Krisenmanagement Schäuble drängt Banken zum Kauf griechischer Anleihen

Die Krisenmanager von EU, IWF und EZB arbeiten mit Hochdruck am Hilfspaket für Griechenland - bis Sonntag soll es fertig sein. Dann will Finanzminister Schäuble bei den Banken dafür werben, ihr Vertrauen durch den Kauf von Anleihen zu beweisen.

Bundesfinanzminister Schäuble: Es geht nicht um einen Forderungsverzicht
dpa

Bundesfinanzminister Schäuble: Es geht nicht um einen Forderungsverzicht


Berlin - Die Mittel wirken ein wenig eigenwillig: Die Bundesregierung will die deutschen Banken zum verstärkten Kauf von griechischen Anleihen drängen. Sobald das von IWF, Europäischer Zentralbank (EZB) und Europäischer Union ausgehandelte neue Konsolidierungsprogramm für Griechenland vorliege, wolle Finanzminister Wolfgang Schäuble in Einzelgesprächen die Spitzenvertreter der deutschen Banken dazu bringen, in Griechenland-Anleihen einzusteigen, berichtete das "Handelsblatt" am Freitag unter Berufung auf Regierungskreise.

Die Regierung verspricht sich dem Blatt zufolge davon, ein Vertrauenssignal zu setzen. Es gehe dabei ausdrücklich nicht um einen Forderungsverzicht, sondern nur um stabilisierende Maßnahmen im volatilen Anleihenmarkt. Das Engagement der Banken soll im Übrigen freiwillig sein.

Der Wert dieses "Vertrauenssignals" muss sich jedoch erst noch erweisen. Bislang haben sich die Finanzmärkte jedenfalls gegenüber Appellen und Symbolhandlungen ziemlich resistent gezeigt. Am Ende dürften die Investoren entscheidenden Wert darauf legen, dass die anvisierten Maßnehmen geeignet sind, die Haushaltsprobleme Griechenlands dauerhaft zu überwinden. Schäuble zufolge soll am Sonntag klar sein, ob die Hilfsoperation für Griechenland auf den Weg gebracht werden kann.

Roubini rät zum Staatsbankrott

Der prominente US-Ökonom Nouriel Roubini jedenfalls bewertet den aktuell eingeschlagenen Weg staatlicher Hilfen in Verbindung mit fiskalischen Einschnitten als eine "riskante Wette, die sehr wahrscheinlich zum Scheitern verurteilt ist", wie er in einem Gastbeitrag für die "Financial Times" schreibt. Bereits jetzt wetteten die Finanzmärkte und Rating-Agenturen gegen den von der Politik eingeschlagenen Weg. Selbst eine horrende Finanzhilfe für Athen zwischen 100 und 120 Milliarden Euro dürfte nicht ausreichen, um die Probleme zu lösen.

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Die Hauptrisiken sieht Roubini in sozialen Unruhen infolge des harten Sparkurses Athens und einer steigenden Arbeitslosigkeit. Obendrein werde die Wettbewerbsfähigkeit Griechenlands zumindest in der nahen Zukunft nicht verbessert. Letztlich riskiere man mit dem derzeit eingeschlagenen Weg eine "ungeordnete Insolvenz" Griechenlands und eine weitere Finanzkrise. Der von ihm vorgezogene Weg einer Umschuldung sei hingegen historisch erprobt und habe etwa im Fall Pakistans, der Ukraine und Uruguays funktioniert.

Verheerendes Signal

Der Staatsbankrott per Umschuldung kommt für die Politik jedoch nicht in Frage. "Wer jetzt über Umschuldung redet, löst automatisch die Einpreisung des Umschuldungsrisikos in Portugal und Spanien, später in Italien oder wo auch immer aus. Das kann nicht in unserem Interesse sein", sagte Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) dem "Handelsblatt" vom Freitag.

Zugleich plädierte er für einen "Sparkommissar" in der EU zur Überwachung von Sanierungsprozessen. "Ein solches Instrument muss es geben", sagte Koch. Der stellvertretende CDU-Chef bestätigte die Schätzung von Wirtschaftsminister Rainer Brüderle, der von einem Volumen von 135 Milliarden Euro über drei Jahre für das Griechenland-Hilfsprogramm gesprochen hatte. "Ich glaube, dass der Kollege Brüderle mit der Zahl in groben Zügen nicht unrecht hat", erklärte Koch. Im Übrigen sollten Hilfen auf Griechenland beschränkt werden. Die Probleme Portugals und Spaniens seien nicht so groß.

