Regierungsberater über britische Supermarktkrise »Das wird noch schlimmer werden«
Kunden – aber keine Produkte – in einem Supermarkt im Osten Londons
Foto: Daniel Leal / AFPHenry Dimbleby ist Mitbegründer einer großen Restaurantkette in Großbritannien – und Berater der britischen Regierung. Eigentlich soll er in dieser Funktion dabei helfen, eine moderne Lebensmittelstrategie auszuarbeiten. Nun hat Dimbleby sich mit Blick auf die aktuelle Versorgungskrise in vielen britischen Supermärkten zu Wort gemeldet – und harsche Kritik an der Regierung geübt. Umweltministerin Thérèse Coffey hatte jüngst gesagt, die Knappheit an Eiern und Gemüse sei nicht auf »Marktversagen« zurückzuführen.
Dieser Sichtweise widerspricht Berater Dimbleby vehement: Es handele sich um ein Versagen des britischen Lebensmittelmarktes. Grund für die Probleme sei eine – speziell britische – »seltsame Supermarktkultur«, zitiert die Zeitung »Guardian« Dimbleby.
Im Vereinigten Königreich sei es üblich geworden, dass Supermarktketten etwa die Salatpreise über lange Zeiträume unverändert hielten. Die Konzerne würden Festpreise mit den Lieferanten verhandeln. Das verhindere aber jede Anpassung des Marktes an Mangellagen.
Lieferanten verkaufen lieber nach Deutschland
Während in Europa die Supermärkte nach lang anhaltender schlechter Witterung ihre Preise erhöhten, passiere das in Großbritannien eben nicht. »Und deshalb werden die Lieferanten am Rande des Marktes nach Frankreich, Deutschland und die Ukraine liefern«, so der Regierungsberater. Dort könnten sie mehr Geld erlösen. Da die Regierung dieses grundlegende Problem nicht angehe, rechnet Dimbleby mit einer weiteren Verschärfung der Lage: »Das wird noch schlimmer werden.«
Rückendeckung bekommt er dabei von Timothy Lang, einem emeritierten Professor für Lebensmittelpolitik. Er sei »nicht im geringsten« überrascht von den aktuellen Engpässen, so Lang. Die Regierung hätte längst eingreifen müssen und die Preisgestaltung nicht allein in der Hand von Handelsriesen wie Tesco lassen dürfen.
In Großbritannien kommt es seit Wochen zu Knappheiten bei Obst und Gemüse. Ketten wie Tesco, Asda und Aldi mussten den Einkauf bestimmter Waren einschränken, darunter Tomaten, Gurken und Paprika.