Offizielles Zahlungsmittel El Salvador startet in die Bitcoin-Zukunft

Der Präsident prophezeit eine Lernkurve, die Bevölkerung ist skeptisch: Die Digitalwährung Bitcoin ist in El Salvador weltweit erstmals zum gesetzlichen Zahlungsmittel geworden.
Bitcoin als Zahlungsmittel in einem Laden in El Zonte, El Salvador

Bitcoin als Zahlungsmittel in einem Laden in El Zonte, El Salvador

Foto: MARVIN RECINOS / AFP

Kritiker sehen den Bitcoin als Spekulationsobjekt, doch El Salvador will die Digitalwährung als Chance für mehr Unabhängigkeit nutzen. Mit Inkrafttreten eines entsprechenden Gesetzes am Dienstag ging der mittelamerikanische Staat als erstes Land der Welt den Schritt, die Digitalwährung Bitcoin als gesetzliches Zahlungsmittel einzuführen.

Das Gesetz sieht vor, dass jeder Händler Bitcoin als Zahlungsmittel annehmen muss, der technisch dazu in der Lage ist. Auch Steuern können in der Kryptowährung bezahlt werden. Staatspräsident Nayib Bukele verkündete am Montag auf Twitter, das Land habe seine ersten 400 Bitcoin gekauft. Aktuell sind diese rund 17,6 Millionen Euro wert.

»Wie alle Innovationen hat auch das Bitcoin-Verfahren in El Salvador eine Lernkurve. Jeder Weg in die Zukunft ist so, und nicht alles wird an einem Tag oder in einem Monat erreicht«, schrieb Bukele auf Twitter.

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Am Montag stieg der Bitcoin-Kurs zwischenzeitlich auf 52.680 US-Dollar. Seinen Höchstwert hatte er mit 68.870 US-Dollar Mitte April erreicht. Im Mai war der Kurs dann fast auf die symbolträchtige Marke von 30.000 Dollar gefallen.

Auf den Tausch von Bitcoin soll keine Kapitalertragsteuer erhoben werden. Den Wechselkurs zum Dollar, der in El Salvador anstelle einer einheimischen Währung als offizielles Zahlungsmittel genutzt wird, soll der Markt frei entscheiden. Wer die digitale Geldbörse Chivo herunterlädt, bekommt nach Angaben von Bukele ein Startguthaben im Wert von 30 Dollar. Es soll auch 200 Chivo-Geldautomaten geben.

El Salvador hat etwa sechs Millionen Einwohner. Seit 2001 wird in dem Land der US-Dollar als Zahlungsmittel benutzt. Dadurch ist das Land von der Geldpolitik der US-Notenbank abhängig. Für das Wirtschaftswachstum der Nation sei es nötig, eine digitale Währung zuzulassen, deren Wert allein von marktwirtschaftlichen Kriterien abhänge, heißt es im Gesetzestext.

Zudem haben demnach etwa 70 Prozent der Einwohner keinen Zugang zu traditionellen Finanzdienstleistungen. Viele sind auf Geldsendungen ihrer Angehörigen in den USA angewiesen. Überweisungen von Salvadorianern aus dem Ausland machen rund 22 Prozent des Bruttoinlandsproduktes aus. 2020 betrugen die Überweisungen laut offiziellen Statistiken insgesamt 5,9 Milliarden Dollar (rund 4,8 Milliarden Euro).

Ratingagentur stuft El Salvador herab

Nach einer landesweiten Umfrage der Universidad Centroamericana mit knapp 1300 Teilnehmern im August lehnen aber rund 70 Prozent der Salvadorianer das Bitcoin-Gesetz ab. Etwa so viele hatten demnach ungenaue Vorstellungen von Bitcoin. Nur 4,8 Prozent der Befragten definierten sie korrekt als Kryptowährung.

Bitcoin ist die bekannteste Digitalwährung. Sie wird nicht von einer Zentralbank kontrolliert, sondern durch ein dezentrales, energieintensives Computerverfahren geschaffen. Die Kryptowährung gilt als Spekulationsobjekt und ist heftigen Kursschwankungen unterworfen.

Einige Analysten befürchten, dass der Schritt, Bitcoin neben dem US-Dollar zum gesetzlichen Zahlungsmittel zu machen, die Aussichten für El Salvadors Bemühungen um eine Finanzierungsvereinbarung mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) in Höhe von mehr als einer Milliarde Dollar erschweren könnte.

Nach der Verabschiedung des Bitcoin-Gesetzes stufte die Ratingagentur Moody's die Kreditwürdigkeit El Salvadors herab.

mmq/dpa/Reuters
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