungelöste Probleme bei Banken. Schon in wenigen Monaten werde es für Unternehmen wohl besonders schwer, an Kredite zu kommen.


Berlin - Bundesbank-Präsident Axel Weber hat kürzlich auf Gefahren in der Finanzbranche hingewiesen, jetzt werden auch in Berlin fortbestehende Probleme der Banken hervorgehoben. Dadurch werde es für Unternehmen noch schwerer, an Kredite zu kommen.

Banken: Regierung erwartet schwierigste Phase Anfang 2010
DPA

Banken: Regierung erwartet schwierigste Phase Anfang 2010

"Die schwierigste Phase für Finanzierungen werden das erste und zweite Quartal 2010 sein", sagte an diesem Dienstag der Mittelstandsbeauftragte der Bundesregierung, Hartmut Schauerte. Für die Verlängerung laufender Kredite oder insbesondere neue Kredite müsste die Mehrzahl der deutschen Unternehmen mit ihren schlechteren Bilanzen für 2009 antreten, sagte der parlamentarische Staatssekretär im Wirtschaftsministerium. "Deshalb werden die Verhandlungen mit den Banken darüber sehr schwierig sein."

Gemeinsam mit der Bundesbank sei die Regierung dabei, neue Instrumente zur Erleichterung der Kreditversorgung zu entwickeln. Angedacht seien etwa Hilfen für Warenkreditversicherer und für den Markt für Unternehmensanleihen sowie die Förderung von Eigenkapitalbildung, erläuterte Schauerte.

Die Probleme im Bankensektor seien noch nicht vollständig gelöst, heißt es auch im jüngsten Monatsbericht, den das Wirtschaftsministerium am Dienstag in Berlin vorlegte. Da Produktion und Exporte der deutschen Wirtschaft deutlich unter dem Vorjahresniveau liegen und steigende Arbeitslosenzahlen erwartet werden, fasst das Ministerium zusammen: "In der Summe bleiben erhebliche Risiken für die weitere wirtschaftliche Erholung."

Die Industrie habe allerdings den Tiefpunkt der wirtschaftlichen Entwicklung hinter sich gelassen. Zuletzt seien gerade aus der Industrie die maßgeblichen Impulse für eine Stabilisierung gekommen, vor allem aus der Automobilwirtschaft. Die profitiere von staatlichen Hilfen im In- und Ausland. Insgesamt bessere sich die Lage in den Unternehmen. Die Leistung des produzierenden Gewerbes sei zwar im zweiten Vierteljahr noch um 0,9 Prozent geschrumpft, mittlerweile sei die Abwärtstendenz aber gebrochen. Die Industrie bestelle wieder mehr, die steigende Zahl der Auftragseingänge bilde so "das Fundament für eine Erholung der Industrieproduktion", heißt es in dem Bericht.

Verhalten optimistisch sieht das Ministerium die Aussichten für den deutschen Export. Der Einbruch bei den Ausfuhren habe sich im zweiten Quartal merklich verringert. Allerdings lag die Exporttätigkeit um 25,3 Prozent unter dem Vorjahresniveau. "Mit der allmählichen Stabilisierung der Weltwirtschaft gestalten sich die weiteren Aussichten für den Außenhandel wieder etwas freundlicher", schreiben die Konjunkturexperten des Wirtschaftsministeriums. Konjunkturpakete in vielen Ländern und geldpolitische Impulse trügen dazu bei.

Auch die deutschen Konjunkturpakete entfalteten zunehmend ihre Wirkung. Weil sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt nur moderat eintrübte und Preissteigerungen ausblieben, habe sich der Konsum der Bürger als "eine Stütze für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung" erwiesen. Wie sich die Ausgaben der Verbraucher entwickeln, hänge laut Wirtschaftsministerium von der Entwicklung am Arbeitsmarkt ab. "Sollte es hier in den kommenden Monaten zu einer deutlichen Verschlechterung kommen, ist mit spürbaren Bremswirkungen auf den privaten Konsum zu rechnen", heißt es in dem Bericht. Hinzu komme das Auslaufen der Abwrackprämie.

tko/ddp/Dow Jones



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