Lebensmittelmarken New York will Bedürftigen die Cola streichen

New Yorks Stadtvater sagt der Fettleibigkeit den Kampf an: Bürgermeister Michael Bloomberg will, dass Empfänger von Lebensmittelmarken in seiner Stadt mit den Gutscheinen keine zuckerhaltigen Getränke mehr kaufen können. Jetzt muss das Landwirtschaftsministerium entscheiden.

Bürgermeister Bloomberg: 1,7 Millionen New Yorker vom Vorschlag betroffen
AFP

Bürgermeister Bloomberg: 1,7 Millionen New Yorker vom Vorschlag betroffen


New York - Mineralwasser ja, Limonade nein: Empfänger von Lebensmittelmarken sollen in New York für allzu zuckerhaltige Getränke künftig privat zahlen. Das hat der New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg beim US-Landwirtschaftsministerium beantragt. Die Behörde finanziert das Gutschein-Programm und setzt die Regeln dafür fest. Das Kaufverbot soll für die 1,7 Millionen Empfänger von Lebensmittelkarten in New York gelten. Das berichtet die "New York Times". Der Bundesstaat New York schloss sich dem Antrag an.

Bloombergs Vorschlag ist der Zeitung zufolge Teil einer größeren Kampagne des Bürgermeisters gegen Fettleibigkeit. Unter anderem gibt es strengere Regeln für in Schulen verkaufte Lebensmittel und Anzeigen, auf denen etwa Männer zu sehen sind, die paketweise Zucker trinken. Mit einem Versuch, im Bundesstaat New York eine Steuer auf zuckerhaltige Getränke durchzusetzen, war Bloomberg früher allerdings gescheitert.

Von dem jetzigen Antrag betroffen wären Getränke, die pro acht Unzen (etwa 240 Milliliter) mehr als zehn Kalorien enthalten. Gesundheitsexperten begrüßten den Vorschlag. Allerdings befürchten sie auch, dass Empfänger von Lebensmittelkarten - die ärmsten Bewohner der Stadt - stigmatisiert werden. Kritiker werfen Bloomberg zudem vor, viele Einwohner New Yorks bevormunden zu wollen.

Der Bürgermeister möchte seinen Antrag zunächst für zwei Jahre durchsetzen. Danach soll geprüft werden, ob die Maßnahme sich positiv auf die Gesundheit der Gutschein-Empfänger auswirkt und damit ein dauerhaftes Verbot gerechtfertigt wäre. Nach Angaben der Stadt sind 40 Prozent der Schüler in öffentlichen Schulen fettleibig. In armen Stadtteilen gibt es deutlich mehr übergewichtige Personen, und dort werden auch deutlich mehr zuckerhaltige Getränke konsumiert.

Ob sich Bloomberg durchsetzt, ist ungewiss. 2004 wies das Landwirtschaftsministerium einen ähnlichen Antrag Minnesotas ab, wonach Empfänger von Lebensmittelkarten kein "Junk Food" mehr hätten kaufen dürfen.

