Ersatz für Erdgas aus Russland Deutschland und Katar beschließen Energiepartnerschaft

Katars Emir besucht Olaf Scholz – und verspricht, rasch Flüssiggas zu liefern. Der Kanzler will die Beziehungen zum Land des Mannes ausbauen, dem Verbindungen zu den islamistischen Muslimbrüdern nachgesagt werden.
Kanzler Scholz mit Emir Tamim in Berlin

Kanzler Scholz mit Emir Tamim in Berlin

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Michael Sohn / AP

Um sich von russischer Energie unabhängig zu machen, setzt die Bundesregierung auf Katar. Das Emirat soll nach Angaben von Kanzler Olaf Scholz eine zentrale Rolle für die Versorgung mit Flüssiggas (LNG) spielen. Man wolle die Beziehungen auch im Bereich der Hochtechnologie ausbauen, sagte der SPD-Politiker nach einem Treffen mit dem Emir des Landes, Scheich Tamim bin Hamad bin Khalifa Al Thani.

Scheich Tamim verwies auf einen Ausbau der Gasproduktion, die zu Lieferungen hoffentlich 2026/27 führen könne. »Aber was immer wir auch in diesem Übergangszeitraum für die Energiesicherheit in Europa tun können, werden wir tun«, sagte er. Er erwähnte, dass man auch über eine Zusammenarbeit im Verteidigungssektor spreche. Scholz verwies auch auf den Ausbau der LNG-Infrastruktur. »Da spielt Katar eine zentrale Rolle in unserer Strategie.«

Zuvor hat Wirtschaftsminister Robert Habeck im Rahmen des Staatsbesuchs bereits eine Absichtserklärung für eine tiefere Zusammenarbeit mit dem Energieminister des Landes, Saad Sherida al-Kaabi, unterzeichnet. Der Grünenpolitiker hatte mit Blick auf die Zusammenarbeit bereits im März Katar besucht .

Arbeitsgruppen zu Gas und Erneuerbaren

Katar ist einer der weltweit größten LNG-Exporteure, liefert bislang jedoch vor allem nach Asien. Scheich Tamim regiert den schwerreichen Golfstaat seit 2013. Als er die Führung übernahm, war er gerade einmal 33 Jahre alt. Seitdem hat er den Einfluss der kleinen Halbinsel stark ausgebaut. Er holte die Fußball-WM ins Land und ist ein wichtiger Vermittler für den Westen im Umgang mit den Taliban.

Die deutsch-katarische Energiepartnerschaft solle den »hochrangigen Austausch« beider Regierungen zu energiebezogenen Themen fördern, Brücken zwischen beiden Ländern bauen und Akteure aus öffentlichem und privatem Sektor zusammenbringen, hieß es. Vorgesehen seien regelmäßige Treffen zwischen dem katarischen Energieministerium und dem Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz.

Das Wirtschaftsministerium kündigte zwei Arbeitsgruppen an, zu LNG und Wasserstoff sowie zu erneuerbaren Energien, Energieeffizienz und Lastmanagement. Auch Klimaschutz soll eine Rolle spielen.

Der Emir ist trotz seines moderaten Auftretens eine umstrittene Person. So werden ihm etwa Verbindungen zu den islamistischen Muslimbrüdern nachgesagt. Eine Reihe von Nachbarstaaten unter Führung Saudi-Arabiens verhängte sogar mehrere Jahre eine vollständige Blockade gegen Katar. Auch Ägypten schloss sich an. Die Staaten hatten dem Emirat unter anderem Terrorunterstützung und zu enge Beziehungen zum schiitischen Iran vorgeworfen. Erst im vergangenen Jahr wurde der Konflikt unter Vermittlung der USA beigelegt.

Katar wird zudem immer wieder wegen systematischer Menschenrechtsverstöße und Ausbeutung von Arbeitsmigranten, die etwa beim Aufbau der WM-Stadien helfen, kritisiert. Die Regierung in Doha weist die Vorwürfe zurück.

apr/Reuters/dpa