Erholung am Jobmarkt Kurzarbeit fällt auf tiefsten Stand in Coronakrise

In Deutschland gibt es noch rund eine Million Kurzarbeitende – so wenig wie noch nie seit Beginn der Pandemie. Zugleich verzeichnet die Industrie wieder deutlich mehr Aufträge.
Kellnerin in Würzburg: Im Gastgewerbe sinkt die Zahl der Kurzarbeitenden deutlich

Kellnerin in Würzburg: Im Gastgewerbe sinkt die Zahl der Kurzarbeitenden deutlich

Foto: Ralph Peters / imago images

Mit dem Ende vieler Corona-Auflagen sinkt die Zahl der Kurzarbeitenden in Deutschland dem Ifo-Institut zufolge auf den niedrigsten Stand seit Ausbruch der Pandemie. Im Juli waren noch 1,06 Millionen Menschen davon betroffen, während es im Vormonat 1,39 Millionen waren, teilten die Münchner Forscher mit. Das ist die niedrigste Zahl seit Beginn der Coronakrise im Februar 2020.

Den Angaben zufolge waren 3,1 Prozent der abhängig Beschäftigten in Kurzarbeit, nach 4,1 Prozent im Vormonat. »Vor allem in den Branchen mit Coronalockerungen ging die Kurzarbeit erneut kräftig zurück«, sagte Ifo-Umfrageexperte Stefan Sauer. So sank im Gastgewerbe die Zahl der Menschen in Kurzarbeit merklich von 295.000 auf 183.000 oder 17,2 Prozent der Beschäftigten. Im Einzelhandel verringerte sie sich von 92.600 auf 41.700 (1,7 Prozent).

»In der Industrie jedoch sehen wir erste Auswirkungen der Engpässe bei Vorprodukten und Rohmaterialien auf den Umfang der Kurzarbeit«, so Sauer weiter. In der Autobranche etwa stieg die Zahl der Kurzarbeitenden gegen den Trend, und zwar von 14.500 auf 32.100, was 3,4 Prozent der Beschäftigten entspricht. Insgesamt stieg der Anteil der Kurzarbeitenden in der Industrie von 3,1 auf 3,6 Prozent

Das Ifo-Institut stützt sich bei seinen Erhebungen auf seine monatliche Konjunkturumfrage unter Tausenden Unternehmen. Außerdem werden Daten der Bundesagentur für Arbeit ausgewertet.

Größtes Auftragsplus seit zehn Monaten

Eine positive Entwicklung gab es auch bei den Auftragseingängen der Industrie. Die starke Nachfrage aus dem Inland führte im Juni zum größten Auftragsplus seit zehn Monaten. Die Unternehmen sammelten 4,1 Prozent mehr Bestellungen ein als im Vormonat, teilte das Bundeswirtschaftsministerium mit. Das ist der größte Zuwachs seit August 2020.

Im Mai waren die Aufträge noch um 3,2 Prozent gefallen und damit so stark wie seit mehr als einem Jahr nicht mehr. »Insgesamt setzen die Auftragseingänge damit ihren seit Jahresanfang bestehenden Aufwärtstrend nach kurzer Unterbrechung im Mai weiter fort«, so das Ministerium.

Gemessen am Februar 2020, dem Monat vor Beginn der Einschränkungen im Zuge der Coronapandemie, liegen die Aufträge nun um 11,2 Prozent höher. Verglichen mit dem deutlich von der Pandemie beeinträchtigten Vorjahresmonat Juni 2020 zogen sie um 26,2 Prozent an.

Trotz Lieferengpässen und der weiter schwelenden Coronakrise ist die deutsche Wirtschaft mittlerweile wieder auf Wachstumskurs. Mit dem Ende des Lockdowns stieg das Bruttoinlandsprodukt im Frühjahr um 1,5 Prozent zum Vorquartal, nachdem es zu Jahresbeginn noch um 2,1 Prozent gesunken war. Bereits im Sommer könnte die Wirtschaft wieder ihr Vorkrisenniveau erreichen.

dab/Reuters/dpa
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