Löhne im Überblick So viel verdienen die Deutschen

Wieso bekommt nur jeder Dritte mehr als den Durchschnittslohn? Und wie hoch muss das Gehalt sein, um zum obersten Prozent zu gehören? Fakten zur Lohngerechtigkeit auf einen Blick - in der Infografik.
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Es gibt in Deutschland kaum ein größeres Tabuthema als das eigene Einkommen - selbst viele Ehepartner wissen voneinander so ziemlich alles, nur nicht die Höhe des Bruttogehalts. Umso schwerer fällt es vielen, ihren Verdienst richtig einordnen zu können. Die Grafik kann dabei helfen: Sie zeigt die Bruttomonatslöhne im April 2014, aktuellere Daten gibt es in dieser Detailtiefe noch nicht.

Allerdings sind ausschließlich Vollzeitarbeitnehmer berücksichtigt, was die Werte tendenziell etwas höher erscheinen lässt, als sie im Schnitt aller Arbeitnehmer tatsächlich sind - denn dazu gehören auch Teilzeitbeschäftigte und hier vor allem die Minijobber. Andererseits sind auch keinerlei Sonderzahlungen enthalten, wie etwa das 13. Gehalt oder das Urlaubsgeld.

Eines wird schnell deutlich: Jeder zweite Arbeitnehmer in Deutschland verdient zwischen 2100 und 3700 Euro brutto. Weniger bekommen knapp 20 Prozent, rund 30 Prozent haben hingegen ein höheres Monatsgehalt. Um zu dem oberen einen Prozent der Arbeitnehmer-Verdiener zu gehören, reichte vor drei Jahren ein reguläres Bruttogehalt von 10.505 Euro. Wie stark die Verdiensthöhe bei den oberen Einkommensklassen jedoch steigt, macht die Grafik ebenfalls deutlich.

Das ist auch der Grund, weshalb die Unterschiede zwischen dem Durchschnitts- und dem Medianlohn recht groß sind: Der Medianlohn (oder der "mittlere Lohn") ist der Lohn genau in der Mitte - 50 Prozent der Arbeitnehmer verdienen weniger, 50 Prozent verdienen mehr. Im April 2014 lag er bei 2990 Euro. Um den Durchschnittslohn zu berechnen, werden hingegen alle einzelnen Löhne addiert und dann durch die Anzahl der Arbeitnehmer geteilt - die hohen Verdienstsprünge bei den oberen Einkommensklassen sorgen dafür, dass der Durchschnittslohn mit 3441 Euro wesentlich höher lag als der Medianlohn. Wer also den Durchschnittslohn bekommt, verdient mehr als 65 Prozent aller anderen Arbeitnehmer.

Übrigens: Die berühmte "Standardrente" wird auf Grundlage des Durchschnittslohns und nicht des Medianlohns berechnet - weist also, anders als ihr Name vermuten lässt, die gesetzliche Rente eines Arbeitnehmers aus, der 45 Jahre lang durchweg zu den Gutverdienern gehörte.

Die Lohnspreizung seit Mitte der Neunzigerjahre gibt einen Hinweis darauf, woher die höchst unterschiedlichen Bewertungen über die Entwicklung der Lebenssituation in Deutschland rühren könnten: Zwischen 1995 und 2015 sanken die Reallöhne des untersten Einkommenszehntels jedes Jahr im Schnitt um 0,6 Prozent. Anders ausgedrückt: Jahr für Jahr konnten sich Arbeitnehmer in dieser Gruppe 0,6 Prozent weniger leisten. Auf der anderen Seite der Einkommensskala wuchs die Kaufkraft jedoch immer weiter. Bei den oberen 30 Einkommensprozent Jahr für Jahr um rund ein halbes Prozent.

Wahr ist allerdings auch: Dieser langfristige Trend scheint sich seit Kurzem zu ändern. Seit 2012 haben alle Einkommensklassen an Kaufkraft zugelegt, die untersten 30 Prozent recht deutlich, allerdings immer noch weit weniger als die obersten 40 Prozent. Am wenigsten legten die Einkommen in der Mitte zu.

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