Forderung der Linkspartei Wiesehügel soll Gewerkschaftsposten ruhen lassen

Als Gewerkschaftschef kritisiert er die Agenda 2010, als Mitglied in Steinbrücks Schattenkabinett soll Klaus Wiesehügel sie verteidigen: Ein Spagat zuviel, kritisiert die Linkspartei. Der Vorsitzende der IG Bau solle sein Amt während des Wahlkampfs ruhen lassen.
Klaus Wiesehügel: Gewerkschaftschef und Steinbrück-Wahlkämpfer

Klaus Wiesehügel: Gewerkschaftschef und Steinbrück-Wahlkämpfer

Foto: Tim Brakemeier/ dpa

Passau/Halle - Der Linkspartei-Vorsitzende Bernd Riexinger hat IG-BAU-Chef Klaus Wiesehügel aufgefordert, sein Amt nach der Berufung ins Kompetenzteam von SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück ruhen zu lassen. Im Gespräch mit der "Passauer Neuen Presse" erklärte Riexinger, Wiesehügel müsse zwar nicht vom Amt des Vorsitzenden der Industrie-Gewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau) zurücktreten. Er sollte aber sein Amt für die Dauer des Wahlkampfs ruhen lassen. Andernfalls litten seine Glaubwürdigkeit und die der Gewerkschaften. "Er muss sich entscheiden, Sozialdemokrat oder Gewerkschafter, für Rentenkürzungen oder dagegen", fügte Riexinger hinzu.

Die Linkspartei-Vizechefin Sahra Wagenknecht riet Wiesehügel, einen "klaren Trennungsstrich" zu ziehen und sein Amt als IG Bau-Vorsitzender niederzulegen. "Sonst geraten die Gewerkschaften in den Verruf, einmal mehr zu viel Nähe zu einer Partei zuzulassen, die die Grundlage für Millionen Hungerjobs gelegt hat", sagte sie der Online-Ausgabe der "Mitteldeutschen Zeitung". Wagenknecht fügte hinzu: "Wer die Agenda 2010 als Gewerkschaftsführer asozial nennt, kann nicht Steinbrück als Wahlkämpfer sozial nennen."

Wiesehügel hatte die Agenda 2010 wiederholt kritisiert, während Steinbrück sie bis heute gutheißt. Er zählte einst zu jenen, die scharf mit der Reform des damaligen Kanzlers Gerhard Schröder abrechneten. In Schröders Memoirenband über jene Zeit taucht auch er auf - als einer der Männer, die dem Kanzler das Leben schwer machten. Schröders Regierung habe mit ihrer Reformpolitik "auf ganzer Linie" versagt, so Wiesehügel damals.

Wiesehügel, der einst Betonbauer lernte und seit 1973 in der SPD ist, forderte damals mit seinen Äußerungen auch Steinbrück heraus, der den Kurs des Kanzlers stützte. Die Narben aus der Regierungszeit Schröders könne man zwar noch sehen, aber sie seien verblasst. "Und keine von beiden Seiten möchte daran kratzen. Wir gehen endlich wieder pfleglich miteinander um. Jeder weiß, dass er den anderen braucht", hat Wiesehügel vor zwei Jahren sein Verhältnis zu den Agenda-Befürwortern in der SPD erklärt.

ric/afp/reuters
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