Lokführer-Streik der GdL Deutschlands dümmste Gewerkschaft

Die Lokführer schmettern das neue Tarifangebot der Deutschen Bahn ab - sie wollen lieber streiken. Das ist ihr gutes Recht. Dumm nur, dass sie damit ihre eigene Entmachtung betreiben.
GdL-Chef Weselsky: Die Lokführer stärken nur die Macht des Vorsitzenden

GdL-Chef Weselsky: Die Lokführer stärken nur die Macht des Vorsitzenden

Foto: Soeren Stache/ picture alliance / dpa

Schichtdienste, eng getaktete Zeitpläne, Monotonie pur auf kilometerlangen Gleisen: Der Beruf des Lokführers ist beileibe etwas anderes als das, was sich kleine Jungen mit leuchtenden Augen unter ihm vorstellen. Das gilt erst recht für das Gehalt. Rund 2000 Euro brutto plus Zulagen bekommt ein Lokführer in den ersten Berufsjahren. Reich wird man davon sicher nicht, auch nach Jahrzehnten im Dienst der Deutschen Bahn.

Statistisch ziemlich sicher ist dagegen, dass einem Lokführer in seiner Arbeitszeit mindestens ein lebensmüder Mensch vor den Zug springt. Viele Lokführer werden nach solch einem Schock depressiv oder sogar arbeitsunfähig.

Die Gewerkschaft der Lokomotivführer (GdL) hat schon deshalb jedes Recht, in der aktuellen Tarifrunde mit der Bahn ein ordentliches Plus auf dem Gehaltszettel für die Beschäftigten rauszuholen - und dafür auch zu streiken. Das hat sie nun für die kommenden Tage angekündigt.

Doch das, was der Vorsitzende der Gewerkschaft, Claus Weselsky, seit Monaten vorantreibt, hat nichts mehr mit einer normalen Tarifauseinandersetzung zu tun. Weselsky will die 1867 als Verein Deutscher Lokomotivführer gegründete Gewerkschaft auch auf das restliche Bahnpersonal ausdehnen, obwohl das zumeist schon in der größeren Gewerkschaft EVG organisiert ist. Das ist in etwa so, als würden die Ärztevertreter vom Marburger Bund nun auch die Interessen der Krankenpfleger oder der Rettungssanitäter wahrnehmen wollen.

Aufruf zum "Heiligen Krieg, nur um sein Ego zu stärken"

Weselskys legendärer Vorgänger Manfred Schell - nicht gerade für seine Sanftmütigkeit bekannt - brachte Weselskys Treiben kürzlich auf den Punkt: Weselsky rufe zum "Heiligen Krieg auf, nur um sein Ego zu stärken". Tatsächlich haben die Lokführer nichts durch den aggressiven Kurs Weselskys gewonnen: Seit Monaten bewegt sich nichts im Tarifstreit, die Gräben zwischen den Gewerkschaften innerhalb des Bahn-Konzerns sind tiefer denn je.

Derzeit bastelt die Bundesregierung zudem an einem Gesetz zur sogenannten Tarifeinheit. Im schwerwiegendsten Fall dürften sogenannte Spartengewerkschaften dann nicht mehr streiken, weil die größeren mit mehr Mitgliedern in einem Betrieb dann Vorrang hätten. Für die Lokführer, Piloten oder Ärzte würde dann die Friedenspflicht gelten. Anders gesagt: Sie wären ihr wirkungsvollstes Druckmittel los, ihre Spartengewerkschaften zur Bedeutungslosigkeit verdammt. Weselskys Egotrip ist die beste Werbung, die sich Arbeitgeberverbände für ihre Forderung nach einem Tarifeinheitsgesetz wünschen können.

Es ist also höchste Zeit, dass die GdL-Mitglieder aufwachen, um sich nicht den Titel der dümmsten Gewerkschaft der Welt zu verdienen. Zuletzt haben 91 Prozent von ihnen Weselsky ihre Zustimmung für unbefristete Streiks gegeben. Dass sie damit jetzt die Macht des Vorsitzenden stärken - und ihre eigene langfristig schwächen, haben sie dabei wohl nicht bedacht.

Die Lokführer und auch die Lufthansa-Piloten sollten sich bewusst sein, dass ihre Handlungen momentan genauestens von Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) und den Arbeitgebern beobachtet werden. Jede überzogene Forderung, wie die von Weselsky oder auch die Altersgeld-Wünsche der Piloten, spielt den Befürwortern der Tarifeinheit in die Hände. Wenn die Lokführer ihren Kurs nicht ändern, rechtfertigen sie ungewollt ihre eigene Entmachtung.