Kritik an Schäuble-Plan Finanzexperten zanken über Griechen-Umschuldung

Die Idee ist gut - aber die Umsetzung schwierig: So lautet die Reaktion von Finanzexperten auf den deutschen Vorschlag zur Griechenland-Umschuldung. Bundesbank-Präsident Weidmann warnt vor Panik einer der Investoren. Und auch der griechische Premier fürchtet die Reaktion der Märkte.

Demonstrant vor dem Parlament in Athen: Schwierige Suche nach einer Lösung
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Demonstrant vor dem Parlament in Athen: Schwierige Suche nach einer Lösung


Berlin/Athen - Viel Zeit haben die EU-Länder nicht mehr: Griechenland steht vor der Staatspleite, wenn keine Lösung für das hochverschuldete Land gefunden wird. In den kommenden Wochen müssen die Europäische Union und der Internationale Währungsfonds (IWF) über weitere Finanzspritzen entscheiden. Doch von einer gemeinsamen Linie scheinen Politik und Finanzbranche weit entfernt.

Die Debatte dreht sich vor allem um den Umschuldungsvorschlag von Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU). Dieser sieht vor, dass die Banken ihre alten griechischen Staatsanleihen gegen neue mit längerer Laufzeit umtauschen. Die Inhaber griechischer Staatsanleihen sollen dabei zwischen 20 und 35 Milliarden Euro aufbringen, um Athen vor dem Ruin zu retten. Das erwägen die EU-Finanzminister nach Informationen des SPIEGEL. Der Chef der Euro-Gruppe, Luxemburgs Premier Jean-Claude Juncker, plädiert ebenfalls für eine Beteiligung privater Gläubiger. Griechenland bekäme so einen Zahlungsaufschub und wäre nicht gezwungen, sich an den Finanzmärkten um Geld zu bemühen.

Doch Bundesbank-Präsident Jens Weidmann hat Zweifel an der Umsetzbarkeit und Wirkung eines solchen Plans. An dem Grundgedanken sei nichts falsch, sagte Weidmann der "Welt am Sonntag". "Im Gegenteil, es wäre sinnvoll, weil so die Gläubiger mit in die Verantwortung für ihre Anlageentscheidungen genommen werden, und es entlastet die Steuerzahler." Es gehe aber um die Umsetzung. "Eine erzwungene Laufzeitverlängerung birgt in der konkreten Situation mehr Risiken als Chancen."

Angst vor den Gefahren für angeschlagene Länder

Experten warnen vor einem Dominoeffekt: So könnten Rating-Agenturen die geplante Umschuldung als Zahlungsausfall werten, das Vertrauen von Investoren würde erschüttert - die Unsicherheit könnte angeschlagene Länder wie Portugal und Irland in Bedrängnis bringen. Weidmann warnte vor den Folgen einer Umschuldung für Notenbanken: "Ein vermutlich vergleichsweise kleiner Beitrag der Privaten würde mit Ansteckungsgefahren und einer höheren Risikoübernahme der Notenbanken erkauft. Dagegen wehren wir uns."

Commerzbank-Chef Martin Blessing warnte vor der Verunsicherung von Investoren. "Wir haben es auch mit einer Vertrauensfrage zu tun", sagte er der "Welt am Sonntag". Zuletzt habe es geheißen, bis 2013 werde kein Gläubiger zur Sanierung Griechenlands herangezogen. "Das soll nun nicht mehr gelten? Das trägt nicht gerade dazu bei, Vertrauen an den Märkten aufzubauen."

Auch die griechische Regierung fürchtet Panik an den Märkten im Falle einer Umschuldung. Schäubles Idee sei zwar "in der Theorie richtig", sagte der griechische Ministerpräsident Giorgos Papandreou der Sonntagszeitung "To Vima". Sie habe aber bislang das Gegenteil bewirkt, die Märkte seien nervöser geworden. Papandreou plädierte für eine Steuer auf Finanztransaktionen sowie für die Ausgabe von Euro-Anleihen (Eurobonds). "Die Zeit wird knapper und die Verhandlungen dauern an. Mehr will ich jetzt nicht sagen."

EU muss bald über neue Finanzspritze entscheiden

Griechenland war als erstes Euro-Land 2010 mit einem 110 Milliarden Euro schweren Hilfsprogramm von EU und IWF vor dem Abgrund gerettet worden. Damals war davon ausgegangen worden, dass das Land von 2012 an wieder selbst Geld am Kapitalmarkt aufnehmen kann.

Dies gilt inzwischen als unrealistisch, so dass ein neues Hilfspaket nötig wird. Darüber müssen sich die Euro-Länder bald einig werden. Denn nur wenn die Finanzierung Griechenlands für die kommenden Monate gesichert ist, kann der IWF im Juli eine dringend benötigte Tranche von 12 Milliarden Euro zahlen. Die Zeit drängt also. Am Dienstag wollen sich deshalb die Finanzminister der Euro-Zone zu einer Besprechung in Brüssel treffen.

