Lohnentwicklung Sechs von zehn Arbeitnehmern fühlen sich gerecht bezahlt

Es ist eine Mehrheit, aber sie schrumpft: 61 Prozent der Arbeitnehmer in Deutschland sind laut einer Studie mit ihrem Lohn zufrieden - weniger als früher. Bei einer Gruppe überwiegt gar der Unmut.

Fertigung beim Windkraftanlagenbauer Nordex in Rostock
DPA

Fertigung beim Windkraftanlagenbauer Nordex in Rostock


Immer häufiger sind Arbeitnehmer in Deutschland unzufrieden mit ihrem Lohn. Das geht aus einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW Köln) hervor, über die die "Rheinische Post" berichtet. Demnach gaben 61 Prozent aller Arbeitnehmer an, sich gerecht bezahlt zu fühlen.

Das ist zwar eine Mehrheit, die ist allerdings kleiner als früher: Im Jahr 2014 legte das arbeitgebernahe IW Köln eine Auswertung vor, wonach im Jahr 2011 noch 64 Prozent mit ihrem Lohn zufrieden waren - wobei sich die Fragestellung leicht unterschied: Damals wurde nach der Zufriedenheit mit dem Einkommen allgemein gefragt, diesmal explizit nach dem Bruttoeinkommen.

Der Trend ist deshalb überraschend, weil die Reallöhne in Deutschland etwa seit dieser Zeit in allen Bereichen spürbar wachsen, nachdem sie jahrzehntelang in den unteren und mittleren Einkommensgruppen stagnierten.

Für ihre Studie hat IW-Lohnexpertin Helena Schneider das Sozio-oekonomische Panel (SOEP) ausgewertet. Dabei zeigten sich strukturelle Unterschiede in der Lohnzufriedenheit. So sei der Anteil der mit ihrer Bezahlung zufriedenen Arbeitnehmer im Westen höher als im Osten.

Wer im Niedriglohnsektor beschäftigt ist, fühlt sich demnach ungerechter entlohnt als Personen mit höheren Bruttostundenlöhnen - was wenig überraschend ist. Allerdings gibt selbst in dieser Gruppe eine knappe Mehrheit von 53,1 Prozent an, gerecht entlohnt zu werden.

Dabei zeigt sich ein starkes Gefälle zwischen West und Ost: In Ostdeutschland empfanden nur 38,4 Prozent der Niedriglöhner ihr Bruttoeinkommen als gerecht, bei ihnen herrscht also deutlich messbarer Unmut über die Bezahlung. Im Westen hingegen waren fast 20 Prozentpunkte der Beschäftigten im Niedriglohnsektor mehr zufrieden mit der geringen Bezahlung.

Auch starke Gewerkschaften - und damit geltende Tarifverträge - wirken sich der Studie zufolge messbar auf die Zufriedenheit mit dem Lohn aus. "Beschäftigte, die nach einem Haus- oder Flächentarifvertrag bezahlt werden, fühlen sich im Durchschnitt gerechter entlohnt als Arbeitnehmer aus Betrieben ohne Tarifbindung", schreibt die IW-Autorin. Während 63,2 Prozent der nach Tarif bezahlten Beschäftigten ihr Bruttoeinkommen als gerecht empfänden, betrage dieser Wert für nicht tarifgebundene Arbeitnehmer 56,3 Prozent.

Für die Langzeitstudie SOEP (Sozio-oekonomisches Panel) werden seit 1984 jährlich grundsätzlich rund 30.000 Personen in etwa 15.000 Haushalten befragt - soweit möglich, immer die gleichen. Das Spektrum der Fragen ist groß und umfasst unter anderem Persönlichkeitsmerkmale, Bildung, Gesundheit, Einkommen und die Erwerbssituation. Dadurch gilt das SOEP als zuverlässig und aussagekräftig.

Anmerkung der Redaktion: Wir haben das Ergebnis der Umfrage aus dem Jahr 2011 korrigiert und die Angaben zur Fragestellung präzisiert.

fdi/dpa



insgesamt 124 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
mc_os 11.12.2017
1. Fazit:
Eigentlich gaben die Zahlen keine Neuigkeiten wieder. Besonders im Hinblick auf die ewig Unzufriedenen. Aber ein Fakt fehlt dennoch: Die Nähe dieser Gruppen zu Verschwörungstheorie / die Leichtgläubigkeit.
jksadfhg 11.12.2017
2.
Grund für diese Zufriedenheit ist die deutsche Hundementalität.
unzensierbar 11.12.2017
3. Gleichgültigkeit
Anscheinend herrscht da zu viel Gleichgültigkeit. Wenn man sich mal die Reallohnentwicklung über die letzten Jahrzehnte anschaut, sollten da 99% unzufrieden sein.
Spiegelleserin57 11.12.2017
4. es ist auch die Angst um den Job!
Zitat von jksadfhgGrund für diese Zufriedenheit ist die deutsche Hundementalität.
wer sich öffentlich äußert wird doch schnell gefeuert. Begründung: der Arbeitgeber kann kein Vertrauen mehr in den Arbeitnehmer haben. Wenn das Geld nicht mehr zum Leben reicht wird man eben unzufrieden. Kein Wunder in der heutigen Zeit. Die Geschäfte gaukeln vor dass man sich alles kaufen kann , werben mit Sales die keine sind...und der Arbeitnehmer steht davor und kann sich diesen auch nicht leisten... Wen wundert dann die Unzufriedenheit?
naklar? 11.12.2017
5. Endscheident für das Gefühl einer gerechten Entlohnung ist doch ...
... auch die Gewissheit im Alter von seiner Rente leben zu können. Wie lautet es so schön in den Medien: Man muß auf Dauer mehr als 2500€ Brutto (Stand: 2017) verdienen um mehr als Grundsicherung im Alter zu bekommen. Von privater Zusatzversorgung bei Löhnen/Gehältern unter und bis zu dieser Grenze zu sprechen ist daher Weltfremd.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.