Joint Venture in Bolivien Bundesregierung irritiert über Absage von Lithium-Projekt

Erstmals sollte ein deutsches Unternehmen direkten Zugang zum wichtigen Rohstoff Lithium bekommen, doch Bolivien ließ das Joint Venture platzen. Die Bundesregierung kann das nicht nachvollziehen.

Unter der Kruste des Salzsees Salar de Uyuni in Bolivien lagern die wohl größten Lithiumreserven der Welt
Georg Ismar / DPA

Unter der Kruste des Salzsees Salar de Uyuni in Bolivien lagern die wohl größten Lithiumreserven der Welt


Das Bundeswirtschaftsministerium hat Unverständnis über die Annullierung eines deutsch-bolivianischen Joint Ventures zur Lithiumgewinnung geäußert. Zuvor hatte ein bolivianischer Politiker gesagt, die Regierung habe das Projekt zwischen der Firma ACI Systems Alemania (ACISA) aus Baden-Württemberg und dem bolivianischen Staatsunternehmen YLB für beendet erklärt.

Man habe die Nachricht der Annullierung "mit Überraschung und Bedauern zur Kenntnis" genommen, teilte das Haus von Minister Peter Altmaier (CDU) mit. Und weiter: "Nachvollziehbare Gründe für diese Entscheidung sind der Bundesregierung bisher nicht bekannt." Man stehe mit der deutschen Botschaft in Bolivien und mit ACISA in Kontakt, um das weitere Vorgehen zu erörtern.

ACISA-Chef Wolfgang Schmutz hatte Altmaier im SPIEGEL um Hilfe gebeten. "Wir geben dieses Projekt nicht einfach auf", sagte Schmutz. "Jetzt werden Lösungen gesucht und gefunden. Dazu brauchen wir auch die Unterstützung der Politik."

Vertragsunterzeichnung 2018 mit ACISA-Chef Schmutz (u.l.) und Wirtschaftsminister Altmaier (oben, 2.v.r.)
Gregor Fischer/ DPA

Vertragsunterzeichnung 2018 mit ACISA-Chef Schmutz (u.l.) und Wirtschaftsminister Altmaier (oben, 2.v.r.)

Schmutz sagte, er habe in seinem "Badezimmer in den Radionachrichten gehört, dass das Projekt gestoppt werden soll. Da dachte ich zuerst, ich höre nicht recht." Ihm liege noch keine offizielle bolivianische Stellungnahme zur Annullierung des Projekts vor. Es gebe Verträge und rechtsverbindliche Vereinbarungen.

85 Prozent des Lithiums sollten nach Deutschland gehen

Lithium wird unter anderem zur Produktion von Batterien für Elektroautos benötigt und ist vor allem für die Automobilindustrie von wachsender Bedeutung. Das im vergangenen Dezember in Berlin vereinbarte Joint Venture zielte darauf ab, den Rohstoff aus dem Salzsee Uyuni in Bolivien zu gewinnen. Dort werden die weltweit größten Lithiumvorkommen vermutet.

Geplant war vom Jahr 2022 an eine Förderung von 30.000 bis 40.000 Tonnen Lithiumhydroxid im Jahr, mit Investitionen von 300 bis 400 Millionen Euro. Damit hätten sich Hunderttausende E-Autos mit Lithium-Batterien ausstatten lassen. 85 Prozent des Lithiums sollten nach Deutschland gehen.

Im bolivianischen Departement Potosí, in dem der Salzsee liegt, war es allerdings zu Protesten gegen das Projekt gekommen. Kritiker warnten vor Umweltschäden und monierten, die Lizenzabgaben durch das Unternehmen seien zu niedrig.

kko/dpa



insgesamt 58 Beiträge
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np.mueller 06.11.2019
1.
Da gab es wohl ein Veto aus den USA, oder aus China?
sandnetzwerk 06.11.2019
2. Schmutz
Der Name offenbar Programm. Bolivien verwüsten und in D den Steuerzahler melken. Für nichts, außer noch mehr Profit. Definitiv aber nicht für das Klima oder die Umwelt. Verlogen, skrupellos und Menschen verachtend.
horst-viersen 06.11.2019
3. Lithium geht an China?
Bolivien verfolgt Annäherungen an die wichtigen Handelspartner China, Russland und in geringerem Maße Iran und Indien. Die Beziehungen zu den USA, früher ein Hauptpartner, sind seit der Ausweisung in 2008 des US-Botschafters und der Drug Enforcement Agency (DEA) sowie von USAID in 2013 erheblich belastet. Auf dem Hintergrund ist es nicht verwunderlich, dass die Deutschen nicht zum Zuge kommen. Die Versorgung mit diesem strategischen Metall wird vermutlich für die BRD teuer werden. Ich rechne damit, dass der Schwerpunkt auf E-Mobilität davon betroffen wird. Eine Alternative bleibt Wasserstoff und Gas. Unter diesem Aspekt sehe ich auch die heutigen Äußerungen unseres Wirtschaftsministers. Dem dämmert es!
tecdetai 06.11.2019
4. Nun,
da haben die Chinesen wohl das lukrativere Angebot an die entscheidenden Aktoren gemacht. t
Xicht123 06.11.2019
5. @np.mueller
Ziemlich wahrscheinlich! Ich tippe mal auf China
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