Kritische Kirche Zollitsch will Manager-Boni begrenzen

Es ist ihm zu ruhig geworden um die Bonuszahlungen für Manager und das gefällt dem Freiburger Erzbischof Zollitsch nicht. Der Chef der Deutschen Bischofskonferenz verlangt eine klare Begrenzung der Zahlungen - auf europäischer Ebene.

Erzbischof Zollitsch: "Manager müssen jetzt einmal fünf bis zehn Jahre warten"
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Erzbischof Zollitsch: "Manager müssen jetzt einmal fünf bis zehn Jahre warten"


Berlin - Die Kritik ist unmissverständlich: Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, hat die Bundesregierung zu mehr Anstrengungen bei der Begrenzung von Manager-Boni aufgefordert. "Wir müssen handeln und nicht nur reden", sagte Zollitsch der Nachrichtenagentur AFP in Berlin. Im Moment sei es in der deutschen Politik bei diesem Thema "etwas ruhig geworden", bemängelte der Freiburger Erzbischof. "Die Menschen aber müssen wissen: Ja, es geschieht etwas."

Sehr klar fordert der Erzbischof dabei eine Vorreiterrolle der Deutschen - auf internationaler Ebene: Nun sei der geeignete Zeitpunkt, an dem Deutschland zusammen mit Frankreich eine europäische Initiative für Mechanismen zur Begrenzung der Manager-Boni starten sollte, sagt Zollitsch. "Denn wenn die beiden zentralen Länder in der europäischen Wirtschaft handeln und Großbritannien mitziehen würde, dann ist das nicht nur ein klares Zeichen, sondern das hätte Signalwirkung, durch die andere EU-Staaten mitmachen würden." In solchen komplexen Zusammenhängen sei es notwendig, dass einige vorangehen. "Wir haben keine Zeit zu verlieren und dürfen nicht zur Tagesordnung zurückkehren, mit der damals die Krise begann."

"Trotz Krise müssen wir solidarisch sein!"

Zollitsch sagte, die weltweite Wirtschaftskrise sei durch den Anreiz kurzfristiger Gewinne für Manager entstanden. Wenn es auch in Zukunft Boni geben sollte, dann nur, wenn der Gewinn langfristig ist. "Ich meine, dass Manager jetzt einmal fünf bis zehn Jahre warten müssen, um dann zu sehen, ob sie es schaffen, anhaltenden Ertrag zu bringen." In den vergangenen Jahren sei zu wenig überlegt worden, dass Geld auch eine soziale Verpflichtung habe. "In der Wirtschaftskrise sind wir Gefahr gelaufen, zu stark eine Ellenbogengesellschaft zu werden. Trotz Krise müssen wir solidarisch sein!", sagte Zollitsch.

So untätig, wie von Zollitsch dargestellt, ist die Bundesregierung bisher allerdings nicht: Finanzminister Wolfgang Schäuble hatte am Freitag mitgeteilt, weitere Schritte gegen hohe Boni einzuleiten. Um Auswüchse einzudämmen, will der CDU-Politiker die Finanzaufsicht stärken. Die nationale Finanzaufsicht BaFin soll künftig Bonuszahlungen an Manager von Banken und Versicherungen reduzieren können. Das sieht der Referentenentwurf für ein neues Gesetz vor, der am Freitag in Berlin bekannt wurde.

Damit setzt die Bundesregierung Vorgaben der wichtigsten Wirtschaftsnationen (G20) um und stellt die bisherigen, teils freiwilligen Maßnahmen auf eine gesetzliche Grundlage. Im Kern geht es darum, Bonuszahlungen stärker an den längerfristigen Erfolg eines Unternehmens zu koppeln und eingegangene Risiken angemessen zu berücksichtigen. Millionensonderzahlungen an Banker trotz Verlusten wären dann ausgeschlossen.

Leutheusser-Schnarrenberger will Managerhaftung verschärfen

Anfang Dezember hatten sich acht große deutsche Banken und drei Versicherer verpflichtet, die schärferen Bonusregeln der G20 freiwillig schnellstmöglich umzusetzen. Davor hatte die BaFin Institute aufgefordert, ihre Anreizsysteme zu überarbeiten. Außerdem hatte die Behörde die Vergütungssysteme und Bonusregeln verschärft.

Auch Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) fordert mehr verantwortliches Handeln von der deutschen Wirtschaftselite - und will deshalb die persönliche Haftung für Manager verschärfen. "Wirtschaftliche Spielermentalität" sei eine entscheidende Ursache für die Finanzmarktkrise, sagt die Liberale im SPIEGEL."Gier und Leichtsinn wurden bei manchen Managern nicht nur durch satte Boni geweckt, sondern auch durch zu wenig Haftung und persönliche Verantwortung gefördert." Die Vergütungen seien "zu oft ohne persönliches Risiko" für die Manager geflossen. Auch für die Wirtschaftselite müsse aber gelten, "dass man für persönliche Fehler geradestehen muss", sagte die Ministerin.

