Gutachten über Umweltschäden Überdüngung in der Landwirtschaft verursacht Milliardenkosten

Umweltschützer monieren seit Jahren die zu laxen deutsche Vorschriften: Durch Düngen gelangt zu viel Nitrat ins Grundwasser. Ein Gutachten zeigt nun, wie teuer die daraus folgenden Umweltschäden sind.
Gülle wird auf einem Feld in Sachsen-Anhalt verteilt.

Gülle wird auf einem Feld in Sachsen-Anhalt verteilt.

Foto: Martin Wagner / imago images

Durch Überdüngung in der deutschen Landwirtschaft entstehen jedes Jahr Umweltschäden von geschätzt drei Milliarden Euro. Das hat der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) in einem Gutachten errechnet.

»Das Gutachten zeigt deutlich, dass die Überdüngung in der Landwirtschaft der Umwelt massiv schadet«, sagt BDEW-Co-Chef Martin Weyand. Die Düngeverordnung aus dem vergangenen Jahr setze die europäischen Vorgaben noch immer nicht vollständig um.

Wegen der Nitratüberschreitungen im deutschen Grundwasser hatte der Europäische Gerichtshof bereits 2018 Änderungen des deutschen Düngerechts gefordert. Ob die neuen Regelungen nun der EU-Nitratrichtlinie entsprechen, wird derzeit von der Europäischen Kommission geprüft. Sollte eine mangelhafte Umsetzung festgestellt werden, drohen der Bundesrepublik jährliche Strafzahlungen im dreistelligen Millionenbereich.

Wichtige Teile der deutschen Düngeverordnung sind in der Allgemeinen Verwaltungsvorschrift zur Ausweisung von mit Nitrat belasteten Gebieten und der sogenannten Stoffstrombilanzverordnung geregelt. Auch diese Vorschriften setzten die EU-Richtlinie aber nicht ausreichend um, kritisierte der BDEW.

»Die Modellierungen sind unsicher und nur begrenzt nachvollziehbar«, sagt Friedhelm Taube, der Autor der BDEW-Studie. Es brauche dringend eine Reform mit ambitionierten Grenzwerten.

Der Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe (DUH), Sascha Müller-Kraenner, kritisierte ebenfalls, dass die Düngeverordnung in ihrer jetzigen Form »nicht auf wissenschaftlicher Evidenz« basiere. Durch den unzureichenden Schutz des Grundwassers entstünden »enorme gesellschaftliche Kosten«.

Die DUH hatte sich mit Klagen gegen die Bundesregierung sowie die Landesregierungen in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen gewandt. »Seit Jahrzehnten versäumt es die Bundesregierung, unser Grundwasser als unsere wichtigste Trinkwasserressource angemessen zu schützen«, sagt Müller-Kraenner. »Das neue Gutachten verdeutlicht einmal mehr, dass diese Klagen dringend notwendig sind.«

ssu/AFP