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30. August 2017, 11:52 Uhr

Frühjahr 2017

Tariflöhne steigen deutlich

So stark haben die Tarifverdienste schon lange nicht mehr zugelegt: Von April bis Juni stiegen sie um 3,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr - das dürfte allerdings ein Ausreißer sein.

In diesem Frühjahr haben Arbeitnehmer, für die ein Tarifvertrag gilt, im Schnitt deutlich mehr verdient als vor einem Jahr. Die Tarifverdienste waren im zweiten Quartal 2017 um durchschnittlich 3,8 Prozent höher als im gleichen Zeitraum des Vorjahres, wie das Statistische Bundesamt mitteilt. Das ist der höchste Anstieg seit der Einführung dieser Statistik im Jahr 2011. In die Steigerung waren auch Sonderzahlungen eingerechnet - ohne diese lag der Anstieg noch bei 3,4 Prozent.

Da die Preise im Zeitraum von April bis Juni lediglich um 1,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr stiegen, erhöhten sich auch die realen Tarifverdienste, also die Kaufkraft der Beschäftigten. Das deutet darauf hin, dass sich der Trend der vergangenen Jahre zu steigenden Reallöhnen fortsetzt. Seit 2012 verzeichnet etwa das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung wieder einen Anstieg, nachdem die Reallöhne zuvor zwei Jahrzehnte lang im Schnitt stagnierten - und für die unteren 50 Prozent der Einkommen sogar deutlich fielen.

Allerdings lassen die aktuellen Zahlen der Statistiker nur begrenzt Rückschlüsse auf die gesamte Lohnentwicklung in Deutschland zu. Denn die Statistik umfasst ausschließlich die Löhne der Arbeitnehmer, für die ein Tarifvertrag gilt. Diese Tarifbindung ist jedoch in den vergangenen Jahrzehnten stetig zurückgegangen, zuletzt lag sie nur noch bei 50 Prozent.

Zudem dürfte das zweite Quartal einen Ausreißer nach oben darstellen, in den kommenden Quartalen erwarten die Statistiker deutlich geringere Anstiege. Denn ein großer Teil des jüngsten Anstiegs gehe auf statistische Effekte zurück: So galt zum Beispiel für den Öffentlichen Dienst der Länder bereits seit Januar eine vereinbarte Lohnerhöhung von zwei Prozent. Ausbezahlt wurde diese aber erst im zweiten Quartal, mitsamt hoher Nachzahlungen für die ersten drei Monate des Jahres.

Bei den Angestellten von Bund und Gemeinden war es im vergangenen Sommer ähnlich, zusammen mit einer weiteren Tariferhöhung in diesem Februar trug auch das zu der hohen statistischen Steigerung bei. In der Metall- und Elektroindustrie wirkte sich die zweite Stufe eines Tarifabschlusses aus. Bereits im Juli 2016 waren die Löhne um 2,8 Prozent erhöht worden, ab April 2017 noch einmal um 2,0 Prozent.

Besonders stark war der Anstieg der Tarifverdienste mit 7,4 Prozent im Bergbau. In den Branchen Wasserversorgung und Entsorgung, Öffentliche Verwaltung, Verteidigung und Sozialversicherung sowie im Gesundheits- und Sozialwesen wuchsen die Tarifverdienste um 4,5 Prozent. In der Industrie legten sie um 4,1 Prozent zu. Im Gastgewerbe und im Handel stiegen die Tariflöhne hingegen mit 0,9 beziehungsweise 1,1 Prozent nur schwach.

fdi

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