Die FDP-Frau will deshalb insbesondere die einschlägigen Verjährungsfristen bei Wirtschaftsdelikten verlängern: "Haftungsansprüche verjährten bislang zu früh, das müssen wir ändern", sagte Leutheusser-Schnarrenberger. Aktuell gebe es im Aktienrecht Sonderregeln, die dazu führten, dass Ansprüche gegen Vorstände nach fünf Jahren verjähren. Gerade in der Krise habe sich aber gezeigt, dass sich die verhängnisvollen Folgen mancher Geschäfte erst nach einer ganzen Weile herausstellten.

sam/AFP



insgesamt 17 Beiträge
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Seite 1
frubi 18.01.2010
1. .
Zitat von sysopEs ist ihm zu ruhig geworden um die Bonuszahlungen für Manager - und das gefällt dem Freiburger Erzbischof Zollitsch nicht. Der Chef der Deutschen Bischofskonferenz verlangt eine klare Begrenzung der Zahlungen - auf europäischer Ebene. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,672482,00.html
Um Sympathien zu gewinnen kann er ja ruhig mal etwas fordern was sowieso nicht umgesetzt wird. Das weis er sehr wahrscheinlich selbst.
tetaro 18.01.2010
2. ..
Zitat von sysopEs ist ihm zu ruhig geworden um die Bonuszahlungen für Manager - und das gefällt dem Freiburger Erzbischof Zollitsch nicht. Der Chef der Deutschen Bischofskonferenz verlangt eine klare Begrenzung der Zahlungen - auf europäischer Ebene. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,672482,00.html
Das geht natürlich nur in Staaten, wo die Betroffenen nicht mehr oder weniger an der Regierung sind oder Politiker spätestens nach deren Pensionierung gern in ihre Reihen aufnehmen. Also...träumen wir weiter.
H3nry, 18.01.2010
3. Kk
"Zollitsch sagte, die weltweite Wirtschaftskrise sei durch den Anreiz kurzfristiger Gewinne für Manager entstanden." Und wodurch entstand der Aufschwung vor der Krise? Durch massenhaft vergebene Hypothekenkredite, die den Konsum angekurbelt haben, und die von den Banken zu Paketen geschnürt und als Anlageobjekt verkauft wurden, um ihre Eigenkapitalquote zu entlasten. Ich denke, die Manager haben schon mehr Plan als Bischof Zollitsch. Die wissen, dass die gesamte Wirtschaft nur noch ein Geschäft auf Pump ist, getragen von der Illusion auf eine Zukunft, die so nie mehr eintreten wird. Wäre ich bei einer solch sinnlosen Veranstaltung an den Schalthebeln, dann würde mein Verhalten auch zynisch und maßlos werden.
PORTSTORM 18.01.2010
4. Kirche? Kritisch?
Sagt mal habe ich da irgendwas verpasst? Hatten wir nichtmal irgendwo irgendwann gesetzlich festgelegt, dass die Kirche politisch nichts mehr zu sagen hat?!? Ich verstehe das alles langsam nicht mehr. Erst die Bischöfin mit ihren Kriegsgeschichten und jetzt und jetzt er mit seiner Teufelsmalerei. Ist ja an und für sich ok, dass die ihrer kleinen Feiern und Rituala zum Sonntag machen, aber müssen die damit den klar denkenden Teil der Bevölkerung belästigen. Warum tun auf einmal Alle wieder so, als ob es von Bedeutung wäre, was irgendein relegiöser Fanatiker in einer halbwegs demokratischen Umgebung zu sagen hat?
H3nry, 18.01.2010
5. Kk
"Zollitsch sagte, die weltweite Wirtschaftskrise sei durch den Anreiz kurzfristiger Gewinne für Manager entstanden." Und wodurch entstand der Aufschwung vor der Krise? Durch massenhaft vergebene Hypothekenkredite, die den Konsum angekurbelt haben, und die von den Banken zu Paketen geschnürt und als Anlageobjekt verkauft wurden, um ihre Eigenkapitalquote zu entlasten. Ich denke, die Manager haben schon mehr Plan als Bischof Zollitsch. Die wissen, dass die gesamte Wirtschaft nur noch ein Geschäft auf Pump ist, getragen von der Illusion auf eine Zukunft, die so nie mehr eintreten wird. Wäre ich bei einer solch sinnlosen Veranstaltung an den Schalthebeln, dann würde mein Verhalten auch zynisch und maßlos werden.
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