EZB-Zinsentscheid Euro steigt während Draghi-Rede auf Dreijahreshoch

Sparer können nicht so bald auf steigende Zinsen hoffen: EZB-Präsident Mario Draghi sieht wenig Chancen auf eine Erhöhung in diesem Jahr. Während seiner Rede stieg der Euro auf über 1,25 Dollar.
EZB-Präsident Mario Draghi

EZB-Präsident Mario Draghi

Foto: Kai Pfaffenbach/ REUTERS

Der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, hat die Hoffnung vieler Sparer auf steigende Zinsen nachhaltig gedämpft. "Auf Basis der heutigen Daten und Analysen sehe ich sehr wenig Chancen, dass die Zinsen in diesem Jahr steigen könnten", sagte Europas oberster Währungshüter nach der Sitzung des EZB-Rates in Frankfurt.

Kurz zuvor hatte die Notenbank die unveränderte Fortsetzung ihrer Geldpolitik verkündet und keine Hinweise auf künftige Straffungen gegeben.

Die Wirtschaft im Euroraum bleibt Draghi zufolge im Aufwind. Sorge mache aber die jüngste Aufwertung des Euro. "Die derzeitige Wechselkursvolatilität stellt eine Unsicherheitsquelle dar, die eine genaue Beobachtung erfordert", sagte der EZB-Präsident. Im Blick zu behalten seien mögliche Auswirkungen auf die Preisstabilität.

Euro auf Höhenflug

Während der Pressekonferenz zog die Gemeinschaftswährung weiter an. Mit 1,2537 Dollar notierte sie zeitweise so hoch wie seit Mitte Dezember 2014 nicht mehr. Seit dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump vor gut einem Jahr hat der Euro im Verhältnis zum US-Dollar fast ein Fünftel an Wert gewonnen.

Bereits im September hatte sich Draghi ähnlich zum Wechselkurs geäußert. Zudem hatten sich zuletzt andere Währungshüter besorgt über die Euro-Stärke gezeigt, darunter EZB-Vizechef Vitor Constancio.

Neben der starken Euro-Wirtschaft und einem absehbaren Ende der extrem lockeren Geldpolitik der EZB war für den Höhenflug zuletzt vor allem eine Dollar-Schwäche verantwortlich. Experten begründen diese unter anderem mit Furcht vor Handelskonflikten sowie Zweifeln an der Wirksamkeit der US-Steuerreform.

Mnuchin bekräftigt Aussage zu Dollar-Schwäche

Das Erstarken der Gemeinschaftswährung verteuert Produkte von Firmen aus dem Euroraum auf den Weltmärkten tendenziell. Das könnte in der Folge die Exporte und damit das hiesige Wirtschaftswachstum dämpfen. Zugleich werden Einfuhren aus anderen Währungsräumen günstiger, was die Inflation drückt. Damit wird es für die EZB schwieriger, ihr mittelfristiges Ziel einer Teuerungsrate von knapp unter 2,0 Prozent zu erreichen.

US-Finanzminister Steven Mnuchin hatte sich beim Weltwirtschaftsgipfel in Davos gelassen zur Dollar-Schwäche geäußert und gesagt, sie sei gut für die US-Wirtschaft. Nach Kritik der Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, bekräftigte Mnuchin seine Aussagen am Donnerstag.

Draghi vermied es auf Nachfrage, zu den Aussagen des US-Finanzministers Position zu beziehen. Ohne direkt Bezug auf Mnuchin zu nehmen, mahnte er sprachliche Zurückhaltung an. Handelspartner sollten Äußerungen unterlassen, die Schwankungen an den Währungsmärkten verursachen könnten. Er verwies darauf, dass der Wechselkurs zwar nicht zu den geldpolitischen Zielgrößen der Notenbank gehöre, dass er aber Auswirkungen auf die Inflation sowie die Konjunktur haben könne.

Zukunft der Anleihenkäufe kein Thema

Auch die Zukunft ihres Anleihenkaufprogramms ließ die EZB vorerst offen. Wie ab Ende September damit verfahren werden solle, sei nicht diskutiert worden, sagte Draghi.

Man müsse generell zwischen den Optionen einer Ausweitung des Programms, einer schrittweisen Drosselung und eines "plötzlichen Stopps" unterscheiden. "Und das ist exakt ein Teil der Diskussion, die wir haben werden", sagte Draghi. Welche Möglichkeit die wahrscheinlichste ist, ließ er offen. Zugleich verwies er auf seine frühere Äußerung, das Programm werde nicht abrupt enden.

Die EZB hatte im Oktober beschlossen, die Käufe vorerst bis September 2018 mit einem halbierten monatlichen Kaufvolumen von 30 Milliarden Euro fortzusetzen. Einige EZB-Ratsmitglieder wie Estlands Notenbank-Chef Ardo Hansson hatten dafür plädiert, dann in einem Schritt auf null zu gehen.

brt/dpa/Reuters