Krisenverlierer 2009 "Jeden Tag Weltuntergangsstimmung"

2009 war ein Horrorjahr für die deutsche Wirtschaft. Mehr als 30.000 Firmen gingen Pleite, Hunderttausende Arbeitnehmer verloren ihren Job, Unzählige mussten täglich bangen. Drei Betroffene erzählen auf SPIEGEL ONLINE, wie sie mit der Anspannung zwischen Frust und Hoffen umgehen.

Von , Frankfurt am Main


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2009: Pleitewelle in Deutschland
Karl Schubert (Name geändert) sitzt nachdenklich an seinem Tisch, vor ihm ein Hochglanzprospekt über die letzte Motivationsveranstaltung im Europapark Rust. Im November 2008 war das, am letzten Tag des Jahres, an dem der Park offen war. Da wurde die Verkäufertruppe von Quelle noch einmal auf volle Leistung eingeschworen. Ein Coach kam, der jedem eine Trommel in die Hand drückte und sie dann alle gemeinsam spielen ließ. Ein mitreißendes Erlebnis, "ich krieg jetzt noch Gänsehaut, wenn ich dran denke", sagt Schubert. Aber im Grunde habe er schon damals gewusst, dass es schlimm um Quelle steht. "Man ist ja nicht blöd", sagt der 48-Jährige und guckt auf die schicke Erinnerungsbroschüre mit den breit lächelnden Managern vor sich auf dem Tisch. "Die hat bestimmt auch ein Schweinegeld gekostet", sagt er.

Schubert kann es noch gar nicht richtig fassen, dass Quelle jetzt am Ende sein soll. 15 Jahre lang war er für das Traditionsversandhaus im Außendienst, er hat die Kunden betreut, ihnen die neuen Kataloge vorgestellt, sie auf die Schnäppchen aufmerksam gemacht. "Wenn man von Quelle kam, ging sofort die Haustüre auf und man saß bei den Leuten im Wohnzimmer", sagt Schubert. "Das hat riesigen Spaß gemacht." Schubert ist Verkäufer mit Leib und Seele. Wenn er an das 75-jährige Jubiläum von Quelle denkt, gerät er immer noch ins Schwärmen. "Ganz Deutschland hat mit uns gefeiert", sagt er begeistert und hält ein Foto von einer Verkaufsparty hoch, die eine Kundin damals in ihrem Wohnzimmer organisiert hatte. Das war 2002.

Jetzt ist der Familienvater seit dem Sommer arbeitslos. Zum ersten Mal in seinem Leben. Bis vor kurzem hätte er nicht im Traum gedacht, dass ihm das einmal passieren könnte.

Ähnlich wie für Schubert wurde das Jahr 2009 für viele, die ihren Job lange für sicher hielten, zum Jahr des Zitterns und Bangens. Weil Großunternehmen wie Opel, Arcandor oder Continental ins Wanken gerieten, viele Mittelständler aufgeben mussten. Der Wirtschaftsauskunftei Creditreform zufolge meldeten 34.300 Unternehmen dieses Jahr Insolvenz an. Zahlreiche andere kämpfen noch ums Überleben.

Auf SPIEGEL ONLINE berichten drei Arbeitnehmer, wie sie mit den dramatischen Zeiten zurechtkommen (alle Namen geändert):



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Seite 1
zwangsreunose 22.12.2009
1.
Zitat von sysopHorrorjahr 2009: Viele Arbeitnehmer verbrachten Monate mit Bangen und Hoffen, weil ihr Arbeitgeber von der Krise mitgerissen wurde. Waren auch Sie betroffen? Wie sollte man am besten umgehen mit der Angst vor dem Jobverlust? Diskutieren Sie mit!
Kündigen, dann ist man die Sorgen vom Jobverlust los.
Günter Bodendörfer 22.12.2009
2.
Zitat von sysopHorrorjahr 2009: Viele Arbeitnehmer verbrachten Monate mit Bangen und Hoffen, weil ihr Arbeitgeber von der Krise mitgerissen wurde. Waren auch Sie betroffen? Wie sollte man am besten umgehen mit der Angst vor dem Jobverlust? Diskutieren Sie mit!
Fordern und Fördern, es ist alles in bester Ordnung, uns kann gar nix passieren.
Iwan Denissowitsch 22.12.2009
3.
Zitat von sysopHorrorjahr 2009: Viele Arbeitnehmer verbrachten Monate mit Bangen und Hoffen, weil ihr Arbeitgeber von der Krise mitgerissen wurde. Waren auch Sie betroffen? Wie sollte man am besten umgehen mit der Angst vor dem Jobverlust? Diskutieren Sie mit!
Man sollte sich betrinken so oft wie es irgend geht. Selber hat man ja keine Mitwirkungsmöglichkeit.
nemansisab, 22.12.2009
4. Neurosen auf dem Vormarsch
Zitat von sysopHorrorjahr 2009: Viele Arbeitnehmer verbrachten Monate mit Bangen und Hoffen, weil ihr Arbeitgeber von der Krise mitgerissen wurde. Waren auch Sie betroffen? Wie sollte man am besten umgehen mit der Angst vor dem Jobverlust? Diskutieren Sie mit!
Angst ist nicht zielführend. Immer einen Plan B in der Schublade zu haben, hilft.
Günter Bodendörfer 22.12.2009
5.
Zitat von nemansisabAngst ist nicht zielführend. Immer einen Plan B in der Schublade zu haben, hilft.
So einen hätte ich gerne mal gesehen.
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