DIW-Studie Löhne in Industrie haben großes Aufholpotenzial

Exportstarke Industrieunternehmen haben laut einer DIW-Studie besonders von der moderaten Lohnentwicklung seit 2003 profitiert. Die Lohnerhöhungen hätten dort jedes Jahr um gut ein Prozent höher ausfallen können.

Automobilproduktion: Löhne im Fahrzeugbau stiegen langsamer als Produktivität
DPA

Automobilproduktion: Löhne im Fahrzeugbau stiegen langsamer als Produktivität


Berlin - Die Lohnzurückhaltung der vergangenen Jahre in Deutschland hat insbesondere Arbeiter in der Industrie getroffen. Die Entgeltsteigerungen im produzierenden Gewerbe seien zwischen 2003 und 2013 im Schnitt pro Jahr um 1,1 Prozent hinter dem zurückgeblieben, was angesichts der gestiegenen Produktivität möglich gewesen wäre. Über den ganzen Zeitraum sind sie damit rund 11,6 Prozent hinter die Produktivität zurückgefallen. Das ergibt eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW).

Insgesamt hätten die deutschen Arbeitnehmer in dem Zeitraum im Jahresdurchschnitt um 0,3 Prozentpunkte geringere Lohnsteigerungen erhalten als der Verteilungsspielraum gerechtfertigt hätte. Arbeitgeber profitierten also stärker von der wachsenden Wirtschaftsleistung als ihre Beschäftigten. Als Verteilungsspielraum bezeichnet man die Summe aus jährlicher Produktivitätssteigerung und Inflation. Er ist eine Faustregel dafür, in welcher Höhe Lohnsteigerungen möglich sind, ohne dass Jobs gestrichen werden müssen.

"Besonders überrascht, dass für den unzureichenden Lohnanstieg vor allem bedeutende Industriezweige verantwortlich sind", sagte DIW-Arbeitsmarktexperte Karl Brenke. Mit Sektoren wie dem Maschinenbau, dem Fahrzeugbau, der Metallerzeugung oder der chemischen Industrie seien ausgerechnet die Branchen hinter ihren Möglichkeiten zurückgeblieben, in denen die Unternehmen bereits relativ hohe Löhne zahlten und die Entgelte teils auch kräftig gestiegen seien.

"Pauschalforderungen nach drei Prozent Plus sind nicht sinnvoll"

In einigen anderen Wirtschaftsbereichen seien die Entgelte dagegen stärker gestiegen, als es verglichen mit der Wirtschaftsleistung angemessen gewesen wäre. "Das war etwa bei den Unternehmensdienstleistungen wie den freiberuflichen und technischen Diensten sowie in der Forschung und Entwicklung der Fall", sagte Brenke. Zuletzt seien auch im Handel die Löhne zu stark gestiegen.

Angesichts der in der Studie zutage getretenen unterschiedlichen Entwicklungen in einzelnen Bereichen sollten Gewerkschaften in Tarifauseinandersetzungen ihre Lohnforderungen nicht an einem gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt, sondern jeweils an der Entwicklung ihrer Branche ausrichten, riet der Arbeitsmarktexperte: "Pauschalforderungen etwa nach einem Plus von mindestens drei Prozent sind nicht sinnvoll, wenn beispielsweise eine Vier vor dem Komma im Fahrzeugbau, bei Teilen der Chemieindustrie oder im Maschinenbau obligatorisch sein sollte."

Auch gesamtwirtschaftlich erzeuge es positive Effekte, wenn die Betriebe die Löhne zahlten, die sie zahlen könnten, ohne Schaden zu nehmen. "Höhere Löhne dürften die Inlandsnachfrage ankurbeln", erklärte Brenke. Davon könnten deutsche wie ausländische Unternehmen profitieren, und die hohen deutschen Außenhandelsüberschüsse würden sinken.

ade/AFP/dpa

insgesamt 9 Beiträge
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Pandora0611 13.08.2014
1. Maßhalten!
---Zitat--- Die Lohnzurückhaltung der vergangenen Jahre in Deutschland hat insbesondere Arbeiter in der Industrie getroffen. Die Entgeltsteigerungen im produzierenden Gewerbe seien zwischen 2003 und 2013 im Schnitt pro Jahr um 1,1 Prozent hinter dem zurückgeblieben, was angesichts der gestiegenen Produktivität möglich gewesen wäre. Über den ganzen Zeitraum sind sie damit rund 11,6 Prozent hinter die Produktivität zurückgefallen. ---Zitatende--- Dafür sind die Unternehmensgewinne durch die Decke gegangen. Auch unsere Abgeordneten und Beamte haben sich nicht zurückgehalten. Sie faselten immer von einem "Nachholbedarf". Dabei gibt es diesen schon lange nicht mehr. Die Pensionäre sind die reichste Gruppe in Deutschland. Und Unternehmer und "Manager" (Verwalter) kassieren Millionen pro Jahr (natürlich *plus *Boni). Und alles finanziert vom "dummen" Steuerzahler. Und sollten die Arbeitnehmer und/oder Gewerkschaften einmal eine Lohnsteigerung fordern, wird sofort das Gespenst des Arbeitsplatzabbaus, der Abwanderung ins günstigere Ausland (Rumänien, Bulgarien oder Indien/China) heraufbeschworen. Und so gab es also in den letzten Jahren Nullrunden oder sogar Lohnsenkungen. Im Gegenzug stiegen die Steuern und Abgaben.
norman.schnalzger 13.08.2014
2. Diese Zurückhaaltung
gilt bestimmt auch für Managergehälter, Bankerboni, Unternehmergewinne und Aktienrenditen. Danke für soviel Sozialverträglichkeit
Kassandro5000 13.08.2014
3. Treu
richtet sich das DIW nach den Vorgaben des IWF, die deutsche Wettbewerbsfaehigkeit zu schwaechen, um die Euro-Zone zu retten.
Knick001 13.08.2014
4. Frage mich
Wieso davon gesprochen wird das alle beamten unermessliche Lohnsteigerungen erhalten haben. Abgeordnete ja, dort gibt es eine regelrechte Bereicherung. Beamte haben durch die AZ Erhöhung oder Wegfall von Urlaubs und Weihnachtsgeld denk ich eher minus gemacht. Im Vergleich zu den Angestellten im Öd wird bei beamten pauschal bei jeder Verhandlungsrunde 0,2 % weniger gezahlt. Da meist in 3 stufen eine Erhöhung erfolgt sind das 0,6 USW. Frage mich eh warum sich nie jemand z.B. Über all die staatlich gesponserten Firmenwagen aufregt. Ja liebe Steuerzahler, das finanziert ihr mit. Aber die wenigsten regt es aufs weil ja eh so viele selbst davon profitieren.
steinbock8 13.08.2014
5. Löhne
der Wirtschaft würde es noch besser gehen wenn sie zur Ankurbelung der Nachfrage bessere Löhne zahlen würde Geld muss in den Kreislauf aber am Gewinn die Lohnempfänger beteiligen haben sie auf der Uni und im Privatleben nicht gelernt sie verstehen die einfachsten wirtschaftsregeln nicht
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