Stockende Versorgung Neun von zehn deutschen Industriefirmen passen ihre Lieferketten an

87 Prozent der deutschen Industriebetriebe haben auf die globalen Lieferkettenprobleme reagiert – und ihre Beschaffungsstrategie geändert. Das geht aus einer Umfrage unter Tausenden Firmen hervor.
Hafen von New Jersey

Hafen von New Jersey

Foto: Justin Lane / epa

Seit der Coronapandemie hat ein Großteil der Firmen konkrete Maßnahmen ergriffen, um ihre Lieferketten anzupassen. Das geht aus einer Umfrage  des Ifo-Instituts unter 4000 Unternehmen hervor, die das Forschungsnetzwerk EconPol Europe veröffentlicht hat.

Demnach haben 87 Prozent der Industrieunternehmen ihre Beschaffungsstrategie verändert. Im Großhandel hätten 76 Prozent ihre Lieferketten angepasst, im Einzelhandel 63 Prozent.

»In einer früheren Umfrage vom Mai 2021 sagten noch weniger als die Hälfte der Unternehmen, sie wollten ihre Beschaffungsstrategie anpassen«, teilt Ifo-Experte Andreas Baur mit. Dies zeige, dass viele Firmen die Risiken inzwischen neu bewerteten.

Demnach erhöhten 68 Prozent aller Industrieunternehmen als Reaktion auf Lieferkettenstörungen ihre Lagerbestände. 65 Prozent setzen darauf, ihre Beziehungen breiter aufzustellen, indem sie die Zulieferbasis durch neue Lieferanten und Bezugsquellen erweitern. 50 Prozent der Unternehmen berichten laut Ifo, die Überwachung ihrer Lieferketten verbessert zu haben. 13 Prozent haben zuvor ausgelagerte Produktionsprozesse wieder zurück ins Unternehmen eingegliedert.

»Wir beobachten unterschiedliche Strategien bei kleinen und großen Firmen«, sagt Baur. Großunternehmen hätten mehr Maßnahmen ergriffen als kleine und mittlere Betriebe. Zudem hätten Großunternehmen vor allem Zuliefererstrukturen diversifiziert und überwachen ihre Lieferketten stärker. Kleine und mittlere Firmen setzten dagegen eher auf eine verstärkte Lagerhaltung.

Derzeit leidet die Wirtschaft infolge des Ukrainekriegs vor allem unter hohen Preisen für Energie, Rohstoffe und Lebensmittel. Aber auch die seit der Viruspandemie bestehenden Störungen der Lieferketten belasten immer noch.

ssu/Reuters
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