Lars Feld Neuer Wirtschaftsweiser erwartet Umschuldung Griechenlands

Gerade erst wurde Lars Feld als neuer Wirtschaftsweiser gesetzt, schon gibt er kontroverse Interviews. Er fordert ein Referendum über die Ausweitung der Euro-Hilfen - und sieht Griechenland vor dem Bankrott. Deutschland solle sich darauf einstellen, dem Land einen Teil seiner Schulden erlassen zu müssen.

Neuer Wirtschaftsweiser Feld: "Rettungsschirm nicht ausweiten"
Kay Herschelmann

Neuer Wirtschaftsweiser Feld: "Rettungsschirm nicht ausweiten"


Berlin - Der designierte Wirtschaftsweise Lars Feld rechnet bei Griechenland mit einer Umschuldung. "Ich glaube nicht, dass Griechenland es ohne einen Schnitt bei seinen Schulden schaffen wird", sagte er dem "Handelsblatt". "Und dann werden die deutschen Garantien fällig", ergänzte er. Auch der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" und der "Welt" sagte Feld, er erwarte nicht, dass Griechenland seine Schulden jemals werde zurückzahlen können.

Griechenland musste im vergangenen Jahr mit einem Kreditpaket über insgesamt 110 Milliarden Euro vom Internationalen Währungsfonds, der EU und den Euro-Partnerländern vor der Pleite bewahrt werden.

Die Bundesregierung überlegt offenbar bereits, wie man dem kriselnden Staat einen Teil seiner Schulden erlassen könnte. Wie die "Zeit" und die Nachrichtenagentur Reuters berichten, arbeitet das Finanzministerium an einem Notfallplan für eine Pleite Griechenlands. "Sie haben begonnen, das Undenkbare zu denken", sagte ein Insider zu Reuters. Deutschland wolle dies nicht, stelle sich aber auf eine solche Situation ein. Eine Umschuldung gilt als gefährlich, da sie eine massive Anlegerflucht aus der Euro-Zone auslösen könnte.

Ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums erklärte, Pläne zur Umschuldung von griechischen Staatsanleihen seien nicht Bestandteil dieser gemeinsamen Überlegungen europäischer Staaten. Dass ein solches Szenario in der Regierung diskutiert wird, schloss er nicht aus. Der Vorsitzende des Bundestags-Finanzausschusses, Volker Wissing, sagte, es sei "eine der ureigensten Aufgaben einer Bundesregierung, sich auf alle möglichen Probleme die unser Land betreffen können vorzubereiten. Das heißt aber nicht, sie diese auch für wahrscheinlich hält."

"Zurück zu dem System, dass kein Euroland für ein anderes haftet"

Feld wurde am Mittwoch vom Bundeskabinett als Nachfolger von Wolfgang Wiegard in den Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung berufen, also in den Kreis der "Fünf Wirtschaftsweisen". Er gilt als Hardliner, der in seinem Denken der Regierung nahesteht. Ernannt wird er letztlich vom Bundespräsidenten. Sein Amt soll Feld am 1. März 2011 antreten.

Feld warnte vor einer Aufstockung des Euro-Rettungsschirmes, was auch die Bundesregierung bislang ablehnt. "Wenn über eine Ausweitung des 750-Milliarden-Rettungsschirmes für überschuldete Euro-Staaten gesprochen wird, dann sollte über eine so wichtige Frage in der EU das Volk abstimmen", sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

In einem Interview mit der Zeitung "Die Welt" forderte Feld: "Wir müssen zurück zu dem System, dass kein Euroland für ein anderes haftet." Dieser Grundsatz müsse verbunden werden mit einer Insolvenzordnung für Staaten. Zur deutschen Finanzpolitik merkte Feld an, die Haushaltskonsolidierung müsse derzeit im Vordergrund stehen. "Aber es ist Luft für Steuersenkungen da." Sie müssten aber gegenfinanziert werden. Er sehe noch Spielräume beim Abbau von Steuervergünstigungen.