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Grafiken: Die wichtigsten Fakten zur Euro-Krise
Die Bundesregierung musste allerdings ihre eigenen Fraktionen von weiteren Griechenland-Hilfen überzeugen. Die schwarz-gelbe Koalition hat ihre Zustimmung an Bedingungen geknüpft. So fordern Union und FDP eine Beteiligung privater Geldgeber an einem zweiten Hilfspaket. Zugleich pocht die Koalition auf einen strikten Privatisierungs- und Reformkurs Athens.

Kanzlerin Angela Merkel warnte vor ernsten Folgen für die deutsche Wirtschaft, sollte Griechenland pleite gehen. Der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Volker Kauder, schrieb in einem Gastkommentar für "Bild am Sonntag": "Ich kann die Sorgen der Bürgerinnen und Bürger gut verstehen. Aber die neuen Hilfen nicht zu gewähren, wäre hochriskant und damit unverantwortlich. Die griechische Wirtschaft würde zusammenbrechen. Athen könnte nichts mehr zurückzahlen. Das Finanzsystem anderer Länder geriete ins Schwanken. Eine neue Finanz- und Wirtschaftskrise könnte die Folge sein."

mmq/Reuters/dpa/dapd

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founder 10.03.2011
1. Die Leistungsgesellschaft ist am Ende
Was mit USA und EU passiert ist eine logische Konsequenz eines Systems, welches dem Menschen nicht in einer gesicherten Existenz leben lassen möchte, sondern immer dabei ist durch Schaffung instabiler Situationen das Maximum aus den Menschen heraus zu peitschen. Wie ging es den deutschen Arbeiter 1960? Voller Opimismus in die Zukunft blicken. Wie geht es den deutschen Arbeiter 2011? Voller Angst vor Arbeitslosigkeit, Wiedereinstellung als Zeitarbeiter zum halben Lohn. Was mit 50 Jahren technischen Fortschritt, imenser Produktivitätssteigerungen passiert (http://politik.pege.org/2011-leistungsgesellschaft/methoden.htm)? Den Spielchen der Leistungsgesellschaft zum Opfer gefallen. Die Leistungsgesellschaft verehrt ja nur eine einzige Gottheit, das Wirtschaftswachstum, dieser Gottheit wird alles geopfert, koste es was es wolle. Nun ist dieser destruktive Kult am Zusammenbrechen, es gibt nichts besseres was den Menschen hier passieren kann. Was kommt nach der Leistungsgesellschaft? Die Stabilitätsgesellschaft, China entwickelt sich in dieser Richtung. Der Traum der Stabilitätsgesellschaft ist das schlimmste Feindbild der Leistungsgesellschaft: "Wenn der typische Bürger 2050 sein 2030 gekauftes Elektroauto mit den Strom von seiner 2020 gekauften Photovoltaik aufladet, dann haben wir eine stabile Gesellschaft erreicht" (http://politik.pege.org/2011-leistungsgesellschaft/ideal.htm)
gnoib 10.03.2011
2.
Zitat von founderWas mit USA und EU passiert ist eine logische Konsequenz eines Systems, welches dem Menschen nicht in einer gesicherten Existenz leben lassen möchte, sondern immer dabei ist durch Schaffung instabiler Situationen das Maximum aus den Menschen heraus zu peitschen. Wie ging es den deutschen Arbeiter 1960? Voller Opimismus in die Zukunft blicken. Wie geht es den deutschen Arbeiter 2011? Voller Angst vor Arbeitslosigkeit, Wiedereinstellung als Zeitarbeiter zum halben Lohn. Was mit 50 Jahren technischen Fortschritt, imenser Produktivitätssteigerungen passiert (http://politik.pege.org/2011-leistungsgesellschaft/methoden.htm)? Den Spielchen der Leistungsgesellschaft zum Opfer gefallen. Die Leistungsgesellschaft verehrt ja nur eine einzige Gottheit, das Wirtschaftswachstum, dieser Gottheit wird alles geopfert, koste es was es wolle. Nun ist dieser destruktive Kult am Zusammenbrechen, es gibt nichts besseres was den Menschen hier passieren kann. Was kommt nach der Leistungsgesellschaft? Die Stabilitätsgesellschaft, China entwickelt sich in dieser Richtung. Der Traum der Stabilitätsgesellschaft ist das schlimmste Feindbild der Leistungsgesellschaft: "Wenn der typische Bürger 2050 sein 2030 gekauftes Elektroauto mit den Strom von seiner 2020 gekauften Photovoltaik aufladet, dann haben wir eine stabile Gesellschaft erreicht" (http://politik.pege.org/2011-leistungsgesellschaft/ideal.htm)
Traumhafte Phantasien. In China tobt der Turbo Fruehkapitalismus, der zum Wirtschaftswachstum verurteilt ist, weil sie ihren Bevoelkerungswachstum nicht in Griff kriegen. 8% ist Break Even. Obendrein brodelt es im Land und das Regiem ist gezwungen gewaltige Resourcen zu verschwenden um den Deckel auf dem Pot zu halten. Harmonie des Maschienen Gewehrs. Nein Danke.
