Leiharbeit in Kindergärten Kitas zahlen Erzieherinnen Dumping-Löhne

1000 Euro brutto pro Monat - so niedrig ist laut Linkspartei das Gehalt mancher Erzieherinnen in Sachsen. Die Frauen liegen damit rund 50 Prozent unter Tarif. Der "Saarbrücker Zeitung" zufolge gibt es einen drastischen Anstieg von Leiharbeit in Kindergärten.
Kinder in der Kita: Kommunen fürchten den Rechtsanspruch

Kinder in der Kita: Kommunen fürchten den Rechtsanspruch

Foto: dapd

Saarbrücken - Die Leiharbeitsbranche boomt in Deutschland seit Jahren. Einem Bericht der "Saarbrücker Zeitung"  zufolge steigt selbst unter Sozialarbeitern und Kindergärtnerinnen nun der Anteil der Leiharbeiter. Ihre Zahl sei von 2009 bis 2011 um knapp ein Drittel gestiegen. Die Zeitung beruft sich auf eine Übersicht der Bundesagentur für Arbeit.

Leiharbeiter als Erzieher? Viele Städte und Gemeinden stopfen damit offenbar nicht nur personelle Löcher, sondern sparen Lohnkosten. Die Vize-Fraktionschefin der Grünen Ekin Deligöz sagte der Zeitung, viele Kommunen fürchteten den Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz, der ab August kommenden Jahres gilt. Mit Leiharbeitern blieben die öffentlichen Arbeitgeber flexibel. "Das würde die Leiharbeit zum Teil erklären", so Deligöz.

1000 brutto für Fachkräfte

Dabei gibt es offenbar extreme Auswüchse bei der Bezahlung. Die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Linken, Sabine Zimmermann, schildert Fälle, in denen ausgebildete Erzieherinnen in einer städtischen Kita nur 1000 Euro brutto im Monat erhielten. Das tarifliche Einstiegsgehalt für Erzieherinnen liege aktuell bei monatlich 2160 Euro brutto.

"Gemessen an ihrer hohen Qualifikation und Verantwortung werden pädagogische Fachkräfte schon in regulären Arbeitsverhältnissen nicht angemessen entlohnt", sagte Zimmermann. Durch die Leiharbeit verschärfe sich das Problem noch.

Auch der jüngste Plan von Arbeitsministerin Ursula von der Leyen dürfte kaum zu einer besseren Bezahlung von Erziehern beitragen. Sie setzt auf die Umschulung von Arbeitslosen - zum Beispiel von den Tausenden Schlecker-Mitarbeiterinnen, die im Zuge der Pleite ihren Job verloren haben. Gewerkschafter kritisieren den Plan als "beschämend" da von der Leyen suggeriere, der Erzieherberuf sei leicht zu erlernen und von jedem ausführbar.

cte/dapd
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