ulz



insgesamt 19 Beiträge
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psycho_moni 07.10.2010
1. Einheiten ... immer das Gleiche!
Ob das womöglich 10 KILO-Kalorien pro 240 mL sind statt 10 Kalorien? Cola enthält nämlich z.B. 105 Kilokalorien pro 250 mL, also ziemlich genau 100 Kilokalorien pro 240 mL. (ich kürze Liter mit großem L ab, weil die Verwechslung mit dem großen i nicht besteht) Orangensaft hat übrigens auch fast so viel Kalorien wie Cola, also deutlich über 10 Kilokalorien und sowieso viel mehr als 10 Kalorien pro 240 mL. Dürfen die da dann mit den Lebensmittelmarken auch keinen Orangensaft kaufen und keinen Apfelsaft? Fragen über Fragen ...
meinefresse 07.10.2010
2. Dazu passt ein Artikel in der hetigen SZ
http://www.sueddeutsche.de/wissen/gesundheitskampagnen-warnung-oder-ratschlag-1.1009148 Zitat: [..]Womöglich machen permanente Ratschläge, sich gesünder zu ernähren, die Menschen nicht gesünder, sondern kränker, sagt der Epidemiologe Paul Marantz vom Albert Einstein College in New York. "Viele Empfehlungen zur Gesundheitsvorsorge und gesunden Ernährung sind nicht wissenschaftlich fundiert", bemängelt er. "So lange man keine Beweise hat, dass etwas schädlich oder nützlich ist, besteht der beste Ernährungsratschlag darin, keine Ernährungsratschläge zu befolgen." Die Low-Fat-Doktrin habe Menschen beispielsweise glauben lassen, dass sie sich gesund ernähren, wenn sie nur auf fettarme Produkte achten. In der Folge ist der Kohlenhydratanteil in der Nahrung gestiegen; typische Krankheiten waren die Folge. So leiden seit den 1970er-Jahren mehr Menschen an Diabetes und Bluthochdruck, was mittelfristig zu mehr Herzinfarkten und Schlaganfällen führt.[..] Am besten ist immer noch: Essen und Trinken worauf man gerade Lust hat, der Körper weiß selbst am besten, was ihm im Moment fehlt. Nichts schlimmeres als die ganzen Kalorien-freien und chemisch gesüßten Softdrinks - wenn man ein Glas getrunken hat erwartet der Körper Kalorien, der Stoffwechsel läuft hoch, der Zuckerspiegel geht mangels Input in den Keller, es entsteht ein Heißhunger auf etwas süßes. Mag sein dass man den Körper daran gewöhnen kann - ich tu mir das nicht an, wenn Softdrink dann mit Zucker, ansonsten eben Tee, Wasser,... Zumal die zunehmende Entmündigung noch ganz andere Gefahren mit sich bringt...
Gorth 07.10.2010
3. Eine gute Idee ....
zum Schutz der Menschen aber einmal damit angefangen lassen solchengeneraellen Regelungen im Namen von Gesundheit, Allgemeinheit, Allgemeinwohl etc in letzter Konsequenz alles zu, was zur Stigmatisierung und Ausgrenzung führt. Weitergedacht erfüllen solche Überlegungen letztlich nur zu einer erneuten Debatte von staatlich gewilligter Ausgrenzungspraxis und sind daher abzulehnen.
psycho_moni 07.10.2010
4. sehr gut!
Zitat von meinefressehttp://www.sueddeutsche.de/wissen/gesundheitskampagnen-warnung-oder-ratschlag-1.1009148 Zitat: [..]Womöglich machen permanente Ratschläge, sich gesünder zu ernähren, die Menschen nicht gesünder, sondern kränker, sagt der Epidemiologe Paul Marantz vom Albert Einstein College in New York. "Viele Empfehlungen zur Gesundheitsvorsorge und gesunden Ernährung sind nicht wissenschaftlich fundiert", bemängelt er. "So lange man keine Beweise hat, dass etwas schädlich oder nützlich ist, besteht der beste Ernährungsratschlag darin, keine Ernährungsratschläge zu befolgen." Die Low-Fat-Doktrin habe Menschen beispielsweise glauben lassen, dass sie sich gesund ernähren, wenn sie nur auf fettarme Produkte achten. In der Folge ist der Kohlenhydratanteil in der Nahrung gestiegen; typische Krankheiten waren die Folge. So leiden seit den 1970er-Jahren mehr Menschen an Diabetes und Bluthochdruck, was mittelfristig zu mehr Herzinfarkten und Schlaganfällen führt.[..] Am besten ist immer noch: Essen und Trinken worauf man gerade Lust hat, der Körper weiß selbst am besten, was ihm im Moment fehlt. Nichts schlimmeres als die ganzen Kalorien-freien und chemisch gesüßten Softdrinks - wenn man ein Glas getrunken hat erwartet der Körper Kalorien, der Stoffwechsel läuft hoch, der Zuckerspiegel geht mangels Input in den Keller, es entsteht ein Heißhunger auf etwas süßes. Mag sein dass man den Körper daran gewöhnen kann - ich tu mir das nicht an, wenn Softdrink dann mit Zucker, ansonsten eben Tee, Wasser,... Zumal die zunehmende Entmündigung noch ganz andere Gefahren mit sich bringt...
Tja, das ist dann wohl der Unterschied zwischen "gut" und "gut gemeint" oder der Unterschied zwischen sinnvollem Handeln und Aktionismus. Guter Beitrag.
Fuchs66 07.10.2010
5. Sinnvolle Sache
Ich finde das gut, dass mal ein Politiker das Thema gesunde Ernährung angeht. Habe den Eindruck, dass die sich immer noch viel zu sehr von der Industrie vorschreiben lassen, wie sie über bestimmte Produkte zu reden haben. Ein Politiker, der sich öffentlich gegen Alkohol oder Fleischkonsum stellen würde, muss noch erfunden werden. Ach ja, die Macht der Lobbyisten ...
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