An den Finanzmärkten wächst derweil die Zuversicht, dass sich die EU in den kommenden Tagen auf Finanzhilfen für das angeschlagene Land verständigen wird. Der von Investoren geforderte Risikoaufschlag für griechische Staatsanleihen zu den vergleichbaren Bundesanleihen sank auf 716 Basispunkte nach einem Schlussstand von 765 Basispunkten am Vortag.

mik/Reuters/dpa-AFX/apn

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Seite 1
Halluzinella 30.04.2010
1. Super Idee
Zitat von sysopAm Sonntag soll das Hilfspaket für Griechenland stehen - dann wird sich zeigen, ob das zur Beruhigung der Finanzmärkte reicht. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble will vorbeugen: Er wird bei den Banken dafür werden, ihr Vertrauen durch den Kauf von Anleihen zu beweisen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,692223,00.html
wenn dann alles den Bach runtergeht wird´s der Steuerzahler schon richten, nich wahr Herr Schäuble!!!
carlosowas, 30.04.2010
2. Dummheit
Wie kann der Jurist Schäuble so dumm sein und bei den Banken für den Kauf von Schrottobligationen werben. Die kommen dann, wenn die Obligationen von Griechenland nicht bedient werden können, mit Recht zu den Politikern und den Steuerzahlern und halten ihre Hände auf.
mitwisser, 30.04.2010
3. no way out
Zitat von Halluzinellawenn dann alles den Bach runtergeht wird´s der Steuerzahler schon richten, nich wahr Herr Schäuble!!!
... dann kann er schon mal den Koffer packen ;-) Aber wahrscheinlich werden zuguterletzt auch unsere 1 A-Politiker systemrelevant. Demokratur eben.
michael_mueller 30.04.2010
4. .
Zitat von sysopAm Sonntag soll das Hilfspaket für Griechenland stehen - dann wird sich zeigen, ob das zur Beruhigung der Finanzmärkte reicht. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble will vorbeugen: Er wird bei den Banken dafür werden, ihr Vertrauen durch den Kauf von Anleihen zu beweisen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,692223,00.html
Was soll der Blödsinn? Ist der Mann noch zurechnungsfähig? Herr Schäuble wirbt also dafür, dass deutsche Banken griechische Anleihen kaufen, ja? Am besten, die Hypo Real Estate und die deutschen Landesbanken. Damit in zwei Jahren ein neues riesiges Bankenrettungsprogramm in mehrstelliger Milliardenhöhe aufgelegt werden muss, weil die Banken - oh Wunder - mit ihren Forderungen ausgefallen sind, weil der Kreditnehmer Griechenland die gewährten Kredite nicht zurückzahlen kann. Hat man denn aus der Vergangenheit so gar nichts gelernt?! Entzieht Herrn Schäuble die Geschäftsfähigkeit und stellt ihn unter Betreuung - aber schnellstens! Diesem Herrn kann man nicht länger die Verantwortung über die deutschen Staatsfinanzen belassen.
rkinfo 30.04.2010
5. Griechenland ist überschuldet
Zitat von carlosowasWie kann der Jurist Schäuble so dumm sein und bei den Banken für den Kauf von Schrottobligationen werben. Die kommen dann, wenn die Obligationen von Griechenland nicht bedient werden können, mit Recht zu den Politikern und den Steuerzahlern und halten ihre Hände auf.
Solange Griechenland per 300 Mrd. € definitiv überschuldet ist sind die Ideen von Schäuble nur Unfug. Die Griechen können sich bei ihrem Sozialpropdukt und nach Sparprogramm allenfalls noch 200 Mrd. Altschulden mit langen Laufzeiten erlauben. Käme jetzt der 'Hait Cut' = Insolvenz wären danach aber die verbleibenden Schulden für Banken und private Anleger interessant. Man nehme: - 1/3 Schuldenstreichung - 4% für die Restschulden - 10 Jahre Laufzeit - 1% Tilgung in jener Zeit. Die Griechen hätten dann am Ende von 200 Mrd. noch 180 Mrd. bei 200-250 Mrd. Sozialprodukt Schulden. Da wäre gerade noch akzeptabel für dieses Land als Staatsschulden. Die Ideen von Schäuble zeigen dass der nur noch kurzfristige Aktionen im Blick hat. Das ist der Anti-Spekulantenblick was aber bei Staatsanleihen deplaziert ist. Hier muß das Umfeld stimmen und dann kommen auch die Anleger zurück. Nach 'Hair Cut' wären sofort institutionelle Anleger auf der Matte um Griechenland mit Geld zu versorgen. Und die würden Altanleger die abgewerteten Papiere abkaufen. Schäuble hat offensichtlich keine Ahnung von der Realität im Bankengeschäft. Waklige Länder erhalten kein frisches Kapital. Und Herr Ackermann war vor Wochen in Griechenland ohne Geldzusagen zu hinterlassen ... noch Fragen ?
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