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27. September 2010, 17:17 Uhr

Leiharbeit

IG Metall nennt von der Leyen Job-Vernichterin

Die IG Metall attackiert Ursula von der Leyen: Die Arbeitsministerin lade mit ihrer Politik Unternehmen dazu ein, auf Leiharbeiter zu setzen - und verschärfe so den Abbau von regulären Arbeitsplätzen.

Frankfurt am Main - Firmen der deutschen Metallbranche decken ihren Arbeitskräftebedarf laut IG Metall vor allem durch Leiharbeit und befristete Verträge. Nur 15 Prozent der Betriebe schafften unbefristete Stellen, ergab eine Umfrage unter 5100 Betriebsräten, die die Gewerkschaft in Frankfurt am Main vorstellte. 43 Prozent der Unternehmen decken ihren Zusatzbedarf demnach durch Leiharbeiter, 42 Prozent stellen nur befristet ein.

Der Vizechef der Gewerkschaft, Detlef Wetzel, nannte das Ergebnis der Betriebsratsumfrage "alarmierend". Unbefristete Beschäftigung werde zur Ausnahme. Er forderte die Bundesregierung auf, den Missbrauch von Leiharbeit durch schärfere Regelungen zu begrenzen.

Die Pläne von Arbeitsministerin Ursula von der Leyen seien dazu jedoch nicht geeignet. Sie würden den ungebremsten Abbau von Stammarbeitsplätzen sogar verschärfen, sagte Wetzel. In der Folge würden viele hunderttausend Arbeitsplätze durch schlecht bezahlte Leiharbeit ersetzt. Er forderte die Regierung auf, Unternehmen dazu zu verpflichten, Leiharbeiter genauso zu bezahlen wie Festangestellte.

Auch die Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di forderte Schwarz-Gelb zu einem stärkeren Engagement in dieser Frage auf. "So lange die Bundesregierung keine effektiven Schritte gegen den Missbrauch der Leiharbeit unternimmt, macht sie sich der Beihilfe zum Lohndumping schuldig, erklärte Ver.di-Chef Frank Bsirske am Montag.

Die Arbeitgeber wiesen die Kritik zurück: Zeitarbeit sei für die Metall- und Elektro-Industrie ein unverzichtbarer Bestandteil der Personalpolitik, teilte der Arbeitgeberverband Gesamtmetall mit. Bei einem stabilen Aufschwung werde zeitversetzt auch die Zahl der Stammarbeitsplätze wieder wachsen. Die Forderung nach gleicher Bezahlung nannte der Arbeitgeberverband "undifferenziert". Die Zeitarbeit habe vielen An- und Ungelernten einen Arbeitsplatz verschafft, die sonst kaum eine Chance auf dem Arbeitsmarkt gehabt hätten.

cte/dpa/AFP

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