founder 10.03.2011
3. China nicht verstehen wollen
Zitat von gnoibTraumhafte Phantasien. In China tobt der Turbo Fruehkapitalismus, der zum Wirtschaftswachstum verurteilt ist, weil sie ihren Bevoelkerungswachstum nicht in Griff kriegen. 8% ist Break Even. Obendrein brodelt es im Land und das Regiem ist gezwungen gewaltige Resourcen zu verschwenden um den Deckel auf dem Pot zu halten. Harmonie des Maschienen Gewehrs. Nein Danke.
In China fährt 10% der Bevölkerung Elektroroller. Während USA+EU Bürger Unsummen für den Import von Erdöl vergeuden, welches hauptsächlich importiert werden muß, dort rollt man gemütlich mit dem Elektroroller. Dann mal auf die Hochgeschwindigkeitsbahnen sehen, China hat in 2 Jahren mehr davon als der Rest der Welt zusammen. Mobilität mit Energie aus einheimischen Ressorucen ist ein wesentlicher Punkt Stabilität zu schaffen. Mobilität mit importierter Energie ist ein wesentlicher Punkt ein System in den Zusammenbruch zu führen. Man hat in EU+USA jahrzehnt den technischen Fortschritt aufgehalten, verzögert wo es nur gegangen ist, jetzt sehen wir die Foglen. Bezüglich Bevölkerungswachstum, perfekt reguliert mit 1,77 Kinder pro Frau, das führt wegen der steigenden Lebenserwartung zu einen geringfügigen Wachstum. Und in Deutschland? Seit Jahrzehnten hat die Wissenschaft vor der geringen Geburtenquote gewarnt, aber die Politik ignorierte das, jetzt wird nach Einwanderung gerufen.
gnoib 10.03.2011
4.
Zitat von founderIn China fährt 10% der Bevölkerung Elektroroller. Während USA+EU Bürger Unsummen für den Import von Erdöl vergeuden, welches hauptsächlich importiert werden muß, dort rollt man gemütlich mit dem Elektroroller. Dann mal auf die Hochgeschwindigkeitsbahnen sehen, China hat in 2 Jahren mehr davon als der Rest der Welt zusammen. Mobilität mit Energie aus einheimischen Ressorucen ist ein wesentlicher Punkt Stabilität zu schaffen. Mobilität mit importierter Energie ist ein wesentlicher Punkt ein System in den Zusammenbruch zu führen. Man hat in EU+USA jahrzehnt den technischen Fortschritt aufgehalten, verzögert wo es nur gegangen ist, jetzt sehen wir die Foglen. Bezüglich Bevölkerungswachstum, perfekt reguliert mit 1,77 Kinder pro Frau, das führt wegen der steigenden Lebenserwartung zu einen geringfügigen Wachstum. Und in Deutschland? Seit Jahrzehnten hat die Wissenschaft vor der geringen Geburtenquote gewarnt, aber die Politik ignorierte das, jetzt wird nach Einwanderung gerufen.
Haste mal nen link fuer die 10%, bitte nicht deine persoehnlichen. Ich habe schon seit 10 Jahren son elektro roller, kanste bei uns im Sams Club kaufen kostet 180 US, macht 20 mph und hat ne 20 meilen reichweite. Big Deal. Achne und wieso brauchen die mindestens 8% Wirtschafts wachstum, weil die Bevoelkerung stabiliesiert ist. Und der Verkehr in Peking oder anderen Grosstaedten ist nicht der absolute Alptraum, mit gigantischen Zuwachsraten, Fosiel betriebenen Fahrzeugen, mit einer gigantischen Luftverschmutzung. Und der Strom fuer die Zuege und Motorroller kommt aus der Steckdose. Willste mich vergageiern ?
founder 10.03.2011
5. Intensiver Ausbau von Strom aus Windkraft
Zitat von gnoibHaste mal nen link fuer die 10%, bitte nicht deine persoehnlichen. Ich habe schon seit 10 Jahren son elektro roller, kanste bei uns im Sams Club kaufen kostet 180 US, macht 20 mph und hat ne 20 meilen reichweite. Big Deal. Achne und wieso brauchen die mindestens 8% Wirtschafts wachstum, weil die Bevoelkerung stabiliesiert ist. Und der Verkehr in Peking oder anderen Grosstaedten ist nicht der absolute Alptraum, mit gigantischen Zuwachsraten, Fosiel betriebenen Fahrzeugen, mit einer gigantischen Luftverschmutzung. Und der Strom fuer die Zuege und Motorroller kommt aus der Steckdose. Willste mich vergageiern ?
Hier ener im Handelsblatt (http://www.handelsblatt.com/technologie/forschung-medizin/forschung-innovation/elektro-revolution-im-goetterland/3519222.html) Allein Windstrom wurden 2010 um 16,5 GW ausgebaut, das sind 33 TWh Jahresertrag. Allein die 140 Mllionen Elektroroller könnte man damit 3 fach versorgen, die dürften nur um die 10 TWh brauchen. Der Ausbau von Strom aus Wasser, Wind und Sonne wird sich in den nächsten Jahren noch sehr invensivieren. Außerdem arbeitet man da schon intensiv an der Speicherung von Strom aus Sonne und Wind (Video von BYD) (http://wohnen.pege.org/2011/byt.htm)
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