Längere Lebenserwartung Rentenzeit hat sich seit 1960 verdoppelt

Arbeitsministerin Andrea Nahles feiert die Rente mit 63 als wichtigen Beitrag zur Gerechtigkeit. Die jungen Beitragszahler sehen das vermutlich anders - sie müssen ohnehin bereits doppelt so lange für die Alten sorgen wie vor 50 Jahren.
Rentnerin: Lebenserwartung steigt deutlich

Rentnerin: Lebenserwartung steigt deutlich

Foto: David Ebener/ picture alliance / dpa

Berlin - Weil die Bundesbürger immer länger leben, bekommen sie auch immer länger Rente. Seit 1960 hat sich die durchschnittliche Rentenbezugsdauer in etwa verdoppelt - für Frauen etwas mehr, für Männer etwas weniger. Und dies, obwohl die Möglichkeiten für einen vorgezogenen Ruhestand in den vergangenen Jahren Schritt für Schritt eingeschränkt wurden.

2013 gestorbene Frauen bekamen im Durchschnitt 21,5 Jahre lang Rente. 1960 waren es 10,6 Jahre. Männer konnten ihre Rente zuletzt 17,0 Jahre genießen, 1960 waren es erst 9,6 Jahre. Für das Jahr 1980 lauten die Vergleichszahlen 13,8 Jahre (Frauen) und 11,0 Jahre (Männer). Diese Zahlen wurden am Mittwoch bei einem Presseseminar der Deutschen Rentenversicherung Bund in Berlin bekannt gegeben.

Nach Einschätzung der Statistiker steigt die Lebenserwartung weiter deutlich: Im Jahr 2060 werden Frauen ihren 65. Geburtstag im Schnitt um 25,5 Jahre überleben. Bei Männern sind es 22,3 Jahre.

Rente mit 63 gefragt

Weil frühere Frühverrentungsmodelle ausgelaufen sind, gehen zunehmend mehr Bürger erst mit 65 in Rente: Nach 29 Prozent im Jahr 1996 waren es nach neuen Zahlen der Rentenversicherung 2013 schon 55 Prozent. Andrea Nahles' abschlagsfreie Rente ab 63 könnte diese Entwicklung aber bremsen. Immerhin 30 Prozent der Neurentner nahmen im vergangenen Jahr Abschläge in Kauf und gingen schon mit 63 oder 64 Jahren in Rente.

Die Zahl der Bürger, die sich in den kommenden Jahren vorzeitig aus dem Erwerbsleben verabschieden, wird demnächst noch deutlich steigen. Schon in der ersten Woche nach Inkrafttreten des Gesetzes haben mehr als 50.000 Bürger einen entsprechenden Antrag gestellt, meldete die Deutsche Rentenversicherung am Dienstag.

Etwa 180.000 Arbeitnehmer wären nach Regierungsprognosen im kommenden Jahr vorzeitig in den Ruhestand gegangen, wenn dafür nach bisherigem Recht Abschläge auf die Rentenhöhe fällig geworden wären. Künftig aber können Arbeitnehmer mit 63 Jahren - wenn sie 45 Jahre versichert waren - aus dem Erwerbsleben ausscheiden, ohne dass sie dafür große finanzielle Einbußen in Kauf nehmen müssen. Entsprechend rechnet die Bundesregierung mit rund 60.000 Anträgen zusätzlich.

mik/dpa-AFX
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