Früherer Wirtschaftsweiser Lindner-Berater Feld für höheres Rentenalter

Später in Rente, ein höherer Preis für CO₂, Lockerungen beim EU-Stabilitätspakt: Der neue Berater von Finanzminister Lindner erhebt eine Reihe unpopulärer Forderungen.
Senior auf Parkbank: Müssen künftige Generationen noch länger auf die Rente warten?

Senior auf Parkbank: Müssen künftige Generationen noch länger auf die Rente warten?

Foto: Patrick Pleul / dpa

Dass Lars Feld für ein höheres Eintrittsalter bei der gesetzlichen Rente plädiert, ist bereits aus seiner Zeit als sogenannter Wirtschaftsweiser im Sachverständigenrat der Bundesregierung bekannt. Dessen Vorsitzender war er bis zum Ausscheiden vor knapp einem Jahr. Seit Neuestem ist der Freiburger Ökonom der persönliche Wirtschaftsberater von Finanzminister Christian Lindner (FDP), und obwohl die Ampelkoalition vereinbart hat, das Rentenalter nicht anzutasten, bleibt Feld bei seiner Forderung: Der Beginn der Rente solle an die steigende Lebenserwartung gekoppelt werden. Das sagte der Ökonom der »Zeit«.

»Wir haben das in meiner Zeit im Sachverständigenrat mehrmals vorgerechnet. Man würde höchstens bei einem Renteneintrittsalter von 70 Jahren enden«, sagte Feld. Dies sei nötig, damit das Rentensystem »nach 2029 finanziell stabil bleibt«. Konkret könnte solch eine Kopplung so aussehen wie vom Münchner Rentenexperten Axel Börsch-Supan vorgeschlagen: Wenn die Menschen im Schnitt drei Jahre länger leben, sollte das Rentenalter um zwei Jahre erhöht werden. Die zusätzliche Lebenszeit würde so im Verhältnis zwei zu eins auf die Ein- und die Auszahlungsphase der Rente aufgeteilt.

Doch nicht nur bei der Rente spricht sich der neue Lindner-Berater für Schritte aus, die von vielen Bürgerinnen und Bürgern als Zumutung empfunden werden könnten. So fordert Feld in der Debatte über den Klimaschutz eine höhere Bepreisung von Kohlendioxid. »Die letzte Bundesregierung hat einen solchen CO₂-Preis schon eingeführt, allerdings soll er nur langsam steigen. Die Ampel hätte hier ruhig ambitionierter sein können«, sagte Feld. Bei der Einführung 2021 kostete eine Tonne CO₂ 25 Euro, in diesem Jahr 30 Euro, bis zum Jahr 2025 soll dieser Preis schrittweise auf 55 Euro steigen.

Lars Feld: »Vorübergehende Erleichterung beim Schuldenabbau gewähren«

Lars Feld: »Vorübergehende Erleichterung beim Schuldenabbau gewähren«

Foto: HAYOUNG JEON / EPA-EFE

Feld zeigte sich zudem offen für Zugeständnisse bei der Reform des Stabilitätspakts. »Italien wird es realistischerweise nicht schaffen, seine Schuldenquote so zu senken, wie es die EU-Regeln vorschreiben. Deswegen könnte man eine vorübergehende Erleichterung beim Schuldenabbau gewähren, vielleicht für fünf bis zehn Jahre«, sagte der Lindner-Berater der »Zeit«. In Brüssel wird gerade über eine Neufassung des Pakts verhandelt. Hoch verschuldete Länder wie Italien und Frankreich streben eine Lockerung an.

Für eine Einigung müssten sich aber alle bewegen, fordert der Ökonom: »Ein Kompromiss bedeutet übrigens: Beide Seiten bekommen etwas. Es kann nicht sein, dass man manchen Ländern immer wieder Erleichterungen verschafft, ohne dass sie bereit sind, etwas zu tun.« Das Problem sei vor allem Frankreich, meint Feld: »Wir müssen schauen, dass die Schulden dort verbindlicher abgebaut werden.«

fdi