EU-Kommission und EZB Litauen soll 2015 den Euro einführen

Niedrige Inflation, geringer Schuldenstand - Litauen ist nach Ansicht von EU-Kommission und EZB fit für den Euro. Stimmen die EU-Finanzminister zu, wird in dem baltischen Land ab 2015 mit dem Euro bezahlt.
Europa-Flagge in Vilnius: Litauen scheint bereit für die Euro-Zone

Europa-Flagge in Vilnius: Litauen scheint bereit für die Euro-Zone

Foto: Dzoja Barysaite/ dpa

Brüssel - Litauen kann ab 1. Januar kommenden Jahres den Euro als Landeswährung einführen. Das baltische Land erfülle alle Beitrittskriterien, stellten die EU-Kommission und die Europäische Zentralbank (EZB) in ihren Beitrittsberichten fest. Endgültig darüber entscheiden werden die EU-Finanzminister; dies ist für ihre Sitzung im Juli geplant.

Litauen würde den Beitritt der baltischen Staaten zur Euro-Zone komplettieren. Für das Land mit rund drei Millionen Einwohnern ist es bereits der zweite Anlauf, Mitglied im Währungsklub zu werden. Ursprünglich wollte das Land bereits 2007 den Euro einführen, scheiterte aber wegen einer leicht überhöhten Inflation. Litauen muss nun seine nationale Währung Litas aufgeben.

EU-Währungskommissar Olli Rehn lobte den Kurs Litauens, das die Krise wirkungsvoll bekämpft habe: "Dass Litauen nun die Voraussetzungen für die Einführung des Euro erfüllt, ist das Ergebnis einer langjährigen umsichtigen Haushaltspolitik und wirtschaftlicher Reformen."

EZB hat Bedenken wegen künftiger Inflation

Auch Europas Währungshüter halten Litauen fit für den Euro - trotz einiger Bedenken. Litauen habe Inflation, Haushaltsdefizit und Staatsverschuldung im Griff, schreibt die EZB in ihrem Bericht. Im vergangenen Jahr blieb das Haushaltsdefizit nach den Angaben mit 2,1 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt (BIP) deutlich unter der Marke von drei Prozent, die der Maastricht-Vertrag erlaubt. Auch die Staatsverschuldung lag mit 39,4 Prozent des BIP weit unter den erlaubten 60 Prozent.

Sorgen bereitet den Notenbankern aber mittelfristig der Inflationsdruck in dem Land. Da Preisniveau und Pro-Kopf-Einkommen in Litauen heute noch niedriger sind als im Euro-Raum, sei nach der Aufnahme tendenziell mit einer höheren Preissteigerung zu rechnen als im Währungsraum insgesamt.

Zudem betonte die EZB, dass Litauen das Vertrauen in die Stärke seines Finanzsektors stärken müsse. Dafür müsse vor allem die Bankenaufsicht effektiver werden. Hoffnung setzen die Währungshüter in die europäische Bankenaufsicht, die unter dem Dach der EZB im November an den Start geht und auch die Banken Litauens überwacht.

Nach aktuellem Stand dürfte Litauen erstmal der letzte Neuling in der Euro-Zone bleiben: Keiner der sieben weiteren Euro-Kandidaten - Bulgarien, Tschechien, Kroatien, Ungarn, Polen, Rumänien und Schweden - erfüllt laut den Berichten derzeit alle Konvergenzkriterien.

ade/dpa
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