Antrag an die EU Lettland will den Euro

Krise hin, Krise her: Lettland will 18. Mitgliedsland der Euro-Zone werden. Finanzminister Vilks bat jetzt offiziell um eine Prüfung durch die EU. Er zeigte sich überzeugt, dass die heimische Wirtschaft das "Gütesiegel" bekomme.

Händlerin auf einem Markt in Riga: Ab 2014 mit Euro bezahlen?
REUTERS

Händlerin auf einem Markt in Riga: Ab 2014 mit Euro bezahlen?


Brüssel - Für sein Land sei der Euro kein Selbstzweck, sagte der lettische Wirtschaftsminister Daniels Pavluts vor einigen Monaten SPIEGEL ONLINE. "Das Ziel ist mehr Stabilität, Wachstum, nachhaltige Entwicklung und Integration in die EU." Nun nimmt Lettland dieses Ziel ins Visier: Anfang 2014 will es zum 18. Mitgliedsland der Euro-Zone werden. Finanzminister Andris Vilks bat am Dienstag in Brüssel offiziell um den nötigen Prüfbericht der EU-Kommission.

"Lettland hat beschlossen, dass es bereit ist, eine Konvergenzprüfung zu beantragen mit dem Ziel, im Jahr 2014 den Euro einzuführen", sagte EU-Währungskommissar Olli Rehn nach einem Treffen der EU-Finanzminister. Er kündigte an, den Antrag gründlich und objektiv prüfen. Der Bericht werde vermutlich Anfang Juni vorliegen.

Lettland erfüllt nach eigenen Angaben seit September 2012 sämtliche Maastricht-Kriterien. Das bedeutet: Die laufende Staatsverschuldung darf drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) nicht übersteigen, die Gesamtverschuldung soll maximal 60 Prozent betragen. Außerdem darf die Inflationsrate nicht mehr als 1,5 Prozentpunkte über dem Durchschnitt der drei preisstabilsten EU-Länder liegen. Schließlich muss sich der Wechselkurs der bisherigen Landeswährung Lats stabil zeigen.

Vilks erklärte: "Die Erfüllung dieser Kriterien ist das Gütesiegel unserer Wirtschaft, und ich bin zuversichtlich, dass wir in der Lage sind, ihnen auch langfristig gerecht zu werden - durch eine geringe Staatsverschuldung, eine verantwortungsvolle Finanzpolitik und die Stärkung unseres Wettbewerbs."

Der lettische Ministerpräsident Valdis Dombrovskis hatte schon am Montag in einem Brief um den Prüfbericht gebeten. Offiziell musste dies jedoch der Finanzminister in Brüssel beantragen.

Die EU-Länder in der Mitte und im Osten Europas hatten sich beim Beitritt verpflichtet, den Euro einzuführen, wenn sie die Kriterien dafür erfüllen. Wegen der schweren Schuldenkrise in einigen Euro-Ländern und den damit verbundenen Turbulenzen hatten sich in den vergangenen Jahren die Kandidaten aber rar gemacht.

Lettland wäre der zweite baltische Staat in der Euro-Zone. Estland hat die Gemeinschaftswährung bereits seit 2011. Litauen peilt die Mitgliedschaft für 2015 an.

dab/dpa



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