ssu/Reuters



insgesamt 19 Beiträge
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Seite 1
sic tacuisses 19.01.2011
1. Der nächste Lobbyist, der den Griff in die Taschen des Steuerzahlers plant.
Zitat von sysopGerade erst wurde Lars Feld*als neuer Wirtschaftsweiser gesetzt, schon gibt er kontroverse Interviews.*Er*fordert ein Referendum über die Ausweitung der Euro-Hilfen - und sieht Griechenland vor dem Bankkrott. Deutschland solle sich darauf einstellen, dem Land einen Teil seiner Schulden erlassen zu müssen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,740458,00.html
Was ist denn bitte an diesem Dummschwätzer weise ??? Wenn Griechenland pleite geht, sind die Dummen nicht die Banken als Kreditgeber, sondern der Steuerzahler. Die Banken werden ihre Ausfälle nämlich steuerlich wirksam abschreiben. Gewinne - Ausfälle = zu versteuernder Reingewinn. Jeden Euro Verlust trägt 100 % der Steuerzahler. Ist das so schwer zu begreifen oder hält man sämtliche Deutschen mittlerweile für total verblödet ???
Marvel Master 19.01.2011
2.
Hm,... was fällt mir zu solchen Stichpunkten ein wie. Griechenland Schulden erlassen. Jeder Staat ist für seinen eigenen Staatshaushalt verantwortlich Griechenland vor dem Bankrot System, dass kein Euroland für ein anderes haftet Steuersenkungen in Deutschland Konsolidierung des deutschen Staatshaushaltes Passt irgendwie nicht zusammen. Na ja, der deutsche Steuerzahler wirds schon richten. :-) VG Marvel
bauagent 19.01.2011
3. Weise Erkenntnisse !
Zitat von sic tacuissesWas ist denn bitte an diesem Dummschwätzer weise ??? Wenn Griechenland pleite geht, sind die Dummen nicht die Banken als Kreditgeber, sondern der Steuerzahler. Die Banken werden ihre Ausfälle nämlich steuerlich wirksam abschreiben. Gewinne - Ausfälle = zu versteuernder Reingewinn. Jeden Euro Verlust trägt 100 % der Steuerzahler. Ist das so schwer zu begreifen oder hält man sämtliche Deutschen mittlerweile für total verblödet ???
Ihre Erkenntnisse sind weise. Jedoch muss man konstatieren, dass Feld natürlich analytisch relativ richtig liegt, denn bezahlen werden wir auf jeden Fall. Als Verfechter der klassischen Volkswirtschaftslehre des Verteilens von unten nach oben, ist die Idee der Volksabstimmung doch "volksgerecht", schließlich weiß er genau, dass eine solche Volksabstimmung nie möglich wird.
waldschrat123 19.01.2011
4. Das war doch klar...
das Griechenland seine Schulden nie begleichen kann. Wie auch wenn schon bei Vergabe des Kredits gemeckert wird das die Zinsen zu hoch sind... Die Griechen werden es nie begreifen wie man mit seinem Geld haushaltet. Und anderseits wird auch Deutschland und die anderen Euro Länder nie schuldenfrei sein. Wir müssen halt das Beste draus machen! Den Kopf in den Sand stecken und auf hohen Nieveau nur klagen bringt uns nicht weiter. Handeln heist die Devise.
sponwurm 19.01.2011
5. Auf den ersten Blick
Zitat von sysopGerade erst wurde Lars Feld*als neuer Wirtschaftsweiser gesetzt, schon gibt er kontroverse Interviews.*Er*fordert ein Referendum über die Ausweitung der Euro-Hilfen - und sieht Griechenland vor dem Bankkrott. Deutschland solle sich darauf einstellen, dem Land einen Teil seiner Schulden erlassen zu müssen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,740458,00.html
hatte ich gedacht, Westerwelle schaut mich an. Jetzt denke ich, Westerwelle redet. Der Neue ist so weit weg von Europa, wie eben reine Volks- und Betriebswirtschaftler vom wahren Leben entfernt sind. Es würde mich nicht wundern, wenn es bald eine kapitalgedeckte Ausfallpflichtversicherung gibt, in die alle versicherungspflichtigen Arbeitnehmer einzahlen, denn sie tragen ja nicht das Währungsrisiko wie unsere Leistungsträger. Weiter so!
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