SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

29. Juni 2016, 15:29 Uhr

Steuer-Affäre

"Luxleaks"-Enthüller zu Bewährungsstrafen verurteilt

Urteile im "Luxleaks"-Prozess: Zwei Enthüller fragwürdiger Steuerdeals internationaler Konzerne sind in Luxemburg zu Bewährungsstrafen verurteilt worden. Ein Journalist ging straffrei aus.

Im Prozess um die Enthüllungen im "Luxleaks"-Skandal sind zwei ehemalige Mitarbeiter der Wirtschaftsprüfungsfirma PricewaterhouseCoopers(PwC) zu Bewährungsstrafen verurteilt worden.

Der Hauptangeklagte Antoine Deltour erhielt zwölf Monate Haft auf Bewährung und eine Geldbuße. Er wurde vom Bezirksgericht Luxemburg für schuldig befunden, rund 45.000 Seiten Dokumente über Steuervereinbarungen großer Konzerne in die Öffentlichkeit gebracht zu haben.

Ein anderer Ex-Mitarbeiter des Unternehmens bekam eine Bewährungsstrafe von neun Monaten und ebenfalls eine Geldbuße. Die Staatsanwaltschaft hatte 18 Monate Haft gefordert. Ein französischer Journalist wurde freigesprochen. Die Verteidigung hatte Freisprüche für alle drei Angeklagten verlangt.

Enthüllungen lösten Debatte über Steuerhinterziehung aus

Die Enthüllungen über Steuersätze für Großkonzerne von teilweise weniger als einem Prozent hatten 2012 und 2014 eine internationale Debatte über den "Steuerwettbewerb" mehrerer EU-Staaten um Unternehmen ausgelöst.

Aus den Dokumenten ging hervor, wie Luxemburg Hunderte Firmen mit dubiosen Angeboten ins Land lockte. Großkonzerne wie Amazon, Coca-Cola, Facebook, Google, Ikea und McDonald's sparten so Milliarden Euro an Steuern. Die Aufarbeitung dieses "Luxemburg-Leaks" dauert bis heute.

Die Vorwürfe gegen die Beschuldigten reichten von Diebstahl und Verletzung von Geschäftsgeheimnissen bis zur Verletzung der Geheimhaltungspflicht. Die Organisationen Oxfam und Attac hatten erklärt, ein Freispruch sei das "einzig akzeptable" Urteil in dem Prozess gegen die "Whistleblower".

brt/dpa/AFP

URL:

Verwandte Artikel:


© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung